Arbeitslosigkeit sinkt weiter - grosse regionale Unterschiede

Die tiefe Arbeitslosenquote lässt nun die Angestellten der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) um ihre Jobs bangen. Keystone

Die Arbeitslosigkeit ist in der Schweiz im Monat Juni weiter zurückgegangen. Nach Mitteilung des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) vom Freitag (07.07.) bildete sich die Arbeitslosenquote um 0,1 auf 1,8 Prozent zurück.

Dieser Inhalt wurde am 07. Juli 2000 - 10:48 publiziert

Die Arbeitslosenquote sank somit auf den tiefsten Stand seit achteinhalb Jahren, wie das seco mitteilte. Allerdings gab es grosse regionale Unterschiede.

In Genf ist die Quote mehr als doppelt so hoch wie im Landesmittel. Bei den Arbeitsämtern waren Ende Juni nach Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) noch 65'962 Menschen als arbeitslos eingeschrieben - 3'826 weniger als im Vormonat. So wenig Arbeitslose waren letztmals im Dezember 1991 registriert, wie seco-Direktor Jean-Luc Nordmann sagte.

Die Zahl der Stellensuchenden ging um 5'455 auf 119'828 zurück. Auch bei den offenen Stellen wurde im Juni ein leichter Rückgang um 104 auf 15'620 Stellen registriert.

Nur Genf über der 3-Prozent-Marke

Ein Blick auf die Arbeitslosenquoten in den Kantonen zeigt, dass Genf mit Abstand am meisten Arbeitslose hat. Die Quote lag bei 4,3 Prozent, während alle anderen Kantone unter der Drei-Prozent-Marke lagen. Nach Genf folgen die Kantone Waadt mit 2,8, Tessin mit 2,6 und Neuenburg und Basel-Stadt mit je 2,0 Prozent. Am wenigsten Arbeitslose waren in Appenzell-Innerrhoden (0,2 Prozent), gefolgt von Uri (0,4 Prozent) und Ob- und Nidwalden (je 0,5 Prozent) gemeldet. Unter der Ein-Prozent-Marke lagen auch Appenzell-Ausserrhoden, Schwyz und Glarus. Am stärksten ging die Arbeitslosigkeit im Wallis zurück, nämlich um 0,3 Prozent auf den landesweiten Durchschnitt von 1,8 Prozent.

Die gleichzeitig veröffentlichte Kurzarbeitsstatistik für den Mai bestätigt die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Sowohl die Zahl der Betroffenen wie auch jene der ausgefallenen Arbeitsstunden sank um knapp einen Drittel gegenüber dem April. Am stärksten von der Kurzarbeit betroffen war die Textilindustrie.

Weiterer Rückgang erwartet

Laut Nordmann ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Juni je zur Hälfte konjunkturell und saisonal bedingt. Auch für Langzeitarbeitslose habe sich die Situation stark gebessert. In gewissen Branchen trocknete der Markt weiter aus, was sich auch am gestiegenen Volumen der Stelleninserate zeige. Nordmann rechnet damit, dass sich die Arbeitslosigkeit weiter zurückbildet, aber im Juli und August etwas weniger stark als bisher, da Ende Sommer Schul- und Lehrabgänger auf den Markt kommen. Im September dürfte die Quote dann wieder etwas stärker sinken. Für das ganze Jahr rechnet Nordmann mit durchschnittlich 70'000 Arbeitslosen.

Arbeitsvermittler werden arbeitslos

Die mit 1,8 Prozent tiefe Arbeitslosenquote lässt die Angestellten der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) um ihre Jobs bangen. 500 Stellen wurden bereits abgebaut und weitere werden folgen. Als im Februar 1997 die Arbeitslosenquote 5,7 Prozent und damit ihren Höchststand in der Schweiz erreicht hatte, musste Abhilfe her: Flächendeckend wurden Regionale Arbeitsvermittlungszentren aufgebaut und betrieben. Ende 1997 boten 153 RAV mit 2684 Angestellten Stellensuchenden und Arbeitgebern ihre Dienste an.

Im Juni 2000 ist die Arbeitslosenquote auf knapp einen Drittel des Höchststandes gefallen und liegt mit 1,8 Prozent auf dem tiefsten Stand seit den 90er-Jahren. So erfreulich dies auch sein mag: Für Arbeitsvermittler ist die sinkende Arbeitslosigkeit ein echter Jobkiller, führt sie doch bei den RAV zu einem massiven Stellenabbau.

swissinfo und Agenturen

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