Der sprechende Scanner

Ein Scanner, der dank zusätzlicher Software blinden Menschen vorliest, was in der Dose steckt. swissinfo.ch

Scanner, die nicht nur einen Strichcode lesen können, sondern vorlesen, was in der Verpackung ist, sind neu in der Schweiz. Für Blinde sind sie ein praktisches Hilfsmittel in der Küche. An den nötigen Datenbanken wird noch gearbeitet.

Dieser Inhalt wurde am 24. März 2010 - 18:52 publiziert

"Bis jetzt kann der Scanner nur die Strichcodes des Detailhändlers Migros lesen", sagt Martin Mischler, der EDV-Berater des Schweizerischen Blindenbundes, der das neue Gerät getestet hat.

"Aber andere Detailhändler sind daran, ihre Strichcodes ebenfalls lesbar zu machen."

Genaueres könne er dazu noch nicht sagen, aber: "Das Ziel ist ganz klar, dass alle in der Schweiz gekauften Strichcodes eines Tages gelesen werden können."

In einem Versuch führt Mischler den Scanner vor. Er ist selbst blind, von Geburt an. Das Lesegerät sieht aus wie diejenigen, die an den Kassen der Detailhändler benutzt werden. Es kann entweder an einem Ständer befestigt oder in die Hand genommen werden.

Für blinde Menschen besteht eine der Herausforderungen darin, herauszufinden, wo auf der Verpackung der Strichcode aufgedruckt ist.

Langsam schiebt Martin Mischler eine Schachtel mit Tee auf der Fläche hin und her. Er dreht die Schachtel so lange, bis der Scanner einen Pieps von sich gibt. "Tea Time Pfefferminze, 70 Gramm Tee", sagt danach eine elektrische Männerstimme.

Nicht immer einfach

Handelt es sich um eine Dose oder um eine Flasche, ist das Auffinden des Codes noch schwieriger. Geduldig wird die Flasche gedreht, bis der Scanner endlich piepst und spricht: "Aproz Medium, Mineralwasser, 500 Milliliter."

Mit Schleckzeug hingegen hat der Scanner seine liebe Mühe. Sie sind nicht in einer Schachtel, sondern in einem Plastiksäckchen, das eine leicht zerknitterte Oberfläche aufweist. Das Lesegerät erkennt den Code nicht. Es raschelt, als Mischler die Oberfläche glattstreicht. Nach mehreren Versuchen piepst der Scanner dann doch noch. Er sagt mit seiner elektrischen Stimme: "Gummibonbons, 200 Gramm".

Strichcodes von Frischprodukten wie Gemüse oder Früchten kann der Scanner nicht übersetzen. "Die Strichcodes von diesen Lebensmitteln ändern sich fast jeden Tag", erklärt der EDV-Berater. Es sei deshalb zur Zeit nicht möglich, diese zu programmieren.

Scanner und Software

Neu zu den handelsüblichen Scannern ist die Software, die via einen MP3- Player den Strichcode vorliest. "Wir haben dieses Modell des MP3-Players gewählt, weil viele Blinde ihn schon besitzen", erklärt Mischler. Es gibt auch eine französische Version des Programms.

Der Blindenbund habe sich mit dem Detailhändler darauf geeinigt, dass in einem ersten Schritt der Produktname, die Quantität und die Produktbezeichnung vom Scanner erfasst werde.

Welche Daten der Scanner lesen soll, entscheidet der Blindenbund in Zusammenarbeit mit der Migros. "Der Strichcode enthält alle Informationen in drei Sprachen. Doch das brauchen wir nicht."

In zwei Jahren werde bei den Grossisten ein neuer Barcode eingeführt, der wesentlich mehr Informationen enthalte. "Man könnte sich vorstellen, dass man auch das Haltbarkeitsdatum einbeziehen könnte, oder Informationen für Allergiker."

Codes müssen aufdatiert werden

In Frankreich existiere bereits ein ähnliches System, das Blinden Strichcodes vorlese, erzählt Mischler. Es werde fix auf dem Computer installiert und sei deshalb viel günstiger und einfacher zum Aktualisieren. Frankreich sei in dieser Technologie sowieso führend. Dort habe es schon in den 1970er-Jahren Scanner-Kassen gegeben, während sie in der Schweiz erst in den 90ern eingeführt wurden.

"Das System, für das wir ins in der Schweiz entschieden haben, hat den Vorteil, dass man keinen Computer dazu braucht und dass man den Scanner beispielsweise in der Küche benutzen kann und nicht ins Büro gehen muss, wenn man wissen will, was in einer Dose drin ist", betont Mischler.

Weil aber die Datenbanken beim Detailhändler ständig aktualisiert werden, muss auch der Endbenutzer oder die Endbenutzerin die Datenbank aufdatieren.

Hilfsmittel sind teuer

Die Scanner können beim Schweizer Zentralverein für das Blindenwesen bestellt werden.

Der Scanner kostet ungefähr 500 Franken. Dies sei angesichts der Preise der anderen Hilfsmittel, die speziell auf Blinde zugeschnitten sind, nicht teuer, meint Mischler.

Eveline Kobler, Zürich, swissinfo.ch

Die Organisationen

Der Schweizer Zentralverein ist der Dachverband für das Blindenwesen in der Schweiz.

Zwei grosse Verbände für Blinde sind national tätig: der Schweizerischen Blindenbund und der Schweizerische Blinden-und Sehbehindertenverband.

Insgesamt gibt es in der Schweiz über 70 Blindenorganisationen.

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