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Marco Baggiolini: Die Universität hat das Tessin erobert

An der Tessiner Universität sind heute rund 1'500 Studierende aus aller Welt.

(Keystone Archive)

Marco Baggiolini, Professor für Molekularbiologie, wurde 1996 zum ersten Präsidenten der Università della Svizzera Italiana gewählt. Die Eröffnung der Tessiner Hochschule bedeutete für den ganzen Kanton die Erfüllung Jahrzehnte alter Hoffnungen und Wünsche.

"Auf dem Abschiedsfoto der Maturklasse von 1955 drängen sich vor dem Eingang zum kantonalen Gymnasium 29 Schülerinnen und Schüler um ihren strengen Rektor:16 aus der Literar- und 13 aus der Real-Abteilung. Im Oktober, nach einem Sommer voller Freiheiten und Zweifel, hatten wir das Tessin alle verlassen, um an der Universität oder einer technischen Hochschule zu studieren. Die meisten von uns gingen nach Zürich, dem traditionellen Ziel der Tessiner Studenten, andere nach Mailand oder Pavia. Ich hatte mich für Basel entschieden.

Im Jahr 2000, fast ein halbes Jahrhundert später, durfte ich ebenfalls in Lugano am Dies Academicus der Università della Svizzera Italiana (USI) 700 Personen begrüssen. Die USI hatte gerade ihrerseits eine Art Matura bestanden: Die 1996 gegründete Universität verlieh ihre ersten Studienabschlüsse und feierte ihre Anerkennung durch das schweizerische Hochschulsystem, das damit um ein vollwertiges Mitglied italienischer Sprache und Kultur reicher geworden war.

Heute müssen die jungen Tessinerinnen und Tessiner nicht mehr unbedingt über den Gotthard oder über die Grenze reisen, wenn sie studieren wollen. Sie können sich an der USI einschreiben - eine Möglichkeit, von der jedes Jahr rund 100 junge Leute Gebrauch machen.

Unser Ziel war es, eine neue Universität zu schaffen, die der ganzen Schweiz, aber auch Europa und der Welt offen steht. Das ist uns gelungen: Seit 1996 hat der Anteil der Studierenden aus dem Tessin proportional abgenommen, während immer mehr Studierende aus anderen Landesteilen ihr Studium an der USI absolvieren. Die Universität zählt heute rund 1'500 Studentinnen und Studenten, knapp die Hälfte davon aus dem Tessin.

Mit 20 Prozent Immatrikulierten aus der übrigen Schweiz, 20 Prozent aus Italien und 10 Prozent aus über 30 Ländern tummelt sich in den Hörsälen eine ausgesprochen bunte und internationale Schar. Unter den Dozentinnen und Dozenten sind neben einheimischen natürlich zahlreiche Lehrkräfte aus dem benachbarten Italien zu finden, aber auch aus anderen Landesteilen und nicht italienischsprachigen Ländern.

Wie kommt man im Jahr 2000 in der Schweiz zu einer Universität? Zuerst einmal braucht es stichhaltige Gründe. In unserem Fall gab es mindestens zwei: die Notwendigkeit, die italienischsprachige Schweiz in kultureller und professioneller Hinsicht zu unterstützen, damit ihre Identität gewahrt werden kann, und die Notwendigkeit, den intellektuellen, kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen der Eidgenossenschaft und Italien zu fördern. Die USI nimmt diese Aufgabe schon heute wahr, indem sie ihre natürliche Funktion als akademischer Brückenpfeiler zwischen Zürich und Mailand respektive zwischen der Alpennordseite und Norditalien ausbaut.

In nur vier Jahren hat die USI das Tessin erobert, das sich heute dank dem Entstehen einer weltoffenen akademischen Institution im eigenen Kanton in einem neuen Umfeld befindet und vielversprechenden Möglichkeiten der kulturellen, strukturellen und wirtschaftlichen Entwicklung gegenübersteht. Die USI hat sich im schweizerischen Hochschulsystem ihren festen Platz erobert. Dass unsere akademische Arbeit geschätzt und anerkannt wird, zeigt nicht nur der rege Austausch von Studenten/-innen und Professoren/-innen, sondern auch die enge Zusammenarbeit im Forschungsbereich. Enge Kontakte bestehen ebenfalls zu den grossen italienischen Universitäten und dem Politecnico di Milano."

Marco Baggiolini


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