Diese Tiny Häuser stehen in der Schweiz

Kevin Rechsteiner, AT Verlag

Trotz rechtlicher Schwierigkeiten entdeckt man in der Schweiz neben Bauernhäusern, auf Brachen und sogar in Städten immer mal wieder ein Tiny Haus. Ein Einblick in den Traum von Bescheidenheit und Reduktion aufs Maximum.

Dieser Inhalt wurde am 29. April 2020 - 10:00 publiziert
Sibilla Bondolfi (Text), Ester Unterfinger (Bildredaktion)

Die Tiny-Haus-Bewegung entstand in den USA, wo sie durch die Finanz- und Immobilienkrise ab 2008 Auftrieb erhielt. Viele Menschen verloren durch die Krise ihr Haus oder den Job. Mini-Häuser auf Rädern schienen eine gute Lösung, denn diese Wohnform ist billiger, ressourcenschonender und mobil, man kann also dem Job nachreisen. Im Unterschied zu Wohnwagen sind Tiny Häuser aber aus "echten" Hausbaumaterialien erstellt und bieten entsprechenden Komfort.

Inzwischen ist die Bewegung auch nach Europa geschwappt, wo Downsizing, Minimalismus und ökologisches Wohnen im Trend liegen. Tiny Häuser, die in der Regel nicht mehr als 45 Quadratmeter Wohnfläche umfassen, sind meist autark und damit ökologischer und klimaschonender als herkömmliche Wohnformen. Einzig in Bezug auf die Zersiedelung sind Tiny Häuser kein Fortschritt, da sie als Mini-Einfamilienhäuser mehr Boden pro Person belegen als Wohnblöcke.

In der Schweiz ist es schwierig, einen legalen Stellplatz für Tiny Häuser zu finden. Dennoch gibt es auch hierzulande eine Tiny-Haus-Szene. Es existieren Foren, Gruppen in den sozialen Netzwerken, ein Verein Kleinwohnformen Schweiz, Kurse für den Eigenbau sowie kommerzielle Hersteller von Kleinhäusern auf Rädern. Soeben ist beim at Verlag ein Buch mit Erfahrungsberichten erschienen.

Kevin Rechsteiner, AT Verlag

Manch einer findet nämlich einen Weg, sein Tiny Haus legal oder halblegal in der Schweiz aufzustellen. Zum Beispiel die Baubiologin Tanja Schindler, die ein Ökominihaus entwickelt hat und seit 2013 darin lebt. Dieses Haus hat zwar keine Räder, lässt sich aber mithilfe eines Krans auf einem Tieflader verschieben.

Das Haus ist 45 Quadratmeter gross. Der Grundaufbau besteht aus einem Holzständerbau mit Holzwolldämmung. Die Wände sind aus Presslehm gebaut, ein Material, das Wärme speichert. Geheizt wird mit einem Holzofen. Strom gibt es dank Solarpanels, die an den Aussenwänden des Hauses montiert sind.

Tanja Schindler verkauft inzwischen ihre Öko-Minihäuser für 180'000 Franken. Mit Erschliessung, Fundament und Transport ist allerdings mit total 250'000 Franken zu rechnen.

Tanja Schindler

Die Studentin Fiona Bayer hat ihr Tiny Haus mit Hilfe von Freunden selbst gebaut und neben einem Bauernhof im Kanton Zürich aufgestellt. Rund 24'000 Franken und etliche Arbeitsstunden hat sie investiert. Der Innenausbau ist noch nicht fertig.

Kevin Rechsteiner, AT Verlag

Der Schauspieler Martin Rapold wohnt in einem Zirkuswagen. Toilette und Dusche benutzt er im Haus nebenan in einer Wohngemeinschaft. Ein Holzofen sorgt für Wärme im Winter.

Kevin Rechsteiner, AT Verlag

Florentina Gojani und Alesch Wenger leben seit 2018 Vollzeit in einem unter 3,5 Tonnen schweren Tiny House. Mit diesem Gewicht können sie das Haus auf Rädern als Spezialfahrzeug im normalen Strassenverkehr bewegen, was den beiden wichtig ist. Im Moment steht das autarke Haus in der Stadt Zürich. Sie planen, eine Bewilligung als "normales Haus" einzuholen, um regulär darin wohnen zu können. Investiert haben sie in den Bau schätzungsweise 150'000 Franken.

Kollektiv Winzig

Diese Erfahrungsberichte aus dem Buch zeigen: Es würde sich lohnen, auch in der Schweiz Bewilligungslösungen für Tiny Häuser zu finden. Denn diese bieten eine attraktive Möglichkeit, nachhaltiger und ökologischer zu wohnen. Im Unterschied zu anderen Ländern sind in der Schweiz weder extreme Kälte wie in Norwegen noch Hitze wie in Spanien ein Problem, und es gibt genügend Regenfälle für ein autarkes Leben. Einzig die Gesetze stehen den Tiny Häusern in der Schweiz noch entgegen.

Kevin Rechsteiner, AT Verlag

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