Mehr Hochdeutsch, weniger Schwyzerdütsch

Hochdeutsch soll nicht auf die intellektuellen Fächer beschränkt bleiben. Keystone

Lehrer und Lehrerinnen in der Deutschschweiz sollen im Unterricht konsequent Hochdeutsch sprechen und auf den Gebrauch des Dialekts verzichten.

Dieser Inhalt wurde am 22. August 2003 - 14:27 publiziert

Diese Forderung kommt nicht zum ersten Mal. Doch die Chancen für einen Wechsel standen noch nie so gut.

Das schlechte Abschneiden der Schweizer Schülerinnen und Schüler in der PISA-Studie 2000 zu den Lesefähigkeiten hat die Bildungsdirektoren der Deutschschweiz aufgerüttelt. Gefordert wird eine umfassende und gezielte Sprachförderung. Ein Postulat ist die konsequente Verwendung des Hochdeutschen als Unterrichtsprache.

Intellektuelles Hochdeutsch, emotionales Schweizerdeutsch

Schüler in der Deutschschweiz wachsen mit zwei Sprachen auf: Gesprochen wird Schweizerdeutsch, gelesen und geschrieben in der Regel Hochdeutsch. Letzteres wird ausserhalb der Schule kaum gesprochen, und auch da nicht konsequent. Eine im Kanton Zürich durchgeführte Studie vom Winter 2002 zeigt, dass im Unterricht je nach Schulstufe der Dialekt zwischen 30% und 50% dominiert.

Ausschliesslich Dialekt gesprochen wird meist in den Fächern Turnen, Musik, Zeichnen, Handarbeit und Werken. Aber auch bei Gruppenarbeiten oder Diskussionen, die persönliche oder emotionelle Themen berühren, wird die Mundart dem Hochdeutschen vorgezogen.

Die Schüler würden so eine einseitige, kopflastige Erfahrung des Hochdeutschen machen und die Sprache letztlich negativ besetzen, schreiben die Autoren der Broschüre "Hochdeutsch als Unterrichtssprache", welche die Bildungsdirektion des Kantons Zürich herausgegeben hat. Darin wird den Lehrkräften empfohlen, im Unterricht konsequent Hochdeutsch zu sprechen.

Chancen stehen gut

Die Autoren der Broschüre sind zuversichtlich, dass ihre Empfehlungen verstanden und umgesetzt werden. Dies obwohl frühere Anläufe regelmässig im Schulalltag verpufften. "Die Chancen stehen diesmal gut", sagt Peter Sieber, Prorektor der Pädagogischen Hochschule Zürich, gegenüber swissinfo.

Als Grund für seinen Optimismus nennt Sieber die Veränderungen in der Schule: Zum einen sei der Anteil der fremdsprachigen Kinder grösser geworden. Weiter sei durch die Einführung von Fremdsprachen in die Primarschule das Thema Sprachenlernen bewusster geworden. Und schliesslich habe die Pisa-Studie die Sensibilität für die Sprachförderung verstärkt.

"Wegen Pisa nimmt der Druck deutlich zu und das Thema wird im Lehrerzimmer diskutiert", bestätigt Andreas Fotsch, Primarlehrer in Zürich. Der Gebrauch des Hochdeutschen im Unterricht stelle grundsätzlich kein Problem dar. "Schüler wie Lehrer haben aber Mühe, wenn es um emotionale oder persönliche Bereiche geht." Hier stosse die mündliche Sprachkompetenz schnell an ihre Grenzen.

Hemmungen abbauen

Die heutigen Schüler sind wegen des gestiegenen Medienkonsums eindeutig vertrauter mit der hochdeutschen Sprache als früher. Zwar sendet das Schweizer Fernsehen aus Konkurrenzgründen mit Ausnahme der Informations-Sendungen zunehmend in Dialekt. Doch machen die Kinder keinen Unterschied zwischen in- und ausländischen Programmen und die allermeisten Kinderfilme sind ohnehin auf Hochdeutsch.

Trotz Medienkonsum seien die Kinder jedoch sehr gehemmt, wenn sie Hochdeutsch sprechen müssten, erklärt der Primarlehrer Fotsch. Ganz anders sei es, wenn das Hochdeutsche in ein Spiel eingebunden werde. "Sobald ich den Kindern einen Rahmen aus Karton gebe und sie auffordere, Fernsehen zu spielen, sprechen sie perfektes, nahezu akzentfreies Hochdeutsch."

Lehrerausbildung verbessern

Davon können viele Lehrer oftmals nur träumen: "Das Problem bei den Lehrern ist eindeutig grösser als bei den Schülern", erklärt Sieber. Die Pädagogische Hochschule wolle deshalb bei der Lehrerbildung mehr Gewicht auf das Hochdeutsche legen.

Warum will man auf die Lehrer nicht mehr Druck machen, um im Unterricht konsequent Hochdeutsch zu sprechen? Die Erfahrungen damit sind laut Sieber sehr schlecht. "Wir setzten deshalb lieber auf Information und Weiterbildung. Wir wollen den Begründungszwang umkehren: Hochdeutsch soll die Normalsprache sein, der Gebrauch der Mundart soll begründet werden."

swissinfo

In Kürze

Der konsequente Gebrauch des Hochdeutschen ist Teil eines Aktionsplanes, der von den kantonalen Erziehungsdirektoren im Juni verabschiedet worden ist. Anlass war das schlechte Abschneiden der Schweiz in der Pisa-Studie.

Die Pisa-Studie wurde im Jahr 200o durchgeführt. Geprüft wurden ca. 250'000 Schüler (10'000 in der Schweiz) im Alter von 15 Jahren aus 31 OECD-Ländern.

Laut Pisa-Studie können 20% der Schülerinnen und Schüler in der Schweiz nach der obligatorischen Schulzeit nur ganz einfache Text verstehen.

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