Eine grüne Arche Noah in den Bergen der Arktis

Das Lager für Saatgut auf Spitzbergen wird durch massive Fels- und Eisschichten geschützt. croptrust.org

Auf der Polarinsel Spitzbergen, unweit des Nordpols, wird die weltweit grösste Saatgut-Bank aufgebaut. Der unterirdische Bunker ist gegen Katastrophen, Kriege und Klimawandel gefeit.

Dieser Inhalt wurde am 23. Mai 2007 - 10:20 publiziert

Das Projekt wird von der Schweiz mit grossem Interesse verfolgt. Denn auch die Eidgenossenschaft möchte dort gerne pflanzengenetische Ressourcen einlagern.

François Pythoud, Bundesamt für Landwirtschaft

"Wir würden gerne eine Kopie des Saatguts unserer nationalen Genbank nach Spitzbergen bringen."

Das Svalbard International Seed Vault (SSIV, Internationales Saatgut-Depot) erscheint in der Tat unzerstörbar. Es ist im Herzen eines Berges auf dem Archipel Spitzbergen eingelassen – mitten im arktischen Eismeer.

Es wurde bereits als "Tresor des jüngsten Gerichts" bezeichnet. Denn es handelt sich um eines der wenigen menschlichen Werke, die wohl jeglichen Umwelt- und Klimakatastrophen und selbst Nuklearkriegen widerstehen würden . Ein 120 Meter langer Tunnel und etliche Sicherheitsschleusen trennen dieses Depot von der Aussenwelt.

"Jeden Tag geht ein Stück Artenvielfalt unser pflanzlichen Vegetation verloren", sagt Cary Fowler, Direktor des Global Crop Diversity Trust GCDT, der zusammen mit Norwegen das Projekt aufbaut und promotet.

"Mit dem SSIV will man das Saatgut bewahren, um der Landwirtschaft die Möglichkeit zu geben, sich neuen Herausforderungen wie dem Klimawandel oder Krankheiten anzupassen", so Fowler. Die Arbeiten an den unterirdischen Bunker haben im März dieses Jahres begonnen.

Die grösste Tiefkühltruhe der Welt

Die "Arche Noah in der Arktis" wird ab 2008 operativ sein. Und der Standort ist keineswegs zufällig ausgewählt worden. Der Archipel Spitzbergen, unweit des Nordpols, "ist ein isolierter Ort, der die notwendige Stabilität für ein so langfristiges Projekt garantiert", sagt Fowler.

Die ewige Eisschicht (Permafrost), die den Bunker umgibt, garantiert eine natürliche Kühlung bei -4 bis -6 Grad. Diese Temperatur ist ausreichend, um ein Aufkeimen der zirka 3 Millionen Samen zu vermeiden, die in diesem speziellen Depot Platz finden werden. Diese Temperatur wäre auch ausreichend, falls das künstliche Kühlsystem von -18 Grad ausfallen sollte.

Das 5 Millionen Dollar teure SSIV liegt auf 130 Metern über Meer. So befindet es sich in einer geschützten Position, selbst wenn die Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel ansteigen sollte.

Um jegliche Verseuchung oder Zerstörung auszuschliessen, wird das Saatgut in wasserdichte Folien verpackt und in besonderen Behältern gelagert. Diese werden nur dann geöffnet, wenn alle anderen Quellen für Saatgut auf der Erde erschöpft oder zerstört sein sollten.

Ernährungssicherheit garantieren

Dieses einzigartige Projekt in der Arktis wird in der Schweiz mit grossem Interesse verfolgt. "Auch wenn wir uns nicht direkt an der Verwirklichung beteiligen, würden wir gerne eine Kopie des Saatguts unserer nationalen Genbank nach Spitzbergen bringen", sagt François Pythoud vom Bundesamt für Landwirtschaft gegenüber swissinfo.

"Über die Details für die Einlagerung kann man noch nichts sagen. Der GCDT muss zuerst die Kriterien für die Verwaltung des Depots festlegen", präzisiert Pythoud.

Auch für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) stellt der arktische Saatgut-Bunker eine notwendige Einrichtung dar. Das genetische Material sei die Grundlage für die Ernährungssicherheit, vor allem für Entwicklungsländer.

"Es braucht sichere Orte, an denen dieses Material gelagert werden kann", sagt Katharina Jenny von der Sektion natürliche Ressourcen und Umwelt bei der DEZA.

Vorbeugen ist besser

"Leider sind insbesondere in den armen Ländern die Genbanken durch unzureichende Finanzierung, Umweltkatastrophen und Konflikte bedroht", erklärt Jenny weiter. So hat im September 2006 ein Taifun die Saatgut-Bank der Philippinen ernsthaft beschädigt.

Auch wenn in der Schweiz die Wahrscheinlich einer Zerstörung der Genbank durch eine gewaltige Naturkatastrophe eher gering ist, möchte der Verantwortliche der nationalen Genbank von Changins (Kanton Waadt), Geert Kleijer, kein Risiko eingehen: "Eine Reserve ist sicherlich nützlich, da Brände und Überschwemmungen auch bei uns nicht ausgeschlossen werden können."

swissinfo, Luigi Jorio
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Fakten

Die Svalbard International Seed Vault wird 3 Mio. Saatgutproben einlagern.
Darunter bis zu 14'000 Reissorten
200'000 Getreidesorten
80'000 Maissorten
14'000 Gemüsesorten
4000 Apfelsorten
3000 Kartoffelsorten

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Genbank Schweiz

Die pflanzliche Artenvielfalt der Schweiz wird in der nationalen Genbank der Forschungsanstalt Agroscope in Changins im Kanton Waadt aufbewahrt.

Die Sammlung wird seit 1900 aufgebaut und besteht aus zirka 10'000 verschiedenen Sorten an Getreiden, Früchten und Gemüsen aus dem ganzen Land.

Die Genbank verfolgt zwei Ziele: Einerseits die Erhaltung lokaler Sorten, deren Pflanzung aufgegeben wurden, andererseit den Aufbau einer Reserve, die im Notfall eingesetzt werden kann.

Die Lagerungsfähigkeit des Saatguts hängt von den jeweiligen Arten ab: 50 Jahre für die verschiedenen Getreidesorten, 15 Jahre für Soya, Bohnen und Erbsen.

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