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Max Beckmanns Träume ausgestellt in Bern

"Chinesisches Feuerwerk, ein kleiner Traum", realisiert 1927 von Max Beckmann. (zpk.org)

Das Zentrum Paul Klee gibt mit der Ausstellung "Max Beckmann – Traum des Lebens" Einblick ins Schaffen eines der genialsten europäischen Expressionisten.

Die Berner Ausstellung zeigt über 60 Arbeiten des deutschen Künstlers, der sich intensiv mit der Realität zwischen den beiden Weltkriegen auseinandersetzte.

"Und das nennen Sie Kunst!": Mit diesen Worten schnauzte 1921 der deutsche Maler Max Beckmann im Münchner Glaspalast einen Pfeife rauchenden Kollegen an, der gerade seine kleinformatigen "Kritzeleien" aufhängte. Es war Paul Klee.

Was Klee von Beckmanns Werk hielt, ist nicht überliefert. Die beiden Zeitgenossen hatten jedoch trotz vergleichbarer Themen darstellungsmässig völlig unterschiedliche Positionen.

Diese illustrieren die Kuratoren Tilman Osterwold und Cornelia Homburg vom Zentrum Paul Klee (ZPK), indem sie der Beckmann-Sammlung sieben Klee-Werke gegenüberstellen. So hängen sich zwei Küstenlandschaften der beiden Künstler gegenüber. Trotz vergleichbarem Sujet und ähnlicher Farbgebung sind die beiden radikal verschieden, vor allem im Abstraktionsgrad.

"Unzweifelhaft befinden sich diese beiden extremen Individualisten aus derselben Generation an verschiedenen Polen. Trotzdem haben sie etwas gemeinsam", erklärt Osterwold, der auch künstlerischer Direktor des ZPK ist.

Beide Künstler hatten eine klassische künstlerische Ausbildung genossen, beherrschten die künstlerischen Techniken des 19. Jahrhunderts. Beide haben sich dann auch für eine Vereinfachung ihrer Kunst entschieden, auf eine "Reduktion bis auf eine fast-kindliche Ebene", so Osterwold.

Traumwelten

Es scheint, als ob Klee und Beckmann die Realität mit den Augen eines Kindes betrachtet hätten. Und dieser Blickwinkel zeigte auf eine Welt, in der Linien und Formen vorherrschten, naive Figuren und Traumlandschaften.

"Bei beiden Künstlern spielt der Traum eine fundamentale Rolle. Für Paul Klee ist er ein vor allem imaginärer Raum, der sich zwischen dem Künstler und dem Menschen befindet", sagt Osterwold.

"Für Beckmann ist der Traum eher die Bühne eines grossen Schauspiels, einer Komödie, zusammengesetzt aus Masken, Seiltänzern, Marionetten, Musikern."

"Entartete" Künstler

Die beiden Maler hatten jedoch noch eine weitere Gemeinsamkeit. So wurden beide nicht gut im Bern der dreissiger Jahre aufgenommen. "Die Wollust Beckmanns trägt etwas so Krankhaftes, dass man sich nur mit Widerwillen einer Kunst von solcher Entartung zu nähern vermag", schrieb das Berner Tagblatt 1938, als erstmals und bis zur aktuellen Ausstellung zum letzten Mal Werke von Beckmann zu sehen waren.

Mit seiner Einschätzung fuhr der Journalist auf derselben Gedankenschiene wie die Nationalsozialisten in Deutschland. Beckmann wurde bereits 1933 fristlos aus seiner Professur an der Frankfurter Städelschule entlassen. Einige seiner Werke wurden von den Nazis gar verbrannt. 1937 emigrierte Beckmann dann nach Amsterdam.

Ablehnung erwuchs den beiden wohl, weil sie sich aus dem Traditionalismus, aus dem beide kamen, und dem Realismus, in dem sie ausgebildet waren, ausklinkten und zu einem professionellen Primitivismus fanden.

"Zurück nach vorne", nennt das Ausstellungskurator Osterwold. Beckmann und Klee haben seiner Ansicht nach die Malerei nach 1945 entscheidend beeinflusst.

Artisten, Halbwelt und Musik

Ausserdem teilen die beiden unterschiedlichen Zeitgenossen einige ihrer Themenvorlieben: Traum und Wirklichkeit, die Welt des Theaters, Varietés und Maskenspiel, Verfremdung von Landschaft und Stadtbild, die Behandlung von Schwarz und Bunt, Sinnlichkeit und vor allem die Musik.

Nach diesen in Beckmanns Werk zentralen Themen haben die Ausstellungsmacher ihre Auswahl getroffen.

So trifft das Auge gleich beim Eintritt auf drei grossformatige Hauptwerke: "Der Traum" mit seinem Gewusel von schrägen Figuren mit Instrumenten und anderen Accessoires (1921), "Traum von Monte Carlo" 1940 mit kartenspielenden Halbweltdamen und säbelschwingenden Croupiers sowie das "Doppelbildnis Max Beckmann und Quappi" (1941).

Weiter werden Akte, Frauenporträts, Zirkusbilder oder Bilder, in denen Instrumente die Klangfarben angeben, gruppiert. Zu sehen sind Beckmanns weltberühmte Gemälde wie "Siesta" (1931), "Im Artistenwagen" (1940) oder "Columbine" (1950).

swissinfo und Agenturen

Fakten

Max Beckmann wurde am 12. Februar 1884 in Leipzig geboren.

Er besuchte die liberal ausgerichtete Kunstschule in Weimar beim norwegischen Landschaftsmaler Frithjof Smith, den er als seinen einzigen Lehrer betrachtete.

1905, nach einer Paris-Reise, bei der er von modernen französischen Kunst beeinflusst wurde, zog er nach Berlin um.

Der Erste Weltkrieg hat eine tiefe Spur in Beckmanns Kunst hinterlassen, die sich in einer stärkeren expressiveren Kraft und Kritik gegenüber der Gesellschaft äusserte.

1938 wurde er vom Nazi-Regime als degenerierter Künstler bezeichnet und gezwungen, Deutschland zu verlassen.

Max Beckmann starb 1950 in New York.

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In Kürze

Mit dem im Juni 2005 eingeweihten Zentrum Paul Klee (ZPK) erhielt der deutsche Künstler, der die Hälfte seines lebens in Bern verbrachte hat, in der Schweizer Hauptstadt ein Denkmal mit internationaler Ausstrahlung.

Klee wurde erst nach seinem Tod Schweizer.

Das dank privater Donatoren entstandene Museum beherbergt rund 4000 Arbeiten von Paul Klee, von denen jeweils nur ein kleiner Teil ausgestellt wird.

"Max Beckmann – Traum des Lebens" ist die zweite Temporärausstellung des ZPK. Die Ausstellung umfasst rund 60 Bilder und dauert bis am 18 Juni.

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