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Partydrogen-Tests in Nachtklubs

Der Berner Chemiker Daniel Alleman testet Partydrogen.

(swissinfo.ch)

Nur der Kanton Bern und die Stadt Zürich analysieren offiziell Drogen, die an Technopartys konsumiert werden.

So führten unlängst die Leute von Streetwork (ZH) in einem Klub Pillentests durch. Eine Reportage.

Aera, eine Industriezone in Zürich Altstetten, 22 Uhr 30. Erstaunlicherweise wimmelt es beim mobilen Labor bereits von Ravern, obwohl diese sonst eher zu späterer Stunde aus den Klubs kommen.

"Sie kommen früher, weil sie wissen, dass wir Ecstasypillen testen", erklärt Alexander Bücheli, Sozialarbeiter bei Streetwork, einer von der Stadt Zürich finanzierten Vereinigung, die sich für die Suchtbekämpfung bei Jugendlichen einsetzt.

Streetwork führt seit Herbst 2001 knapp ein Dutzend Pillentests pro Jahr durch – zu mehr reichen die Mittel nicht. Das mobile Labor muss vom Berner Kantonsapotheker-Amt gemietet werden, ferner müssen zwei Chemiker und drei Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bezahlt werden. Dazu kommen die Kosten für ein Labor, in dem jene Drogen untersucht werden, die nicht vor Ort analysiert werden können.

"Aber 97% der Pillen, die uns gebracht werden, analysieren wir hier", erklärt der Chemiker Daniel Alleman, der das leistungsfähige Flüssigchromatographie-Labor aufgebaut hat, das sowohl in Bern wie in Zürich im Einsatz ist.

Rechtlicher Rahmen



Daniel Allemann und sein Kollege Hans Pauli sind jedes Mal mit dabei. Sie sind die einzigen, welche von Rechts wegen verbotene Substanzen wie Ecstasy, Kokain und die verschiedenen Amphetamine untersuchen dürfen, welche die Jugendlichen ihnen aus den Klubs bringen.

Heute Abend ist auch der private Verein eve&rave da, um Geld zu sammeln und Broschüren mit Drogeninformationen zu verteilen. Er wurde 1996 gegründet und hat ebenfalls schon Drogentests durchgeführt, allerdings illegal, da er nie eine offizielle Bewilligung erhalten hat.

"Wir stellten das Testen von Pillen nach der Street-Parade ein", führt Vereinspräsident Roger Liggenstorfer aus, "weil wir rechtliche Schritte fürchteten."

Quantitative und qualitative Analysen



Erste Etappe des Pillentests: Die Pillen oder Kapseln werden im PC eingetragen, damit sofort ein Flyer gedruckt werden kann, falls eine gefährliche Substanz zirkuliert.

Danach wird der Pille ein Zehntel der Substanz entnommen, der Rest wird zurückgegeben. Preis und Bezugsort der mutmasslichen Droge werden schriftlich festgehalten.

Nun beginnt die chemische Analyse, die 17 Minuten dauert. Ein chemischer UV-Strahlendetektor misst Quantität und Qualität der verschiedenen Moleküle, die nach und nach zum Vorschein kommen.

Plötzlich wird Alleman aufmerksam. Auf seinem Monitor erscheint eine Spitze, welche MDMA anzeigt. Es ist das erste Mal heute Abend, dass das Molekül - ein Bestandteil von Ecstasy - nachgewiesen wird.

Die bis jetzt analysierten Amphetamine dagegen enthielten "vor allem viel Koffein", stellt der Chemiker fest.

Prävention und Risikobegrenzung

Während der Analyse muss der oder die Jugendliche, welche die Pille gebracht hat, mit den Leuten von Streetwork einen Fragebogen ausfüllen.

"So kommen wir mit ihnen ins Gespräch“, hält Mireille Stauffer von Streetwork fest. Aber sie weiss auch, dass hier eine künstliche Klubatmosphäre herrscht, im Alltag sind die Jungen meist nicht so offen.

Während eine Person den Fragebogen ausfüllt, beteiligen sich oft 4 oder 5 Jugendliche, die Informationen haben möchten, an der Diskussion. Es geht vor allem um die Konsumgewohnheiten. Mit den Informationen sollen die Risiken vermindert werden. Im Jargon nennt sich dies "Sekundärprävention".

Die Jüngeren, die am meisten konsumieren, haben oft keine Ahnung, was sie nehmen, stellt Stauffer fest. Je älter die Beteiligten sind, desto besser sind sie informiert. Was auf einen verantwortungsvolleren und gemässigteren Konsum hoffen lässt.

Grenzen der Information



Der Weg des 21-jährigen Chaim, einem Militanten von eve&rave, verdeutlicht dies. Mit 15 hat er angefangen und seither fast alles versucht, insbesondere ‘Datura’ und LSD, danach massiv und regelmässig Ecstasy. Seit kurzem hat er seinen Konsum stark eingeschränkt.

Er engagiert sich, um "mit Sachkenntnis" Jugendliche zu informieren, "welche einfach alles schlucken". In diesem Milieu kommt die wichtigste und auch glaubwürdigste Information über die Substanzen und ihre Risiken von anderen Ravern.

"Man muss gut aufpassen, wie man informiert", hält Alleman fest. "Auf unserer Website (www.saferparty.ch) geben wir nur die gefährlichen Substanzen oder die sehr stark dosierten Pillen an."

eve&rave dagegen informiert über alle getesteten Drogen. Das könnte als Anregung zur Einnahme von Drogen betrachtet werden. Vielleicht hat der Verein deswegen nie eine offizielle Genehmigung für die Pillentests erhalten.

swissinfo, Anne Rubin
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

- Am 20. November letzten Jahres wurden in Aera, einer Industriezone in Zürich, 18 Pillentests durchgeführt. Man fand 3 Mal Kokain, 4 Mal Amphetamine, wovon zwei gepanscht, und 11 Mal mehr oder weniger hartes MDMA (Ecstasy).

- Es gibt nur ein offiziell anerkanntes Labor in der Schweiz. Es wurde im Rahmen des ersten Pilotprojekts "Pilot E" (1998-99) und des Projekts "Pilot P" (P für Partydrogen) vom Berner Kantonsapothekeramt entwickelt. Das Labor, das heute im Einsatz steht, ist eine verbesserte Version des ersten.

- In diesem mobilen, sehr leistungsfähigen Flüssig-Chromatographie-Labor können Quantität und Qualität der Substanzen genau analysiert werden. Wenn eine neue Substanz auftaucht, wird sie in einem ständigen Labor untersucht. Aber die Chemiker können vor Ort feststellen, zu welcher Molekülfamilie sie gehört.

- Auch Streetwork Zürich überwacht seit 2001 Substanzen und kümmert sich um Jugendliche mit Drogenproblemen. Die Vereinigung strebt vor allem Risikoverminderung bei den Konsumierenden an, ganz gleich, ob es sich um Partydrogen, Alkohol, Kokain, Heroin oder AIDS handelt.

- Die Kantone und das Bundesamt für Gesundheit müssen für diese Art Tests eine Bewilligung erteilen. Bisher haben dies nur die Kantone Bern und Zürich getan.

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