Piccards Solarzellen haben ersten Härtetest bestanden

Luiggino Torrigiani (Solar Impulse) und Martin Pfisterer (FMB) mit ihren Solarzellen auf dem Jungfraujoch. swissinfo.ch

Bertrand Piccards Solarflugzeug wird im Frühling erstmals den Hangar verlassen. Die dafür vorgesehenen Solarzellen haben sich in einem ersten Witterungs- und Höhentest auf dem Jungfraujoch bewährt.

Dieser Inhalt wurde am 02. Februar 2009 - 14:06 publiziert

Wie ein Adlernest liegt der Jungfraujoch-Komplex auf Fels und Eis - eingeklemmt zwischen Mönch und Jungfrau.

Das Jungfraujoch ist nicht nur ein touristisches Mekka: Neben dem Gletscher-Restaurant und dem höchsten Bahnhof Europas befindet sich hier oben auch eine Forschungsstation und das Sphinx-Observatorium.

Auf dem Jungfraujoch werden nicht nur Forschungen zu Sternen, Schnee, Gletscher und Permafrost gemacht, sondern auch zu Atmosphäre, Luftverschmutzung, Klima und kosmischer Strahlung.

Im Januar 2008 wurde zudem auf dem Jungfraujoch das bisher höchstgelegene Solarkraftwerk der Welt eröffnet.

Bertrand Piccard hat für sein Solarflugzeug, mit dem er die Welt umfliegen will, offenbar die richtigen Solarzellen ausgewählt. Tests auf 3580 Meter über Meer haben den hohen Wirkungsgrad der Solarzellen bestätigt.

Diese Höhe entspricht gemäss Angaben des bernischen Energieunternehmens BKW etwas weniger als der Hälfte der geplanten maximalen Flughöhe von Piccards "Solar Impulse".

Das Solarflugzeug soll tagsüber auf 8500 Metern über Meer und nachts auf 1000 bis 1500 Meter über Meer fliegen.

Die BKW respektive ihre Tochtergesellschat Mont-Soleil (GMS) nehmen die Solarzellen unter die Lupe, weil die GMS seit 1992 ein internationales Solarenergie-Testzentrum auf dem Mont-Soleil im Berner Jura betreibt.

"Bertrand kann starten"

Gemessen wurde seit Anfang Dezember 2008 mit einem Testmodul aus 24 Zellen und einer Referenz-Zelle als Strahlungsmessgerät. Die verwendeten Solarzellen stammen vom kalifornischen Hersteller Sunpower, einem der führenden Unternehmen auf dem Gebiet.

Die für dieses Projekt verwendeten Solarzellen müssen besondere Anforderungen erfüllen: Neben einem geringen Gewicht sind auch die Funktionsfähigkeit bei extremen Temperatur- und Einstrahlungsbedingungen sowie ein hoher Wirkungsgrad wichtig. Da die Flügelfläche begrenzt ist, muss diese bestmöglich ausgenutzt werden.

Die ersten Tests am 16. Januar 2009 auf dem Jungfraujoch bestätigten den hohen Wirkungsgrad: Bei verschiedenen Temperatur- und Einstrahlungsbedingungen beträgt dieser 22 Prozent. Während der Testzeit gab es auf dem Jungfraujoch, extrem starke Temperaturschwankungen und Sturmwinde von rund 250 Kilometern pro Stunde.

Die von Piccard gewählten Solarzellen wiesen gemäss BKW damit eine um rund 50 Prozent höhere Effizienz auf als konventionelle Solarzellen. "Unserer Meinung nach kann Bertrand starten", sagt Martin Pfisterer, Mitglied der Unternehmensleitung der BKW FMB Energie AG.

Auch wenn die beiden Piloten des Solarflugzeugs Bertrand Piccard und André Borschberg bei den Tests nicht dabei waren – sie besuchten zu diesem Zeitpunkt mit Bundesrat Moritz Leuenberger Abu Dhabi, die Baustelle der ersten CO2-freien Stadt der Welt –, haben sie das grüne Licht zum Start erfahren.

"Das ist kein Flugzeug"

Das Energiemanagement dieses Flugzeugs, das in der Lage sei, "die Welt zu umrunden, ohne mehr Energie zu verbrauchen als die Lichter des Weihnachtsbaums in Ihrer Gemeinde", stelle eine enorme technische Herausforderung dar, sagt Luiggino Torrigiani, Marketing-Direktor des Projekts "Solar Impulse".

Die grösste Schwierigkeit für das äusserst leichte und sich nur langsam fortbewegende Solarflugzeug ist, tagsüber genug Energie zu speichern, um nachts in der Luft zu bleiben.

"In diesem Sinn müssen die beiden Piloten Bertrand und André in ihrem Cockpit wie jeder von uns über Nacht mit der Energie haushalten", wie Luiggino Torrigiani sagt.

Um das bekannteste Werk des belgischen Malers René Magritte aufzunehmen, bei dem auf dem realistisch gemalten Bild einer Holzpfeife "Dies ist keine Pfeife" steht, könnte man zu "Solar Impulse" bemerken: "Dies ist kein Flugzeug."

"Es ist ein Symbol", sagt Luiggino Torrigiani. "Ein Symbol, das die Menschen zum Träumen bringt." So scheine es ihm jedenfalls, wenn er die glänzenden Augen sehe, wenn er vom Projekt erzähle. "In der aktuellen wirtschaftlichen Krise braucht es solche Projekte", so Torrigiani.

Möglichkeiten aufzeigen

Die Promotoren von "Solar Impulse" sind sich bewusst, dass ihr Flugzeug keine Alternative zur gegenwärtigen Zivilluftfahrt darstellt, die umweltschädlich ist und viel fossile Energie verbraucht. Sie haben ihren Flugkörper denn auch nie als solche Alternative dargestellt.

Es geht ihnen vielmehr darum, Möglichkeiten aufzuzeigen und die fotovoltaische Energie einen wirkungsvollen Entwicklungsschritt weiter zu bringen. In diesem Bereich verfügt die Schweiz zwar über eine sehr gute Forschung, nicht aber über eine breite Industriebasis.

Mit der Lancierung des Energieprojekts "Romande Energie-EPFL" und der nächsten Etappe zum Start von "Solar Impulse" deutet jedoch alles darauf hin, dass sich im Land diesbezüglich etwas tut.

swissinfo, Marc-André Miserez, Jungfraujoch
(Übertragung aus dem Französischen: Corinne Buchser)

Solar Impulse

1999 hat Bertrand Piccard zusammen mit Brian Jones die erste Nonstop-Weltreise mit einem Ballon mit Erfolg zu Ende gebracht.

Bertrand Piccard ist der Enkel von Auguste, des ersten Menschen in der Stratosphäre, und Sohn von Jacques, dem Tiefseetaucher.

Piccard arbeitet an einer Neuauflage der Weltreise, nur diesmal mit einem Solarflugzeug - ohne einen Liter an fossiler Energie, und ohne ein Gramm an ausgestossenem CO2.

Ursprünglich war die Weltumrundung ohne Zwischenhalt konzipiert worden. Inzwischen sind fünf Etappen vorgesehen, von 2010 bis 2011.

Zur Zeit befindet sich das Solarflugzeug auf dem Militärflughafen in Dübendorf bei Zürich noch in Entwicklung.

Das Flugzeug wird voraussichtlich im Frühling erstmals über die Pisten von Dübendorf rollen.

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Mont Soleil

Die von der BKW FMB Energie AG 1990 gegründetet Gesellschaft Mont-Soleil betreibt auf dem gleichnamigen Berg im Berner Jura eines der grössten Fotovoltaik-Sonnenkraftwerke Europas.

Die Silizium-Solarzellen mit einer Fläche von 4500 Quadratmetern produzieren jährlich rund 600'000 kWh Strom.

Primär dient die Anlage jedoch nicht der Produktion, sondern der Forschung und Entwicklung.

Das Fotovoltaik-Zentrum Mont-Soleil ist die grösste schweizerische Forschungs- und Demonstrationsanlage in diesem Bereich.

Der von Mont Soleil entwickelte grösste Solar-Katamaran oder das Sonnenkraftwerk auf dem Dach des "Stade de Suisse" in Bern, das 2005 den Europäischen Solarpreis erhielt, haben internationales Echo gefunden.

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