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Innovative Technologien für den estnischen Notruf



Notrufzentrale Tallinn: Die Landkarte hat bald ausgedient.

Notrufzentrale Tallinn: Die Landkarte hat bald ausgedient.

(swissinfo.ch)

Das Notrufsystem in Estland ist veraltet. Erschwerend kommt dazu, dass das Land in weiten Teilen nur dünn besiedelt ist. Mit Geldern aus der Schweiz werden die Einsatz-Zentralen und die Rettungsdienste nun technologisch optimiert und so auf Schnelligkeit und Effizienz getrimmt.

“Wenn einer von Tallinn nach Tartu fährt und in einem Wald einen Unfall hat, dann weiss er nicht, wo er sich befindet. Ausserhalb von Tallinn haben wir viele und grosse Wälder, aber fast keine Häuser“, sagt Rivo Salong, Projektleiter der Reformen für das Notrufsystem in Estland.

Im Zentrum der Neuerungen stehen die Einführung einer einheitlichen Notrufnummer für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste und die Digitalisierung der Einsatzzentralen sowie der Fahrzeuge.

Die Schweiz beteiligt sich mit einem Betrag von 3,3 Millionen Franken an der Reform des estnischen Notrufs- und Ambulanzsystems. Dies im Rahmen des Erweiterungsbeitrages, dessen Ziel die Verringerung des sozialen und wirtschaftlichen Rückstandes in den neuen EU-Ländern ist. Mit dem Geld werden Computer, Server und Software gekauft und Ausbildungen durchgeführt.

Veraltetes Kartenmaterial

Zurzeit sind die Ambulanzen über Funk mit der Einsatzzentrale verbunden. Wenn der Einsatzleiter eine Ambulanz zu einem Notfall schicken will, muss er zuerst herausfinden, wo genau sich der Notfall befindet und den Standort der nächsten Ambulanz herausfinden.

Das sei zeitraubend und relativ unzuverlässig, sagt Salong. “Es kommt auch vor, dass der Ambulanz-Fahrer den Einsatzort erst nach langem Suchen findet, weil neue Quartiere oder neue Strassen noch auf keiner Landkarte eingezeichnet sind.“

Verschmelzung der Arbeitskulturen

Einer effizienten Koordination der Rettungskräfte hinderlich ist auch der Umstand, dass die Polizei eine eigene Notrufnummer und eigene Einsatzzentralen hat. Künftig wird es nur noch eine Nummer und vier über das Land verteilte Einsatzzentralen geben. Das hat das estnische Parlament nach langen Diskussionen kürzlich entschieden.

Für die Einsatzzentrale der Hauptstadt Tallinn – der mit Abstand bevölkerungsreichsten Region des Landes also – wird zudem ein neues Gebäude gebaut

“2014 wird es definitiv nur noch eine Nummer geben“, sagt Salong und schmunzelt: “Bis dann haben wir Zeit, die Leute auszubilden und die beiden unterschiedlichen Arbeitskulturen und Mentalitäten zusammen zu bringen.“ Im Wesentlichen würden sich die Arbeitskulturen der Polizei und der andern Einsatzkräfte dadurch unterscheiden, dass die Polizei dezentraler organisiert und ihre Einsatzdoktrin weniger klar reglementiert sei, so Salong.

Modernste Technologien

Mit der Zentralisierung einher geht die Digitalisierung des Notrufsystems. Die alten Landkarten werden ersetzt durch digitales Kartenmaterial, das zudem laufend aktualisiert wird.

Neue Software wird es zudem erlauben, die eingehenden Anrufe zu lokalisieren. “So wissen wir sofort, wo der Unfall passiert ist. Gleichzeitig zeigt die digitale Landkarte an, wo genau sich im Moment die benötigten Einsatzfahrzeuge befinden.“

Die Fahrzeuge werden per GPS lokalisiert, der Telefonprovider liefert den Standort des Anrufers, auch dann, wenn der Anruf von einem Mobiltelefon kommt. “Estland wird weitgehend mit dem modernen G3-Netz versorgt. Damit kann die Position des Anrufers ziemlich genau festgelegt werden“, erzählt Salong.

Der Bildschirm weiss mehr

Die Einsatzfahrzeuge werden mit mobilen Computern und mobilem Internet ausgestattet. Damit können beispielsweise die Rettungskräfte der Feuerwehr jederzeit nachsehen, wann die Ambulanz oder die Polizei am Unglücksort eintreffen wird. Koordiniert werden die Einsätze vom Einsatzleiter in der Zentrale.

Dank der Digitalisierung der Notrufdienste, kann künftig auch die medizinische Betreuung der Patienten und Unfallopfer verbessert werden. Bisher trägt die Notärztin oder der Notarzt die Patientendaten und die in der Ambulanz eingeleiteten medizinischen Massnahmen in ein Formular ein. Das Spitalpersonal muss die handschriftlichen Patientendaten anschliessend in die Datenbank des Spitals eintippen.

Pilotprojekt noch 2010

“Das ist sehr aufwändig und eine unnötige doppelte Arbeit“, sagt Projektleiterin Katrin Rahu. In Zukunft könne der Notarzt die Daten direkt ins System eingeben und das Spitalpersonal habe bereits vor dem Eintreffen der Ambulanz Zugriff auf die Daten und könne die notwendigen medizinischen Massnahmen besser vorbereiten. “Damit werden wir den Ambulanzdienst erheblich verbessern können“, so Rahu.

Rivo Salong will 2012 “diesen Traum“ realisiert, das heisst die Digitalisierung des ganzen Notrufsystems abgeschlossen haben: “Zurzeit erarbeiten wir die Detailpläne. Im August kaufen wir die nötige Hardware und werden mit der Programmierung der Software beginnen. Im Oktober werden wir die ersten Pilotprojekte in den Ambulanzen starten.“

Andreas Keiser, Tallinn, swissinfo.ch

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Schweizer Hilfe

Die Projekte zur Verbesserung des Notrufsystems und der Modernisierung der Ambulanzen werden zu 85% vom Schweizer Erweiterungsbeitrag finanziert.

Das Projekt Notrufsystem ist mit 2,36 Millionen Franken budgetiert. Der Schweizer Anteil beträgt 2.01 Millionen.

Das Projekt Ambulanzen ist mit 1,50 Millionen budgetiert. Der Schweizer Anteil beträgt 1.28 Mio. Franken.

Die Schweiz unterstützt im Transitions-Land Estland Projekte mit einem Gesamtbetrag von 39,9 Mio. Franken.

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Schweiz und EU

Die EU hat ihre Kohäsionspolitik 1986 eingeführt. Ziel ist eine Umverteilung zwischen reicheren und ärmeren Staaten.

Von 1988 bis 2004 wurden dafür rund 500 Mrd. Euro eingesetzt.

Mit der EU-Osterweiterung 2004 kamen 10 neue, meist mittelosteuropäische Staaten dazu. Seither fliessen die meisten Kohäsionsgelder der EU in die neuen EU-Länder, also seit 2007 auch nach Rumänien.

Die Schweiz geht seit dem positiven Volksentscheid vom November 2006 eigenständig Verpflichtungen in Form von konkreten Projekten ein .

Eigenständig heisst, dass der Schweizer Erweiterungsbeitrag nicht in den EU-Kohäsionsfonds fliesst, sondern die Schweiz selbst entscheidet, welche Projekte unterstützt werden.

Von 1990 bis 2006 zahlte die Schweiz 3,45 Mrd. Franken Ost-Transitionshilfe und von 2007 bis 2011 weitere 0,73 Milliarden an nicht EU-Länder.

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(swissinfo.ch)


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