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Mediation in politischen Konflikten Vertreter aus aller Welt lernen in der Schweiz das Friedenshandwerk

Nahaufnahme von Händen von Menschen, die an einem Tisch sitzen, auf dem Papiere liegen.

Stück für Stück zur Einigung: Zu den Hauptkompetenzen eines Mediators gehört das Strukturieren des Verhandlungsprozesses. 

(Keystone)

Wie bringt man die Parteien eines bewaffneten Konflikts an einen Tisch? Was gehört in ein Waffenstillstandsabkommen? Auf diese und andere Fragen erhalten Mediatoren in einem neuen, weltweit einmaligen Studiengang in Zürich Antworten.

Die Ausbildungexterner Link ist einmalig, weil sie sich ausschliesslich mit Friedensmediation in internationalen politischen Konflikten befasst, wie Studienleiter Andreas Wenger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) erklärt. Einmalig aber auch, weil die Ausbildung 18 Monate und nicht nur ein paar Wochen dauert.

Im ersten Modul haben die Teilnehmenden Ende Jahr mehr über Konfliktanalyse und -lösung erfahren, das zweite zu Verhandlungsmethoden beginnt im März. Später werden die Studierenden in Rollenspielen üben wie sie reagieren müssen, wenn beispielsweise ein Gesprächspartner frustriert den Raum verlässt.

Schweiz trägt ein Drittel des Budgets

Für die Planungsphase und die ersten zwei Pilot-Lehrgänge wurde ein Planungsrahmen von 5,5 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Die Schweiz übernimmt davon maximal 1,6 Millionen Franken. Auch die anderen Partner der ETH beteiligen sich an den Kosten. Mittelfristig soll der Studiengang zwischen 800'000 und 1,2 Millionen Franken kosten und über die Teilnehmerbeiträge – 55'000 Franken pro Person – finanziert werden.

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"Mediation ist eine Team-Aufgabe", sagt Wenger. Zu den Hauptkompetenzen eines Mediators gehöre das Strukturieren des Verhandlungsprozesses. Er muss aber auch wissen, was in einen Friedensvertrag gehört, damit dieser möglichst hält. Der Masterstudiengang sei nur eine Grundausbildung, stellt Wenger klar. "Der Weg zum Chef-Mediator, der beispielsweise eine Friedensverhandlung leitet, ist lang."

Das Programm richtet sich primär an Personen, die für Aussenministerien arbeiten aber auch an Angestellte internationaler Organisationen wie der UNO und der Europäischen Union (EU). Schliesslich steht die Teilnahme auch Einzelpersonen offen.

"Alle Konfliktregionen sind vertreten"

Über 150 Anmeldungen aus aller Welt sind bei der ETH eingegangen. "Dieses grosse Interesse hat uns sehr gefreut", sagt Wenger. Aufgenommen wurden schliesslich 18 Personen.

Wichtig sei eine gute Durchmischung der Studierenden und das sei gelungen, so Wenger. "Sämtliche Gebiete der Welt und somit alle Konfliktregionen aber auch die westliche und die südliche Sichtweise sind vertreten. Die Hälfte der Teilnehmenden ist weiblich."

Alle bringen sie bereits mindestens vier Jahre Erfahrung in der Friedenspolitik mit. "Einige haben spezielle Kenntnisse eines Konfliktes, sind sogar in einem betroffenen Gebiet aufgewachsen", so Wenger. "Andere haben sich im Vergleichen von Konflikten spezialisiert".

Experten aus dem Aussendepartement

Zwei Teilnehmende kommen aus dem Schweizer Aussendepartement (EDA). Dieses hat den Studiengang von Anfang an unterstützt. Unter anderem stellt es Experten als Dozenten zur Verfügung. Man fülle hier eine Lücke, sagt eine EDA-Sprecherin. Die Schweiz wolle mit dem Studiengang einen Beitrag leisten, damit Friedensabkommen künftig noch nachhaltiger gestaltet werden.

Auch die Aussenministerien Deutschlands, Finnlands und Schwedens sowie die UNO, die EU und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) unterstützen den Studiengang und haben ihrerseits Angestellte entsandt. Ausserdem finanzieren diese Partner der ETH acht Plätze für Teilnehmende aus anderen Regionen der Welt.

Schweiz als Vermittlerin

Die Guten Dienste der Schweiz haben Tradition. Neben den Schutzmacht-Mandaten spielen sie heute eine wesentliche Rolle in der Friedenspolitik des Landes. Die Schweiz ist international als Vermittlerin in Konflikten anerkannt. In den vergangenen Jahren begleitete sie in mehr als 20 Ländern über 30 Friedensprozesse.

In der Rolle als unparteiliche Vermittlerin arbeitet die Schweiz als Fazilitatorin oder als Mediatorin. Gemäss EDA unterstützt man mit der Fazilitation den Kontakt zwischen den Konfliktparteien, bringt sich aber inhaltlich nicht in die Verhandlungen ein. Die Mediation hingegen umfasst auch die inhaltliche Unterstützung der Konfliktparteien bei der Suche nach Lösungen.

Nationale Alleingänge, vor allem von Kleinstaaten, haben bei den Guten Diensten je länger, desto weniger Aussicht auf Erfolg. Die Schweiz trägt diesem Umstand Rechnung, indem sie ihre Guten Dienste vermehrt im Rahmen von Partnerschaften einbringt, vor allem im Rahmen der UNO.

Als Vermittlerin arbeitet das EDA neben den Partnern in der UNO eng mit Nichtregierungsorganisationen und anderen Schweizer Stellen zusammen, darunter mit der Stiftung Swisspeace und der ETH Zürich. 

(Quelle: EDAexterner Link)

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