Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Regierung sagt Rasern den Kampf an

Mit dem Plakat "Raser töten" gegen die Verkehrsrowdys der Schweiz.

(Keystone)

Verkehrsminister Moritz Leuenberger will die Raser auf Schweizer Strassen strenger bestrafen.

In diesem Jahr haben mindestens 14 Menschen bei Raserunfällen ihr Leben verloren, zahlreiche wurden verletzt. Bei Fachleuten gelten Raser als uneinsichtig.

Es sei "absolut skandalös", dass in diesem Jahr bereits 14 Menschen bei Raserunfällen getötet worden seien, erklärt Bundesrat Leuenberger in einem Interview im "SonntagsBlick"

"Es müssen natürlich alle, aber auch alle Massnahmen ergriffen werden, um diese Mörderei zu bekämpfen", so Leuenberger weiter.

Er plädiert für eine stärkere Repression und spricht dabei vor allem die Polizei und die Gerichte an.

Schon heute könne die Polizei das Auto eines Rasers als Tatwaffe einziehen und den Fahrer wegen vorsätzlicher oder versuchter Tötung anklagen. Gewisse Kantone verfügten in ihren Gesetzten zudem über die Möglichkeit, ertappte Raser präventiv für kurze Zeit in Haft zu nehmen.

Über die Hersteller der "Waffen" schwieg sich der Verkehrsminister aus.

Bundesgericht für härtere Gangart

Das grosse Schweigen rund um die Geschwindigkeitsexzesse auf der Strasse wurde erstmals gebrochen, als sich 1999 zwei Strassenrowdys zwischen Hochdorf und Gelfingen im Kanton Luzern ein privates Autorennen lieferten.

Bei einem halsbrecherischen Überholmanöver im Dorf Gelfingen kam einer der Lenker von der Strasse ab, erfasste ein 14-jähriges Mädchen und dessen 15-jährigen Cousin auf dem Trottoir und tötete die beiden.

Das Gericht verhängte gegen die beiden Raser Zuchthausstrafen von 6,5 Jahren. Das liess aufhorchen, waren doch bislang solche "Delikte" eher milde bestraft worden.

Die Verurteilten gelangten denn auch an das oberste Schweizer Gericht, das Bundesgericht, weil ihnen die Strafe zu hart erschien. Das Gericht entschied dann aber, dass die Strafe nicht "unverhältnismässig hart" sei, wie die Verurteilten fanden.

Angemessen sei auch, so das Bundesgericht, die Verurteilung wegen eventualvorsätzlicher Tötung. Der eine Fahrer hätte wissen müssen, dass er im Dorf auf Fussgänger trifft und der andere Fahrer habe als Mittäter gehandelt.

Auto entzwei schneiden

Nachdem die Zahl der Verkehrstoten auf den Schweizer Strassen in den vergangenen Jahren ständig gesunken war, stieg sie 2003 wieder an (546 Opfer).

Experten schätzen, dass fast die Hälfte auf übersetzte Geschwindigkeit zurückzuführen ist. Deshalb sind die Experten für schmerzhafte Strafen. Sie seien das einzig wirksame Mittel gegen das Rasen auf den Strassen.

Für die "Strassenopfer-Vereinigung" wäre es legitim und effizient, Fahrausweis-Entzüge via Zeitung bekannt zu machen.

"Eine solche Publikation würde als Schmach empfunden", sagt Ueli Vogel-Etienne, Anwalt der Strassenopfer-Vereinigung, gegenüber der NZZ.

In den letzten Jahren sei unglaublich viel Rücksicht auf Delinquenten im Strassenverkehr genommen worden, kritisierte Vogel. Die Strafen seien milder gewesen als in andern Lebensbereichen. Wer zu schnell fahre, müsse künftig gesellschaftlich geächtet werden.

Das Auto vor den Augen eines ertappten Rasers entzwei zu schneiden, wäre für den Zürcher Jugendpsychologen Allan Guggenbühl die wirkungsvollste Strafe.

Guggenbühl sagt aber auch, dass die Jugendlichen (Raser sind meist jung und es sind praktisch nur Männer) wieder klar wissen müssten, was Recht und Unrecht sei. Zu viele Gesetzte würden nicht durchgesetzt.

Prävention

Da will auch Bundesrat Moritz Leuenberger ansetzen. Er wies auf die Prävention hin und sagte, dass im kommenden Jahr in der Schweiz der Führerschein auf Probe eingeführt werde.

Bei Widerhandlungen gegen die Verkehrsregeln und bei Unfällen während der Probezeit gebe es dann nebst dem Ausweisentzug eine Verlängerung der Probezeit um ein Jahr.

Beim zweiten Verstoss werde der Ausweis annulliert und der Neulenker müsse mindestens ein Jahr warten, bis er wieder mit der Ausbildung beginnen könne.

"Kopflose Bleifüsse"

Dass all die Massnahmen fruchten werden, bezweifelt die Zeitschrift "Beobachter", nachdem sie kürzlich einen Tag lang die (anonyme) mobile Einsatzpolizei des Kantons Aargau auf Patrouille begleitet hatte und anschliessend von "kopflosen Bleifüsslern" schrieb.

Dabei kamen die Reporter zum Schluss, dass viele Verkehrsteilnehmer die geltende Höchstgeschwindigkeit von 120 km pro Stunde auf Schweizer Autobahnen lediglich als Richtwert betrachteten.

Alle Raser, die von der Patrouille angehalten wurden, empfanden die Kontrollen als "reine Schikane".

Der Oltener Psychologe Andreas Widmer hat einschlägige Erfahrungen mit Rasern. "Diese Leute gehören zu den allerschwierigsten Klienten", sagte er im "Beobachter".

"Leute, die wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand zu mir kommen, zeigen meist Reue und versprechen Besserung." Ganz anders seien da die Raser.

Da werde er oft beschimpft und bedroht. Einer habe ihm mal gesagt: "Wissen Sie eigentlich, dass der Amokschütze von Zug viele Freunde und Bewunderer hat?"

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Drei Haupttypen von Rasern:

"Jungraser": Am häufigsten und gefährlichsten. Fahrer zwischen 18 und 25 Jahren.

"Managerraser": Viele sogenannt erfolgreiche Berufsleute und einzelne Politiker fühlen sich auch im Verkehr als "Alphatiere".

"Frustraser": Altersschnitt um 40. Mussten schon viele private und berufliche Niederlagen einstecken. Rasen als Kompensation und Frustabbau.

Infobox Ende

×