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Sonne hat ihre Schattenseiten

Expo.02: Wartende Besucherinnen und Besucher suchen Schutz vor gleissender Sonne.

(Keystone)

Die Schweiz erlebt zur Zeit den heissesten Juni seit 50 Jahren. Seen und Flüsse laden zum Baden ein. Die Hitze hat jedoch auch negative Seiten.

Auch wenn Temperaturen über 30 Grad in der Schweiz keine Seltenheit sind, ist es doch eher ungewohnt, dass es bereits im Juni so heiss wird.

"Mit einer Temperatur von 35 Grad dürften wir am Dienstag den bisherigen Hitze-Rekord erreicht haben" sagt Philippe Jeanneret, Meteorologe beim Westschweizer Fernsehen TSR.

Dieser heisse Juni lasse aber nicht darauf schliessen, dass der Sommer extrem heiss werde, so Jeanneret. Auch könne noch nicht definitiv von einer Klimaveränderung gesprochen werden. Solche Schlüsse könnten erst nach Langzeit-Beobachtungen gezogen werden.

Hochkonjunktur im Inselspital

Infolge der gegenwärtigen Hitze wurden in der Notfallstation des Berner Inselspitals in den letzten Tagen überdurchschnittlich viele Patienten mit Kreislaufproblemen behandelt.

"Alle, die an Herz- oder Blutdruckproblemen leiden, müssen aufpassen", sagt Heinz Zimmermann, leitender Arzt der Notfallstation. "Wir haben Leute behandelt, die sich der Gefahren solch hoher Temperaturen zu wenig bewusst waren."

Schutz vor Sonne und Ozon

"Schädlich sind in diesen Hitzetagen vor allem die UV-Wellen, die auf den Körper einwirken", sagt Diethelm Hartmann, stellvertretender Direktor im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Davon betroffen seien nicht nur Kinder und ältere Menschen, sondern alle.

Ozon hingegen könne vor allem bei älteren Menschen sowie bei Kindern Herzbeschwerden, Atemnot oder Schwindel auslösen.

Das BAG empfiehlt, sich möglichst im Schatten aufzuhalten und die kritische Zeit von 11.00 und 15.00 nicht im Freien zu verbringen. Wer trotzdem draussen ist, solle sich mit Sonnencrème, Sonnenbrille und Sonnenhut schützen.

Zudem sollten körperliche Höchstleistungen vermieden werden. Wichtig sei auch, 2 Liter Flüssigkeit, am besten Mineralwasser, zu sich zu nehmen. Dazu Salz und leichte Kost, wie Salate, Gemüse und Früchte. "Alkohol und Kaffee sind zu meiden, da sie dem Körper Flüssigkeit entziehen", so Diethelm Hartmann gegenüber swissinfo.

Die Luft hat sich verbessert

Der Bund misst die Luftwerte an 16 Messstationen in der Schweiz. Der Luftschadstoff-Grenzwert liegt bei 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter, im Sommer wird er immer wieder massiv überschritten.

Laut Peter Straehl, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL ), hat sich die Luftqualität seit der Einführung der Luftreinhalte-Verordnung 1986 deutlich verbessert. Weitere Massnahmen seien aber nötig. Um die Grenz-Werte einzuhalten, müssten die heutigen Emissionen halbiert werden.

Im Mittelpunkt der Bundesstrategie stünden die dauerhaften Massnahmen, erklärt Straehl gegenüber swissinfo. "Nötig sind zum Beispiel sauberere Diesel-Motoren, da Dieselfahrzeuge sehr hohe Emissionen ausstossen."

Für Gaudenz Silberschmidt, Vize-Präsident der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz ist wichtig, dass keine Schritte ergriffen werden, welche die Ozon-Werte weiter in die Höhe treiben: "Die Reduzierung des Diesel-Preises oder eine zweite Gotthard-Röhre müssen verhindert werden."

Stattdessen sei Verlagerung von Personen und Gütern auf die Schiene voranzutreiben. Zudem müsse der Verkehr allgemein reduziert werden.

Langfristig denken

Kurzfristige Massnahmen, die erst bei hohen Ozonwerten ergriffen würden, seien kaum griffig, so BUWAL-Mitarbeiter Straehl. Wirkungsvoller seien saisonale Massnahmen, wie zum Beispiel im Kanton Tessin, wo in den Monaten Juli und August die Tarife für den öffentlichen Verkehr um 50% gesenkt werden sollen.

Ozon kennt keine (Landes)grenzen

Internationale Zusammenarbeit sei unabdingbar, so Straehl. Die Zusammenarbeit existiere bereits: "Unter der Konvention grenzüberschreitender Luftverschmutzung in Genf wurden Protokolle erarbeitet, die auch international dazu führen sollen, dass die Schadstoffe in den verschiedenen Ländern reduziert werden."

Immer die gleiche Botschaft

"Die Bevölkerung ist über die Gefahren des Ozons genügend informiert", sagt Silbverschmidt von den Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz. "Die Botschaft zu wiederholen, schadet zwar nicht, reduziert aber auch die Ozon-Konzentration nicht."

Auch Heinz Zimmermann vom Inselspital betont, dass die Warnungen nichts Neues sind. "Nach einer langen Regenperiode wollen die Leute die Sonne geniessen. Es ist normal, dass wir das Leben geniessen und nicht ständig über die Gesundheit nachdenken."

swissinfo


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