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König für einen Tag

Objekt der Begierde: die Plastikkönige werden gesteckt. Keystone

Freude herrscht: Bei den Bäckern und den Königinnen und Königen. Der Dreikönigskuchen in der Schweiz ist gut 50 Jahre alt, der Brauch aber ist viel älter.

Dieser Inhalt wurde am 06. Januar 2005 - 11:22 publiziert

Mit dem Drei-Königs-Tag am 6. Januar hängen auch alte Losbräuche und Zukunftsforschungen zusammen.

Wer den richtigen Teigballen mit dem Plastikkönig erwischt, darf sich einen Tag lang König nennen und entsprechend regieren.

Der Hobby-Brotforscher Max Währen entwarf nach dem Zweiten Weltkrieg den modernen Königskuchen: Ein Hefeteig mit sechs ringförmig um ein zentrales Mittelteil angeordneten Teigstücken.

Ein Hefegebäck

Damit der Dreikönigskuchen am 6. Januar bereit ist, muss der Bäcker bereits am 5. Januar loslegen.

Erst muss er den Teig vorbereiten. Dieser besteht in der Regel aus Mehl, Margarine, Milch, Hefe, Ei, Rosinen und etwas Salz, Zucker und Rahm. Lokale Varianten gibt es zahlreiche. So wird der Plastikkönig auch etwa durch Schokolade oder Bohnen ersetzt.

Dann wird der Teig kühl gelagert. Der Mittelteil, so schreiben die Schweizer Bäcker, wird mit der Hand gerollt, die runden Bällchen drum herum formen die Maschinen.

Die Teigbällchen werden nun an den runden Mittelteil gesetzt. Alle ausser einem. In diesem Bällchen wird der König versteckt und dann später angefügt. So soll vermieden werden, dass der König vergessen oder gar zwei Mal "eingepflanzt" wird.

Listige Bäcker, so wird berichtet, stecken den König aber schon mal in den Mittelteil.

Dann wird der Kuchen mit Eigelb bestrichen und mit Mandelsplittern bestreut. Bei rund 200 Grad anschliessend 40 Minuten lang gebacken.

Der Dreikönigskuchen wird nur am 6. Januar verkauft. Oder sollte nur an diesem Datum verkauft werden. Mehr und mehr wird der Brauch auf die umliegenden Tage ausgedehnt. Die Grossverteiler nähmen es da nicht sehr genau, sagen etliche traditionsbewusste Bäcker.

Epiphanias

Zum Gebäck gehört der 6. Januar. Die reformierten Medien schreiben dazu, dass das Drei-Königs-Fest zum weihnächtlichen Festkreis gehöre. Im Vordergrund stehe allerdings die Epiphanie, die historisch greifbare Erscheinung Gottes in Jesus Christus.

Selbst die Kirchen müssen zugeben, dass die Geschichten rund um das Epiphaniefest höchst verschlungen sind.

Ohne auf diese verschlungenen Pfade bei der Christianisierung des Abendlandes einzugehen, schreibt die reformierte Kirche: "Die Festinhalte sind Belege für das Absorptionsvermögen des jungen Christentums. Denn da wurden heidnische Feste umgedeutet und umgeformt."

Damit ist angetönt, dass der Dreikönigstag älter ist als das Christentum. Denn die biblischen Grundlagen für die Heiligen drei Könige seien mager, schreiben die Kirchen.

Saturnus und die Loskönige

Nur der Evangelist Matthäus berichte von den "Männern, die aus dem Osten kommen, um ein Kind anzubeten".

Dass es drei waren, steht jedoch nirgends. Einer der ersten, die von drei Magiern - vermutlich Astrologen oder Astronomen, welche auch die Zukunft deuteten - berichten statt von Königen, war der griechische Kirchenlehrer Origenes. Das im Jahr 254. Auch von den drei Weisen wird oftmals gesprochen.

Doch schon bei den Römern war anlässlich des winterlichen Saatenfestes durch das Los eine Art König bestimmt worden, dem sich für eine gewisse Zeit gar der Kaiser unterwarf. Ähnliche Rituale eines "Loskönigs" kannte auch das vorchristliche nordische Brauchtum.

Andere Quellen sagen aus, dass dem römischen Gott der Aussaat, Saturnus, zu Ehren jedes Jahr während etwa einer Woche ab dem 17. Januar mit einer grossen Feier gehuldigt wurde.

Dabei wurde offenbar während eines Festschmauses auch um die entsprechende zeitlich befristete Königswürde gewürfelt.

Schwierige Wiedergeburt

Doch der heutige Dreikönigskuchen hat weniger die Aussat oder die Losbräuche zum Ziel. Böse Zungen reden davon, es gehe vielmehr darum, dem Bäckergewerbe im traditionellen "Januarloch" etwas Auftrieb zu verschaffen.

Der Gedanke mal Eintageskönig zu sein, faszinierte den Berner Knaben Max Währen. Als junger Mann ging der heute über 80-Jährige Versicherungsbeamte und Freizeit-Brotforscher der Sache auf den Grund.

In der Schweiz konnte er den Brauch in Lausanne belegen. In etlichen Schweizer Zünften wurde sogar schon 1311 mit einer in einen Kuchen eingebackenen Bohne ein Zufallskönig erkoren.

Währen fand diese Tradition toll und liess vor rund 50 Jahren von der Luzerner Bäckerfachschule ein Rezept ausarbeiten.

Die kugelige-blumige Form habe er bei den Holländern abgekupfert, sagt Währen heute. Die hätten eine alte Königskuchen-Tradition.

Der Versuch, den Kuchen mit einem Artikel in der "Neuen Zürcher Zeitung" zu lancieren, war zunächst fehlgeschlagen. Erst als der Schweizerische Bäcker- und Konditorenmeister-Verband (heute swissbaker) auf den Zug aufstieg, gelang die Aktion.

1952 wurde die neue Kreation der Öffentlichkeit an einer Pressekonferenz vorgestellt. Der Kuchen wurde angeschnitten und eine Journalistin des "Berner Tagblatt" wurde Königin und spendete den Erlös aus dem Kuchenverkauf dem Berner Blindenverband, erinnert sich Max Währen.

Dieses Jahr spenden zum Beispiel die Bäcker des Kantons Zürich für jeden gekauften Königskuchen einen Franken für die Opfer des Seebebens.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Ein Dreikönigskuchen besteht aus:
1 dl Milch, 15 g Zucker, 10 g Hefe, 210 g Weissmehl, 1 Prise Salz, 1 Ei, abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone, 35 g Butter, 15 g Mandelmasse 1:1, 30 g Sultaninen, gehobelte Mandeln.

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In Kürze

Der Brauch des Dreikönigskuchen wurde in der Schweiz vor etwa einem halben Jahrhundert wiederbelebt.

Ursprünge des Brauches reichen in die Frühzeit des Christentums und weiter zurück.

In der Schweiz wurde schon 1311 bei Zunftfesten mit einer in einen Kuchen eingebackenen Bohne ein Zufallskönig bestimmt.

Heute werden in der Schweiz rund um den 6. Janaur etwa 1 Mio. Dreikönigskuchen verkauft.

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