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Berner Gurtenfestival wird erwachsen

Strahlende Sonne und heisser Sound am 20. Gurtenfestival. swissinfo.ch

Mit seiner zwanzigsten Ausgabe ist das Berner Gurtenfestival dem Teenager-Alter entwachsen. Es ist damit unterdessen älter als die meisten seiner Besucherinnen und Besucher.

Dieser Inhalt wurde am 21. Juli 2003 - 06:48 publiziert

Die Veranstalter möchten am Festival eine positive Stimmung verbreiten. Das perfekte Wetter hilft aktiv mit.

"Es ehrt mich, das 20. Gurtenfestival organisieren zu dürfen", sagt Veranstalter Philippe Cornu gegenüber swissinfo. Schon zum 14. Mal hat er mitgearbeitet, eines der wichtigsten Openairs der Schweiz zu organisieren.

Auch dieses Jahr beginnt der Run auf den Gurten, den 858 Meter hohen Berner Hausberg, vor Freitagmittag: Der Zeltplatz war schon am frühen Nachmittag mit 5000 kleinen Iglu-Zelten gefüllt, vor der Gurtenbahn stauten sich die Leute in einer langen Schlange.

Wer nicht warten wollte, schleppte seinen Rucksack eine halbe Stunde den Berg hinauf. Bei über 30 Grad und unter praller Sonne.

Zu dieser Zeit eröffnete die Schweizer Band "Open Season" – noch etwas verhalten – das dreitägige Musik-Fest. Einen ersten Höhepunkt boten etwas später die Väter des Ska, die Skatalites, auf der Ostbühne.

Langzeitprognose und Tickets aus dem Drucker

Dieses Wetter freut natürlich auch die Organisatoren, war doch das Festival auf dem Gurten, in der Bundesstadt liebevoll "Güsche" genannt, in der Vergangenheit selten vom Wetter verwöhnt worden. Auch am Vorabend des diesjährigen Festivals hatten Wolken den Berner Himmel belebt.

"Die Langzeitprognose hat gutes Wetter vorausgesagt, wir haben gut geschlafen", erklärt Matthias Kuratli, Pressechef des Festivals, aufgeräumt. Und: "Wir sind ausverkauft. Das sind 15'000 Besucherinnen und Besucher pro Tag."

Die meisten der Tickets haben die Leute selber gedruckt: Statt auf teuren Versand via Ticketfirmen, haben die Gurten-Organisatoren auf den Verkauf übers Internet gesetzt: Wer kaufte, konnte das Billett selber ausdrucken, ein Strichcode beweist die Echtheit.

"Unser junges Publikum hat keine Berührungs-Ängste mit dem Internet, das hat gut funktioniert", weiss Kuratli. "Wir machen das wieder so."

MMS-Handys und rote Tücher

Der Lead-Sänger der Band Orishas, Gurten-Lieblinge mit kubanischen Hiphop, zieht sein T-Shirt aus – das Publikum kreischt und pfeift vor Freude, wiegt die ausgestreckten Arme hin und her.

Draussen vor dem Zirkus-Zelt, das die kleinere Bühne überdacht, brennt die Sonne. Ein Helfer presst Soft-Ice aus einem isolierten Rucksack durch eine 12-Volt-Pistole in Cornets: Die kalte Glace geht weg wie heisse Weggli.

Zu den Rhythmen, die aus den Party-Zelten wabern, tippen Besuchende SMS-Nachrichten oder posieren für Fotos aus MMS-Multimedia-Handys. Und im Gegensatz zum letzten Jahr bricht das Handy-Netz nicht zusammen.

Rote Tücher, Werbegag der Schweizer Milchproduzenten, auf Köpfen und um Hälse, erinnern an Ferienlager der kommunistischen Jugendorganisationen. Die Stände mit Esoterik-Artikeln und Hanfkleidern holen einen zurück auf den eidgenössischen Gurten.

Politisches Engagement und friedliche Vibes

Es dunkelt langsam ein, als sich das Achter-Kollektiv der Asian Dub Foundation aus Grossbritannien auf der grossen Bühne installiert. Während fast zwei Stunden protestieren sie mit Ragga, Jungle, Dub und Punk für eine bessere Welt.

"Ich wollte dieses Jahr nur Bands, die friedliche Stimmung verbreiten", sagt Cornu. "Als wir die Bands buchten, war der Irak-Krieg in vollem Gange. Ich wollte gute Vibrationen und keine Kontroversen!"

Vielleicht fehlt auch darum der wirkliche Grossact. Kuratli dementiert und verweist auf Alanis Morisette, die am Sonntag ihren Auftritt hat. Trotzdem: "Es war schwieriger als auch schon, Bands zu engagieren. Die Konkurrenz ausländischer Festivals ist hart und viele amerikanische Bands wollen nicht nach Europa kommen."

Dass am Gurten keine Mega-Gagen bezahlt werden – die höchste liege im Bereich des Preises eines Oberklasseautos mit Klimaanlage und Ledersitzen sagt der Pressechef – setzt dem Festival auch finanziell klare Grenzen. "Das Budget liegt seit vier Jahren bei 3,5 Mio. Franken", verrät Kuratli.

Sponsoren und Trash-Heroes

Dieses Budget wird durch verschiedene Sponsoren entlastet. Der Detailhandel-Riese Migros, dem überhaupt der ganze Gurten gehört, ist mit eigener Lounge präsent, die Post ebenfalls. Ein Tabak-Multi betreibt einen Saloon und achtet peinlich genau darauf, dass nur über 18-Jährige eingelassen werden.

Penetrant kommerziell wirken die Aufritte der Sponsoren nur, wenn ihre Videoclips über die beiden riesigen Bildschirme neben der Hauptbühne flimmern.

Die Screens sind ein Novum fürs Gurten, ebenso das Abfallkonzept: Getränke gibt es nur im Mehrwegbecher mit Depot, Essen wird auf kompostierbaren Tellern serviert.

120 Helferinnen und Helfer, die "Trash Heroes", sammeln den Abfall und sollen die Besuchenden auf die Abfall-Problematik sensibilisieren. "Nur so kann ein Festival nachhaltig bleiben", sagt Kuratli.

Cornu: "Schönstes Festival"

Während die Fantastischen Vier, die deutschen Ur-Hiphopper, gegen Mitternacht unplugged auf die Bühne treten, scheinen die Abfall-Helden in ihrer ersten Schlacht auf erbitterten Widerstand zu treffen: Abfall-Berge tauchen auf dem Gelände auf, den Gurtenbahn-Ausgang säumt weggeworfener Plastik.

Doch alle arbeiten daran, dass die Jubiläums-Ausgabe so wird, wie "Mr. Gurten" Philippe Cornu das 20. Openair über Bern beschreibt: "Noch nie war es so schön."

swissinfo, Philippe Kropf und Christian Raaflaub

Fakten

Gurtenfestival:

1977 als internationales Folkfestival gegründet

Budget 2003: 3,4 Mio. Franken
5000 Zelte in der Sleeping Zone
45'000 Besucher fanden sich am Wochenende auf dem Gurten ein.
Das Festival ist ausverkauft.
Am Samstag gab es zwei kurzfristige Absagen: "Saian Supa Crew" und "The Cardigans". Sie wurden ersetzt durch "Stress & Band" und "Adi Weyermann und Band".
Der Event dauert vom 18. bis zum 20. Juli.

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In Kürze

Das Gurtenfestival, das dreitägige Musikfestival auf dem Berner Hausberg, wird 20 Jahre alt. Was als internationales Folkfestival begann, wurde - mit einigen Unterbrechungen - zu einem der wichtigsten Openairs der Schweiz. Die Veranstalter setzten zum Jubiläum aus Sicht auf die unsichere Weltlage auf Bands, die eine friedliche Stimmung verbreiten.

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