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Simon Ammann sucht wieder die grossen Weiten

Neue Skis, neue Saison: Wie grosse Flügel wachsen Simon Ammann?

(Keystone)

Der beste Schweizer Skispringer fühlt sich vor dem Start in die neue Weltcup-Saison stärker denn je. Er fliegt nichts weniger als den Sieg an der Vierschanzentournee an, sagt er im Gespräch mit swissinfo.

Vor sechs Jahren wurde ein damals 21-jähriges, schmächtiges Bürschchen aus dem Toggenburg innerhalb weniger Tage zum Weltstar: Simon Ammann flog an den Olympischen Spielen von Salt Lake City auf der grossen wie der kleinen Schanze zur Goldmedaille.

Wegen seiner Brille, dem weiten roten Mantel der Schweizer Delegation und den keck-unbeschwerten Antworten in den Siegerinterviews wurde aus "Simi" auf seiner Tour durch die Studios der grössten US-Fernsehstationen flugs der Harry Potter der Grossschanzen.

Doch der Zauberlehrling zahlte hart für seinen Ruhm. In den folgenden vier Jahren waren seine Flügel lahm geworden. Doch Ammann hielt zäh durch, sprang Winter für Winter weiter, und siehe da: Exakt vier Jahre nach den goldenen Tagen von Salt Lake City sprang Simon Ammann plötzlich wieder mit der Unbeschwertheit von früher vom Bakken.

Schnell wandelte er sich vom Mitspringer wieder zum Weitenjäger, der auf dem Podium landete. Dem Start in seine elfte Weltcupsaison blickt der St. Galler zuversichtlicher denn je entgegen.

swissinfo: Wie ist das Fluggefühl kurz vor dem ersten Springen in Kuusamo?

Simon Ammann: Der Sommer war unglaublich, ich fühle mich besser denn je. Ich habe noch nie so grosse Fortschritte gemacht, technisch wie physisch. Ich kann jetzt ernten, was ich in den letzten Jahren gesät habe. Das zeigt auch mein zweiter Platz im Sommer-Grand-Prix.

swissinfo: Wo konnten Sie sich verbessern?

S.A.: Im technischen Bereich konnte ich meine Anfahrtsposition optimieren. Mein Körperschwerpunkt liegt jetzt weiter vorn auf den Skis, dadurch erreiche ich auf dem Schanzentisch eine höhere Geschwindigkeit. Genau da lag ja lange Zeit meine Schwäche.

Dank einem speziellen Muskeltraining konnte ich auch meine Absprungkraft steigern. Dabei habe ich nicht an Gewicht zugelegt, denn das hätte mich in der Luft behindert.

Ich habe zudem die Skimarke gewechselt, was sich bereits während des Sommertrainings ausbezahlte. Es gab Sprünge, bei denen ich aufpassen musste, dass ich nicht zu weit im Flachen landete!

swissinfo: Das tönt vielversprechend. Welche Ziele fliegen Sie an?

S.A.: Der Gewinn des Weltcups liegt erstmals im Bereich des Möglichen, auch wenn der Österreicher Gregor Schlierenzauer momentan der Beste ist. Weiteres Ziel ist der Gewinn der Deutsch-Österreichischen Vierschanzen-Tournée.

Mit doppeltem Olympiagold, einem Weltmeistertitel und dem Sieg in der Vierschanzentournée würde ich zum erlauchten Klub der "Magischen Sieben" gehören: Bisher haben erst sieben Athleten Siege an allen drei grossen Wettbewerben errungen.

swissinfo: Im Skispringen spielt der Kopf eine wichtige Rolle. Wie wertvoll ist Ihre zehnjährige Erfahrung?

S.A.: Ich lerne immer noch jeden Tag Neues dazu. Das ist einer der Gründe, weshalb ich seit zehn Jahren auf hohem Niveau springen kann. Dank der Routine kann ich die Wettkämpfe viel ruhiger angehen. Lampenfieber und Nervosität haben vor dem Saisonstart einer gesunden Spannung Platz gemacht.

swissinfo: In den vier Jahren nach Ihrem olympischen Doppelerfolg von Salt Lake City kamen Sie nicht mehr auf grosse Weiten. Wie sehen Sie diese Zeit heute?

S.A.: Unmittelbar danach war sehr viel los. Dabei kam mir die Stabilität abhanden. Gleichzeitig wurde ich ungeduldig, dass sich mein Fluggefühl wieder einstellte. Ich vernachlässigte die Detailarbeit, was verhinderte, dass ich Fortschritte machte.

2006 kam wieder Ordnung in mein Flugsystem, und 2007 wurde ich Weltmeister. Der Blick zurück bringt mich aber nicht weiter. Was zählt, ist mein momentan sehr gutes Gefühl in der Luft. So kann ich die paar Jahre, die ich im Skispringen noch vor mir habe, voller Zuversicht angehen.

swissinfo: Noch mal zu Salt Lake City: Kamen die zwei Goldmedaillen für Sie zu früh?

S.A. (überlegt lange): Wie bereits gesagt war die Zeit nach 2002 alles andere als einfach. Trotzdem habe ich Erinnerung an Salt Lake City, die einmalig sind. Spreche ich mit Freunden oder Journalisten über diese Tage, sind die unglaublichen Erinnerungen wieder präsent.

Etwa an die Reise nach New York, wo ich Gast in der Talk Show von David Letterman war. Nie vor- und nachher war Skispringen in Nordamerika so populär gewesen wie in jenem Februar 2002.

Dann kam der Vergleich mit Harry Potter. Schliesslich meine Rückkehr in die Schweiz und das riesige Medieninteresse, in dessen Zentrum ich auf einmal stand. Es ist eine wunderbare Geschichte, in der ich alles wieder genau gleich machen würde.

swissinfo, Samuel Jaberg
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

Simon Ammann

Geboren 1981 in Grabs (St. Gallen). Weltcup-Debut 1998 mit 16 Jahren. Erste Olympia-Teilnahme in jenem Jahr.

An den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City sorgte der bis dahin praktisch unbekannte 21-Jährige für eine der grössten Sensationen: Ammann schlug alle Favoriten und gewann beide Springen.

Mit seiner Brille und dem langen Mantel wurde Ammann als Harry Potter des Skispringens zum Helden der Medien.

Es folgten vier schwierige Jahre, in denen er seinen Doppelschlag von 2002 nicht bestätigen konnte.

Paradoxerweise läutete das schlechte Abschneiden an den Olympischen Winterspielen 2006 die Wende zum Guten ein, als wenn sich Ammann in in Turin von einer zu schweren Last hat befreien können.

Im Folgewinter konnte er nach fünf Jahren seine Rückkehr an die Spitze feiern: Er gewann zwei Weltcupspringen und wurde in Sapporo Weltmeister.

In der letzten Saison blieben Grosserfolge aus. Aber Ammann sprang konstant mit den Besten mit und beendete den Weltcup als Neunter.

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WINTER 2008/2009

Die neue Weltcup-Saison beginnt an diesem Wochenende in Kusamo (Finnland) und dauert bis zum 22. März 2009 in Slowenien.

Zwei Springen finden in der Schweiz statt: am 20./21. Dezember in Engelberg.

Die Vierschanzentournee als erster Höhepunkt beginnt am 28. Dezember und endet am 6. Januar 2009.

Die Weltmeisterschaften sind auf Ende Februar in Liberec (Tschechien) angesetzt.

Mit dem 29-jährigen Schwyzer Andreas Küttel verfügt die Schweiz über einen zweiten absoluten Topspringer. Dahinter klafft allerdings eine grosse Lücke.

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