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Kleine Unternehmen, grosse Innovationen: Schweizer Startups

Armbänder, die kontinuierlich den Blutdruck messen können, Unterwasser-Wifi zur Fernsteuerung von Drohnen, Fliegen, die organische Abfälle beseitigen, Photovoltaik-Paneele mit sehr hohem Wirkungsgrad: Die Kreativität der Schweizer Startups kennt keine Grenzen, und ihre Innovationen haben weltweit grossen Erfolg.

Dieser Inhalt wurde am 12. März 2021 - 14:00 publiziert
Skizzomat (Illustration)

Die Schweiz belegt seit über zehn Jahren in Folge den ersten Platz im Global Innovation IndexExterner Link der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO).

Bisher waren die Ressourcen für Forschung und Entwicklung bei grossen transnationalen Unternehmen konzentriert – wie Nestlé, Novartis, Roche, ABB, Givaudan oder Swatch – oder bei mittelständischen Unternehmen, die es geschafft haben, weltweit wichtige Marktnischen zu besetzen.

Seit einigen Jahren blüht die Innovation aber auch im Startup-Bereich, also in kleinen Unternehmen mit starkem Innovationsgeist und grossem Wachstumspotenzial. Immer mehr junge Menschen folgen diesem Weg, um die Früchte ihrer wissenschaftlichen Forschung oder ihres technologischen Erfindungsreichtums zu entwickeln und zu vermarkten.

Trotz ihres Erfolgs erhalten Schweizer Startups immer noch wenig Unterstützung von der Politik. Die Zürcher Nationalrätin Judith Bellaiche hat eine parlamentarische Gruppe zur Förderung von Startups und KMU gegründet.

Zudem ist die Gründung eines Startups immer noch weitgehend eine Männerangelegenheit. Stereotypen halten sich hartnäckig, und Frauen haben es schwerer, das Vertrauen der Investoren zu gewinnen.

Heute werden jedes Jahr etwa 300 Startups gegründet, während es im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends noch einige Dutzend waren. Das in Startups investierte Kapital hat sich innerhalb weniger Jahre verdreifacht. 2018 überschritt es erstmals die Schwelle von einer Milliarde Franken, 2019 und 2020 dann von zwei Milliarden.

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2019 lag die Schweiz auf Platz fünf der europäischen Länder, in denen am meisten in Startups investiert wird, hinter Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und Schweden. Allerdings hat die Coronavirus-Krise bei vielen Anlegern für grosse Unsicherheit gesorgt und schränkte die Möglichkeiten für junge Unternehmer zumindest vorübergehend ein, ihre Innovationen auf Konferenzen und anderen Werbeveranstaltungen zu präsentieren.

Die meisten Startups generieren in den ersten Jahren ihres Bestehens kein Einkommen und finanzieren ihre Aktivitäten aus den aufgenommenen Mitteln und Darlehen. Die Schweizer Regierung hat 359 Kredite in Höhe von 98,7 Mio. Franken gewährt, um Startups zu helfen, die aufgrund der Gesundheitskrise in Liquiditätsprobleme geraten sind.

Hochschulen als Anziehungspunkte

Mehr als die Hälfte dieser innovativen Unternehmen sind in den Regionen Zürich und Genferseebogen entstanden, wo die Präsenz der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) eine Schlüsselrolle in der Forschung und der Entwicklung zukunftsweisender wissenschaftlicher und technologischer Anwendungen spielt. 

Viele junge Unternehmen profitieren vom Wissen, das in den grossen Schweizer Innovationsbranchen wie der Pharmaindustrie, der Mikrotechnologie oder den Finanzdienstleistungen erworben wurde. So ist es kein Wunder, dass in der Nähe von traditionellen Banken über Fintech nachgedacht wird oder in der Umgebung der traditionellen Uhrenindustrie neue Mikrotechnik-Lösungen entstehen.

Gleichzeitig tragen Startups zu einer Regeneration dieser traditionellen Sektoren bei und bieten ihnen Absatzmöglichkeiten für neue Märkte, zum Beispiel in der Biotechnologie, der Medizinaltechnik oder im Bereich Cleantech. 

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Wie sieht die Welt der Schweizer Startups aus? Wir haben einige junge Unternehmen porträtiert, die sich in den letzten Jahren mit vielversprechenden Produkten etabliert haben.

Medtech: Das Neuenburger Unternehmen Aktiia hat das erste intelligente Armband entwickelt, das den Blutdruck kontinuierlich messen kann. Mit dieser Innovation steht die Schweiz an der Spitze eines Markts, der von amerikanischen und asiatischen Tech-Giganten heiss begehrt ist.

Drohnen: Die Firma Hydromea hat das erste Unterwasser-WiFi-Link-Netzwerk geschaffen. Das Modem nutzt Lichtstrahlen zur Datenübertragung und zur kabellosen Fernsteuerung von Robotern.

Landwirtschaft: Das Tessiner Startup "TicInsect" nutzt Larven der Soldatenfliege, um organische Abfälle zu entsorgen und gleichzeitig Tierfutter, Biokraftstoffe und Düngemittel zu produzieren, ohne Rohstoffe zu verschwenden.

Cleantech: Die Europäische Union könnte sich auf Insolight verlassen, um die Solarmodulproduktion in Europa anzukurbeln. Das Waadtländer Unternehmen hat eine hocheffiziente Photovoltaik-Technologie entwickelt, die angesichts der Konkurrenz aus Asien neue Perspektiven eröffnet.

Ebenfalls im Bereich der nachhaltigen Innovationen hat Bloom Biorenewables eine Technologie entwickelt, die es ermöglicht, Biomasse als Alternative zu Öl stofflich zu nutzen.

Ein Durchbruch, der das Potenzial von Technologien verdeutlicht, die den Plastik-Fussabdruck reduzieren können: Eine von zwei Schweizer Prominenten gegründete Firma hat sich vorgenommen, diesen unerwünschten Umweltsünder in Hightech-Wohnungen zu verwandeln.

Informationstechnologie: ID Quantum hat mit Hilfe der Prinzipien der Quantenmechanik das sicherste Mobiltelefon der Welt entwickelt. Ein narrensicheres Verschlüsselungssystem, das von Samsung übernommen wurde. 

Fintech: Dank ihrer geringen Kosten und innovativen Lösungen sind digitale Banken auf dem Vormarsch. Das Züricher Startup Neon ist in den Schweizer Bankenmarkt eingestiegen, ohne Filialen oder Schalter zu eröffnen.

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