Presseschau vom 24.03.2003

Die USA und ihre Verbündeten kommen nicht so schnell vorwärts wie sie erwartet haben. Die Zeitungen halten denn auch nicht mit Kritik zurück.

Dieser Inhalt wurde am 24. März 2003 - 09:07 publiziert

Die Rolle der Medien in diesem Krieg wird als zwiespältig eingeschätzt.

Einen lachenden Saddam Hussein zeigt der BLICK auf seiner Frontseite: "Saddam spielt Katz und Maus." Und: "Bush hat keine Ahnung, wo er steckt."

Mit seinen Auftritten oder der seiner Doppelgänger würde Saddam Hussein die CIA und den US-Präsidenten regelrecht an der Nase herumführen. Das Boulevardblatt befürchtet: Es drohe eine "Neuauflage der Bin-Laden-Blamage".

Der Berner BUND meint, die Umgehung von Städten gehöre zur psychologischen Kriegsführung. Die Alliierten würden möglichst auf Besetzungen von Städten verzichten.

"Der relativ rasche Vorstoss von Kuwait nach Norden darf indessen nicht falsche Hoffnungen wecken: Bisher haben die alliierten Streitkräfte im Wesentlichen Wüste besetzt."

Medien zwischen allen Fronten

Die BASLER ZEITUNG knöpft sich die so genannten "Embedded Journalists" vor, die Kriegsberichterstatter, die mit den Truppen zusammen im Irak einmarschiert sind: "Die Medien im Bett mit den Militärs", titelt sie.

"Objektive Berichterstattung ist unter diesen Gesichtspunkten ausgeschlossen: Die 'Embeds' gehen mit ihren militärischen Bettgesellen ein überaus schlüpfriges Verhältnis ein."

Auch die BERNER ZEITUNG hat sich dem Thema "Berichterstattung von der Front" angenommen. Unter dem Titel "Selektive Wahrheit" kommentiert sie, dass beide Seiten im Interesse der Moral die Opferzahlen so gering wie möglich beziffern.

"So ist zu befürchten, dass wir erst viel später von Tragödien erfahren werden, von denen wir heute keine Ahnung haben."

Tempo statt Vollständigkeit

Und die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG schreibt unter dem Titel "Medien im Krieg - Möglichkeiten und Risiken: Geschwindigkeit, aber nicht Vollständigkeit prägt das Bild". Das Bild vom Irak-Krieg bleibe bruchstückhaft.

"Wenn Walter Rogers für den Sender CNN auf einem Panzer der 7. Kavallerie durch die Wüste rast, so vermittelt der Sender damit eher den Eindruck eines Wettrennens als eines Feldzuges. Informationen gelangen beschleunigt zu ihren Konsumenten, aber zu einem vertieften Verständnis des Geschehens tragen sie oft nur beschränkt bei."

Deprimierende Zwischenbilanz

Für das ST. GALLER TAGBLATT schütten die Details bei der Fernsehberichterstattung das Gesamtbild zu. "Wie ein Videospiel." Und auch für sie ist klar, dass die Alliierten "bisher nur die Wüste besetzt" hätten.

"Zwischenbilanz des Schreckens", titelt die NEUE LUZERNER ZEITUNG.

"Nein, eine sichere, eine bessere Welt ist seit letzter Woche nicht näher gerückt. Die Zwischenbilanz des Schreckens ist deprimierend."

Die PACE-Friedensfahnen haben übers Wochenende vielerorts das Strassenbild dominiert. "Milioni in piazza contro la guerra", schreibt der CORRIERE DEL TICINO.

Es sei kein Ende der Anti-Kriegs-Demonstrationen abzusehen, erneut hätten Millionen für den Frieden demonstriert.

Neutralität und Waffenexport

"L'industrie de l'armement serait-elle un boulet pour la neutralité suisse?"

Ist die Waffenindustrie eine Bürde für die Schweizer Neutralität, fragt die Westschweizer LE TEMPS.

Vom Krieg überdeckt wurde auch die grosse Show der letzten Nacht, die Verleihung der Oskars. "Inszenierung zeigt Risse", schreibt der TAGES ANZEIGER und vergleicht den Krieg mit einem Hollywood-Drehbuch.

"Irritiert stellen Kommentatoren fest, dass am Golf nicht alles nach Plan läuft, dass es zu Pannen kommt und dass der Krieg wohl eine zu ernsthafte Sache ist, um ihn den Medien zu überlassen."

swissinfo, Christian Raaflaub

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