"Der WC-Rollen-Kuchen ist unser grosser Hit"

Steckbrief: Stefanie Sollberger, 31, führt zusammen mit ihrem Mann seit 2012 eine Bäckerei in Gontenschwil (Kanton Aargau), hat drei Kinder und ist gelernte Detailhandelsfachfrau. zvg

Jetzt müssen viele Schweizerinnen und Schweizer improvisieren – für die meisten eine neue Erfahrung. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die sich durch den Lockdown kämpfen. Welche Ängste haben sie durchlebt, welche Hoffnungen hegen sie? Wie läuft es eigentlich für Bäckereien? Stefanie Sollberger erzählt.

Dieser Inhalt wurde am 29. April 2020 - 14:00 publiziert

Seit dem 16. März dreht sich die Welt in der Schweiz langsamer. 

Viele Menschen wurden von einem Tag auf den anderen vor grosse Herausforderungen gestellt. Wie kann der Dönerstandbetreiber mit weniger Laufkundschaft am Ende des Monats die Miete begleichen? Wie kann die Coiffeursalon-Besitzerin den Lohn ihrer Angestellten bezahlen? Oder wie kann ein selbständiges Paar, das sein Yoga- und Pilatesstudio schliessen musste, trotzdem ein Einkommen erzielen?

Auch wenn die Schweiz schrittweise wieder zur Normalität zurückkehren soll: Die Kunst zu improvisieren bleibt gefragt.

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"Manchmal habe ich fast ein schlechtes Gewissen zu sagen, dass es bei uns gut läuft. Rundherum kämpfen kleine Unternehmen ums Überleben, Leute sind gezwungen, zu Hause zu hocken, und wir haben alle Hände voll zu tun. Obwohl es sehr streng ist, sind wir dafür sehr dankbar.

Das Ostergeschäft etwa ist sehr gut gelaufen: Am Ostersamstag hatten wir keinen einzigen Schoggihasen mehr im Laden, das hat es in den letzten acht Jahren nie gegeben. Damit haben wir nicht gerechnet. Als der Lockdown beschlossen wurde, haben wir die Osterhasen-Produktion zwar kurzzeitig eingestellt. Wir sind davon ausgegangen, dass jetzt sowieso niemand Hasen will. Wir haben aber schnell gemerkt, dass das Gegenteil der Fall ist und haben nochmals nachgelegt.

Sowieso war es für uns schwierig abzuschätzen, was der Lockdown für unseren Betrieb bedeuten wird. Die Angst bestand, dass wir ebenfalls Kurzarbeit anmelden oder Personal abbauen müssen. Schliesslich fielen von einem Tag auf den anderen Restaurantbelieferungen, Märkte oder Hochzeitsapéros weg.

Aber schnell hat sich herausgestellt, dass unsere Befürchtungen unbegründet waren und wir alle Arbeitsplätze sichern können. Das liegt sicher auch daran, dass wir uns den Begebenheiten sehr schnell angepasst haben: Innerhalb von drei Tagen haben wir einen Brotlieferservice auf die Beine gestellt. Auch unsere Öffnungszeiten haben wir erweitert und über den Mittag geöffnet.

Zudem haben wir uns den einen oder anderen "Gag" einfallen lassen. Die Social-Media-Kanäle sind dafür gerade perfekt geeignet. Momentan sind viele Leute häufiger am Handy als normal. Der WC-Rollen-Kuchen ist beispielsweise super gelaufen. Auch jetzt noch, obwohl ich eigentlich damit aufhören wollte.

"Meine Hoffnung ist, dass wir die neu gewonnenen Kunden behalten können."

Stefanie Sollberger

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Bei uns gelten seit je strenge Hygienemassnahmen, das war für uns also keine grosse Umstellung. Wichtig ist, dass der Kunde im Mittelpunkt steht und nicht das Virus. Für einige war in den vergangenen Wochen der Gang in die Bäckerei das einzige Mal am Tag, an dem sie unter Leute kamen. Dann sollte auch alles möglichst normal sein.

Das Einkaufsverhalten der Leute hat sich während der Coronakrise merklich verändert. Man besinnt sich wieder auf das lokale Gewerbe, geht wieder zum Metzger, Bauer oder Bäcker – meidet den Grossverteiler. Meine Hoffnung ist, dass es auch nach der Krise so bleibt und wir die neu gewonnenen Kunden behalten können. Wir geben uns grosse Mühe."

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