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Graue Wände

Graue Wand in der Kunsthalle Bern von Ariane Epars.

(swissinfo.ch)

Die Schweizer Künstlerin Ariane Epars hat sich auf raum- respektive ortsbezogene Arbeiten spezialisiert. Mit einem subtilen, architektonischen Eingriff hat sie die Berner Kunsthalle verändert.

Epars gehört zu den interessantesten Figuren der Schweizer Kunstszene.

Der Ausstellungsraum ist leer, scheinbar ohne jegliches Kunstwerk. Doch eben nur scheinbar und bloss auf den ersten Blick. Denn schon bald fällt der Betrachterin die hintere Wand auf, welche nicht weiss getüncht ist wie alle anderen Wände, sondern komplett mit grauem Putz überzogen.

Es sind Gipskartonplatten auf Holzlatten, deren Oberflächen mit Ausgleichsputz, Sand und Kalkgrundpuder verdeckt und anschliessend mit einer Stahlbürste beabeitet wurden. Die Aussenmauer der Berner Kunsthalle scheint ins Innere transferiert worden zu sein. Das Werk trägt den Titel: Ost-Fassade, Tiefparterre (die Fassade nach innen stülpen, um den Ausstellungsraum zu leeren).

Neutrale Architektur von 1918

"Mich hat das Gebäude fasziniert", sagt Ariane Epars. "Es wurde 1918 eröffnet und funktioniert noch immer bestens." Die heutigen Museen besässen oft eine derart spektakuläre und manchmal aufdringliche Architektur, fährt sie fort, dass die Kunstwerke von der Architektur fast erdrückt würden. "Es ist dann schwierig, sich in solchen Räumen als Künstlerin zu behaupten."

Epars war im Archiv des Museum und ist dabei auf Informationen zur Architektur-Geschichte des Gebäudes gestossen: "Der Architekt hiess Hans Klauser." Seine Biographie hat sie studiert und dabei seinen Sinn für neutrale Ausstellungsräume schätzen gelernt.

"Deshalb wollte ich etwas mit der Architektur machen und gleichzeitig meinen Platz in der Reihe all der Kunsttschaffenden finden, die hier schon ausgestellt haben." Ihr Vorgehen führt dazu, dass das Verhältnis zwischen Architekt und Architektur, zwischen Behälter und Inhalt, zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem hinterfragt wird.

Bescheidene, subtile Eingriffe

Die Arbeiten der in der Nähe von Lausanne lebenden Künstlerin sind stets raum- beziehungsweise ortsbezogen. Oft sind sie auch nur für die Dauer einer Ausstellung gedacht; der temporäre Charakter der einzelnen Arbeiten ist ein wichtiger Bestandteil.

Es sind skulpturale Eingriffe, welche auf die spezifische Raum- und Ortserfahrung eingehen und sie gleichzeitig verändern - dies allerdings immer mit äusserster Bescheidenheit. Unaufdringlich sind ihre Veränderungen, oft erst auf den zweiten Blick erkennbar.

Epars zwingt Betrachter und Betrachterinnen mit ihren Arbeiten zu einem genauen Hinschauen und provoziert eine Auseinandersetzung mit der auf einmal ungewohnt gewordenen Umgebung. Spannungen werden dabei aufgebaut und neue Beziehungen entstehen.

Wenig Glück mit der Fotografie

Dass Epars sich dazu entschlossen hat, raum- und ortsbezogen zu arbeiten, hat mit ihrem Untericht an der Ecole Supérieure d’Art Visuel in Genf, welche sie von 1985 bis 1990 besuchte, zu tun.

Damals, noch am Anfang ihrer Karriere, hat Epars vor allem fotografiert. Doch das Lob der Lehrerschaft blieb aus. Als Epars realisierte, dass ihre Botschaft, die sie mittels Fotografien zu vermitteln versuchte, nicht verstanden wurde, änderte sie ihre Ausdrucksform.

Sie begann temporäre Veränderungen in einem Raum oder an einem Ort zu entwefen. "Dieses Mal war das Publikum begeistert. Sie verstanden mich. So entschloss ich mich, in dieser Richtung weiter zu arbeiten", sagt die Künstlerin.

Heute gehört Epars sicherlich zu den interessantesten Figuren der Schweizer Kunstszene. Seit 1991 stellt sie regelmässig an den verschiedensten Orten aus und hat mehrere Wettbewerbe und Preise gewonnen. Ihr nächstes Projekt ist eine Arbeit am Genfer Regierungsgebäude.

swissinfo, Carole Gürtler

Fakten

Ariane Epars in der Kunsthalle
27.8.04 - 10.10.04

Montag: geschlossen
Dienstag: 10 - 19 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10 - 17 Uhr

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In Kürze

Die Kunsthalle Bern wurde 1918 gegründet. Sie gilt heute international als bedeutendes Zentrum zeitgenössischer Kunst.

Die Künstlerin Ariane Epars wurde 1959 in Pompaples geboren. Heute lebt sie in Cully, nahe Lausanne.

Während den neunziger Jahren hat sie hauptsächlich in Hamburg gelebt.

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