Hochwasser: Die Lage bleibt kritisch

Sarnen: Obwaldner versuchen, ihre Häuser zu schützen. RTS

Die Hochwasser-Situation in den bedrohten Regionen hat während der Nacht angehalten. Hunderte von Personen wurden evakuiert.

Dieser Inhalt wurde am 22. August 2005 - 21:38 publiziert

Während die Niederschläge vielerorts nachliessen, erhöhte sich der Wasserpegel von Flüssen und Seen.

Betroffen von Hochwasser sind in erster Linie der Kanton Bern und die Zentralschweiz. In der Nacht wurde die Bevölkerung entlang der Muota im Kanton Schwyz evakuiert.

In Sarnen trat die Melchaa über die Ufer, auch in Engelberg gab es Evakuierungen. Im Kanton Uri wurde die Klausenpass-Strasse schwer beschädigt. Auf der Nationalstrasse A2 ist die Durchfahrt für den Transit-Schwerverkehr nicht mehr möglich.

Weite Teile von Interlaken im Berner Oberland stehen unter Wasser, hunderte von Kellern in der Region zwischen den Thuner- und Brienzersee wurden überschwemmt.

Auch im evakuierten Berner Mattequartier blieb die Lage dramatisch.

Armeeangehörige im Einsatz

Seit Montag stehen mehrere hundert Angehörige der Armee in den Unwetterregionen im Einsatz. Die Armee hilft auch mit Helikoptern, vorab für Rekognoszierungs-Flüge in der Innerschweiz und im Aargau.

Bundespräsident Samuel Schmid hatte am Montag einige betroffene Regionen besucht und die Unterstützung des Bundes versprochen. Der Bund sei in der Lage und bereit, die Aufräumarbeiten flächendeckend zu unterstützen, sagte der Chef des Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) nach einem Helikopterflug über mehrere Unwettergebiete.

Todesopfer im Entlebuch

Unter den schwersten Überschwemmungen seit mindestens fünf Jahren litt vor allem die Zentralschweiz, wo es zu einem verhängnisvollen Unfall kam: Zwei Feuerwehrleute wurden am späten Sonntagabend im Gebiet Schwendi im luzernischen Entlebuch in einem Hangrutsch getötet, als sie bei einem Bauernhof helfen wollten.

Stark beeinträchtigt bleibt auch der Bahnverkehr, so namentlich im Raum Luzern und in der Zentralschweiz. Bei der BLS waren die Lötschbergachse, die Simmental- und die Gürbetalstrecke nicht befahrbar. Damit konnte das Tessin über die Nord-Süd-Hauptachsen vorerst nicht mehr per Bahn erreicht werden.

Riesenschäden

Schwerpunkte der Unwetter waren neben der Zentralschweiz Stadt und Kanton Bern. Bereits am Montagnachmittag stand fest, dass mit immensen Schäden zu rechnen ist. Allein die Berner Gebäudeversicherung ging von rund 40 Millionen Franken aus.

Eine zweistellige Millionensumme wurde auch bei der Luzerner Gebäudeversicherung veranschlagt.

Grossräumige Evakuierungen

Am Montag abend waren ganze Quartiere und Dörfer in den Kantonen Luzern, Nid- und Obwalden, Zug und Bern überschwemmt. Die Feuerwehren standen im Dauereinsatz. Allein in Luzern wurden rund 1500 Menschen evakuiert.

Im Kanton Obwalden überschritt der Sarnersee die Rekordmarke von 1999 und überschwemmte weite Gebiete. Im Hauptort Sarnen wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich in die oberen Stockwerke zu begeben. In Nidwalden waren mit einer Ausnahme alle Gemeinden von Erdrutschen und Hochwasser betroffen.

Im Kanton Zug wurden aus dem abgeschnittenen Ägerital rund 140 Personen aus Häusern und 50 Patienten aus einer Klinik evakuiert. Im Baselbiet wurde die Rheinschifffahrt eingestellt.

Im Kanton Bern blieb die Hochwasserlage über die Nacht angespannt. Der Thunersee trat über die Ufer, Hochwasseralarm wurde auch am Brienzer- und am Bielersee ausgelöst.

Auch in den Kantonen Zürich, Waadt, Solothurn, Freiburg und Wallis gab es Wasserschäden.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Als Folge der seit dem Wochenende anhaltenden Regenfälle und Überschwemmungen haben bisher zwei Personen den Tod gefunden, Tausende mussten evakuiert werden.
Seit 1970 haben Naturkatastrophen insgesamt rund 100 Menschenleben gefordert.
Die von Überschwemmungen, Erdrutschen und Lawinen ausgelösten Schäden beliefen sich in den letzten 30 Jahren schätzungsweise auf 9 Mrd. Franken.

Bei den jetzigen Schäden wird gesamthaft von mehreren Hundert Mio. Fr. ausgegangen.

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In Kürze

Die Glückskette leistet aus ihrem "Unwetter Schweiz"-Fonds Unterstützung in Härtefällen.

Zudem hat sie das Sammelkonto für Spenden zugunsten der Opfer des Hochwassers eröffnet. PC-Konto 10-15000-6, Vermerk "Unwetter Schweiz".

Auch die Schweizer Berghilfe hat ein Sammelkonto eröffnet: PC-Konto 80-32443-2.

Das Schweizerische Rote Kreuz und die Caritas haben je 100'000 Franken zur Unterstützung der Hochwasser-Geschädigten freigegeben.

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