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Nach der Flut: Kinder besonders bedroht

Die humanitäre Hilfe in Südasien sollte besonders die Bedürfnisse der Kinder beachten. Keystone

Kinder gehörten zu den ersten Flutopfern in Südostasien. Jetzt sind die Überlebenden von Krankheiten und Kinderhandel bedroht.

Dieser Inhalt wurde am 05. Januar 2005 - 16:24 publiziert

Der Alarm wurde von der UNICEF und dem Hilfswerk Save the Children ausgelöst. Laut Terre des Hommes sollte dem Schutz der Kinder erste Priorität eingeräumt werden.

Die Flutwelle, die Südasiens Küsten überspülte, hat gerade unter den Kindern zahlreiche Opfer gekostet. Dem Wüten der Wellen besonders ausgesetzt, sind sie zu schwach, um sich der Gewalt des Wassers zu widersetzen.

"Es ist zu befürchten, dass Kinder die Mehrheit der Opfer der Katastrophe ausmachen", sagte Wivina Belmonte, Sprecherin des UNO-Kinderhilfswerks (UNICEF), in Genf. Denn in den betroffenen Ländern machen Kinder und Jugendliche rund 40 Prozent der Bevölkerung aus.

Gesundheits- und seelische Risiken

Jetzt, nach der Katastrophe, sind die Kinder gewissen Risiken besonders ausgesetzt: unhygienischen Verhältnissen und fehlendem sauberen Trinkwasser.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits zahlreiche Fälle von Ruhr festgestellt. Dies bestätigt auch Michael Sidman, Asien-Verantwortlicher von Terre des Hommes, gegenüber swissinfo: "Wir haben viele Fälle von Kindern, die Atem- und Durchfallprobleme aufweisen."

Diese humanitäre Organisation, die seit Jahren an der Südküste Sri Lankas aktiv ist, macht sich vor allem wegen den prekären hygienischen Zuständen Sorgen, in denen die Überlebenden hausen. "Bei Kleinkindern kann ein ruhrähnlicher Durchfall in wenigen Stunden zum Tod führen", ruft Sidman in Erinnerung.

Besorgnis erregend ist auch der psychische Zustand jener Kinder, die den Tod ihrer Eltern oder Geschwister miterlebt oder den Kontakt mit ihrer Familie verloren haben. Laut der UNICEF-Sprecherin kann ein solches Trauma jahrelang dauern.

Kinderhandel

Den überlebenden Kindern, insbesondere den Waisen, die auf sich selber angewiesen sind und kein soziales Netz haben, droht eine weitere Gefahr: Kinderprostitution, illegale Adoption, Organhandel oder Zwangsarbeit.

Die Nichtregierungs-Organisation Save the Children hat einen entsprechenden Alarm ausgelöst. "Angesichts der Erfahrungen aus früheren Katastrophen sind die Kinder ganz besonders gefährdet", sagt Charlotte Petri Gornitzka, die schwedische Leiterin der NGO.

In den vergangenen Tagen machte die Geschichte von einem 12-jährigen schwedischen Knaben die Runde, der von Unbekannten aus einem Spital in Thailand abgeholt wurde und danach verschwand. Die schwedischen und thailändischen Polizeibehörden glauben an eine Entführung.

UNICEF liess indessen verlauten, sie habe keine Information, die angebliche Kindsentführungen bestätigen würden. Das UNO-Kinderhilfswerk weist aber eine derartige Gefahr nicht zurück. Auch Terre des Hommes hat bisher keine Informationen über Kindsentführungen.

"Aber es ist klar, dass die Bedingungen, denen die Kinder in der Katastrophenregion ausgesetzt sind, den illegalen Kinderhandel begünstigen", sagt Pierre Philippe, UNICEF-Experte auf diesem Gebiet, gegenüber swissinfo.

Kinderschutz als Priorität

Terre des Hommes analysiert derzeit die Lage in Südasien, um die richtigen Massnahmen ergreifen zu können. Bernard Boëton von Terre des Hommes in einem Interview mit dem Westschweizer Radio: "Der Schutz der Kinder muss die gleiche Priorität wie die Nahrungsmittel- und Gesundheitsversorgung haben."

Auch wenn sich die Notsituation entspannt hat, müssen für die Waisenkinder langfristige Lösungen gefunden werden. Der Wiederaufbau der Schulen ist für eine teilweise Normalisierung unerlässlich.

Die Schweiz will sich laut Aussenministerin Micheline Calmy-Rey beim Wiederaufbau von Schulen in Sri Lanka engagieren.

Von Adoptionen wird abgeraten

Im Zusammenhang mit den vermehrten internationalen Adoptions-Gesuchen für Waisen aus dem Katastrophengebiet erklärt Michael Sidman von Terre des Hommes, eine Adoption , auch wenn sie allen legalen Kriterien entspreche, sei nur in wenigen Fällen eine gute Lösung.

"Es ist besser, die Waisenkinder bei einheimischen Familien unterzubringen, wenn das möglich ist", so Sidman.

Auch die zuständige Stelle beim Bundesamt für Justiz riet am Freitag vor Adoptionen ab. Eine Adoption sei "keine Lösung für die anstehenden Probleme", hiess es in einer Presseerklärung.

In den letzten Tagen wurden Hilfsorganisationen nicht nur in der Schweiz mit Adoptionsanfragen überhäuft.

UNICEF will Kinder registrieren

UNICEF will beim Vorgehen gegen Menschenhändler in der indonesischen Katastrophenregion Aceh alle betroffenen Kinder registrieren. Derzeit liefen gemeinsam mit der Regierung in Jakarta Vorbereitungen für die Einrichtung von Zentren, in denen Zehntausende obdachlose Kinder und Waisen erfasst werden sollen, teilte ein UNICEF-Sprecher am Mittwoch mit.

Eines der Registrierungszentren sei bereits seit Dienstag in der Provinzhauptstadt Banda Aceh im Einsatz. Weitere 20 Erfassungsstellen sollten in der gesamten Provinz geschaffen werden.

Nach Regierungsangaben sind durch das verheerende Beben und die anschliessende Flutwelle am 26. Dezember mindestens 35'000 Kinder in der Region Nord-Sumatra obdachlos geworden oder haben ihre Eltern verloren.

Die Regierung setzte am Dienstag bereits einen landesweiten Adoptionsstopp in Kraft, um Kindesentführungen zu verhindern. Sämtliche elternlose Kinder unter 16 Jahre sollen zunächst in staatlichen Waisenhäusern, bei islamischen Stiftungen oder in islamischen Schulen untergebracht werden. Kinder und Jugendliche dürfen die Provinz Aceh zudem nur in Begleitung ihrer Eltern verlassen.

Auch Sri Lanka verfügte vorerst einen Adoptionsstopp.

swissinfo, Andrea Tognina
(Übertragung aus dem Italienischen: Jean-Michel Berthoud)

In Kürze

Die Naturkatastrophe in Südasien hat besonders Kinder getroffen, die zu schwach sind, um sich der Gewalt des Wassers zu widersetzen.

Jetzt sind die Kinder vor allem gesundheitlichen Risiken (Ruhr) und der Gefahr des illegalen Kinderhandels ausgesetzt, der in der Region schon vor der Katastrophe blühte.

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