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Überleben im Alpenraum

Touren über die Hoch- und Flachmoore im Entlebuch sind besonders beliebt. BRE

Das Biosphären-Reservat im Entlebuch (BRE) könnte sich als wirksame Investition im Überlebenskampf ländlicher Regionen erweisen.

Dieser Inhalt wurde am 10. August 2002 - 16:03 publiziert

Seit das BRE im Mai von der Unesco offiziell anerkannt wurde, erfreut sich das Entlebuch erhöhter Aufmerksamkeit. "Wer heute durch diese Innerschweizer Region reist, schaut wahrscheinlich genauer hin, entdeckt die Schönheit der Napflandschaft", meint Bruno Schmid, Bereichsleiter Gesellschaft/Politik im BRE-Management.

Tatsächlich ist das Echo auf das BRE gross und durchwegs positiv. "Die angebotenen Exkursionen und Attraktionen stossen auf wachsendes Interesse", bestätigt BRE-Direktor Theo Schnider gegenüber swissinfo. "Ausländische Besucherinnen und Besucher sind auch sehr interessiert an der Entstehung des Reservats."

"Keine fremden Vögte"

Auch im Entlebuch freut man sich an der Resonanz. Das war nicht immer so. Als die Idee des BRE 1998 aufgeworfen wurde, reagierten viele abwehrend, sahen sich schon als Reservats-Indianer. "Wir schauen euch jetzt mal zu, bevor wir euch abschiessen", umschreibt ein Beteiligter die damalige Mentalität gegenüber den Befürwortern.

Doch der anfänglich heftige Widerstand weckte die Initianten. Sie gingen umsichtiger ans Werk, bildeten Arbeitsgruppen, in denen nicht nur alle Gemeinden, sondern verschiedene Bevölkerungsschichten und Interessen (Wirtschaft, Bauern, Jäger) vertreten waren.

Wenn Naturschutz-Organisationen von aussen einmarschieren, sagt Schmid, sei Widerstand gewiss. Deshalb: "Keine fremden Vögte! - Wir haben die Entlebucherinnen und Entlebucher hinter dem Ofen hervorgeholt und praktisch alles selber erarbeitet."

Den Ausschlag für den Meinungswandel gaben Erfahrungen mit der Rothenthurm-Initiative. Mit deren Annnahme wurden 60 Prozent der Gemeinde Flühli per Verfassung unter Moorschutz gestellt. Das löste starke Emotionen aus und Jahre der Opposition. Andererseits merkte man, dass sich mit und im Schutzgebiet leben lässt.

"Ängste und Befürchtungen ernst nehmen"

Bei nüchterner Betrachtung stellte man fest, dass mit dem bestehenden Schutzgebiet in Flühli die Bedingungen der Unesco für die Kernzone eines BR bereits erfüllt waren. Es mussten also keine zusätzlichen Gebiete unter Schutz gestellt werden.

Wichtig sei Transparenz, erklärt Schmid zum Vorgehen im Entlebuch. "Man muss den Leuten die Meinung lassen, ihre Ängste und Befürchtungen ernst nehmen." Und: "Es braucht Leute, die daran glauben."

Doch gab es auch äussere Einflüsse: Globalisierung, Agrarpolitik 2000 des Bundes, Ökologisierung der Landwirtschaft bewirkten einen Denkprozess. Die Entlebucherinnen und Entlebucher erkannten, dass sie nicht dem Fatalismus verfallen dürfen, sondern die Zukunft selber an die Hand nehmen müssen. Dabei konnte das Label eines Schutzgebietes bei der Vermarktung ihrer Produkte durchaus ein Vorteil sein.

Im Laufe dieses Denkprozesses gab es viel positives Feedback. So kamen auswärts lebende Entlebucher nach Hause und meinten: "Gut, dass bei Euch etwas läuft!" Das bestärkte die Einheimischen.

94 Prozent stimmten an der Urne zu

Als 2001 in den acht BRE-Gemeinden abgestimmt wurde und alle das Reservat mit einem durchschnittlichen Ja-Stimmentanteil von 94 Prozent guthiessen, war die Sensation perfekt, das Echo überwältigend.

Doch liegt im Erfolg auch Gefahr. Man sei nun "zur Qualität verurteilt", sagt BRE-Direktor Theo Schnider. Das heisst: Produkte aus dem Entlebuch werden kritischer unter die Lupe genommen. Entsprechen sie nicht den Vorstellungen, fällt das auf das Entlebuch zurück.

Für Schmid ist das BRE ein langfristiges Projekt, eine Überlebensstrategie im Alpenraum. Deshalb dürfe man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Sonst gerate das Entlebuch schnell wieder in Vergessenheit.

Jetzt gehe es darum, Projekte zu initiieren, die allmählich selbständig und ohne Unterstützung funktionieren sollen. Ein (ehrgeiziges) Beispiel: Ab 2015 will das Entlebuch Energie exportieren - gewonnen aus Holz, Wind, Biomasse und Wasser.

swissinfo und Meinrad Buholzer (sda)

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