Vereinigter Kampf gegen den Menschenhandel

Schlepper schicken oft illegale Migranten in überfüllten Booten nach Europa. Reuters

Das Engagement gegen den Menschenhandel verlangt eine bessere internationale Zusammenarbeit und vertiefte Studien dieses Phänomens. Dies ist die Quintessenz einer UNO-Konferenz in Wien.

Dieser Inhalt wurde am 15. Februar 2008 - 21:55 publiziert

Die Schweiz hat dabei ihre Sachkenntnis und ihre Erfahrungen in multinationaler Kooperation einbringen können. Sie zieht eine positive Bilanz des Treffens.

"Menschenhandel ist total unmenschlich, ein schweres Verbrechen. Er gehört zur wachsenden Branche der organisierten Kriminalität. Wir alle müssen dagegen kämpfen, denn es ist wichtig, sich gemeinsam gegen diese Art von Sklaverei zur Wehr zu setzen."

Dies die Bilanz von Guillaume Scheurer, Chef der Schweizer Delegation und stellvertretender Chef der Politischen Abteilung IV, Menschliche Sicherheit, im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

"Manche Menschen fühlen sich moralisch dazu berechtigt, andere auszubeuten, nur um Kosten zu sparen", sagte der Chef des UNO-Büros für Drogen und Kriminalität, Antonio Maria Costa, zum Abschluss der ersten UNO-Konferenz gegen Menschenhandel. Der von der Globalisierung verstärkte Kostendruck führe so zu mehr Ausbeutung.

Auch der "dramatische Trend", Frauenkörper wie zum Beispiel in der Werbung zur Schau zu stellen, mache eine Gesellschaft für sexuelle Ausbeutung anfällig, sagte Costa. "Es geht um die Ausnutzung von Frauen. Da spreche ich auch von reichen Ländern, nicht nur von der Geschlechterungleichheit in den Entwicklungsländern", sagte er.

Suche nach Strategien

Von Mittwoch bis Freitag hatten in Wien rund 1200 Experten - darunter auch aus der Schweiz - aus Wirtschaft und Politik sowie von Justiz und Hilfsorganisationen nach Strategien gegen das weltweit immer grösser werdende Problem der modernen Sklaverei gesucht.

"Wir konnten unsere Erfahrungen im Kampf gegen den Menschenhandel in verschiedenen Bereichen einbringen. Die Koordination, die wir zwischen öffentlichen und privaten Akteuren herstellen konnten, und auch die Erfahrungen bei der Koordination zwischen Bund und Kantonen helfen bei den Bemühungen im Kampf gegen den Menschenhandel", sagte Scheurer.

Die Vertiefung von Kontakten und Informationen erlaube auch, die Koordination zwischen der Polizei, den Staatanwaltschaften sowie Migrations- und Statistikbehörden und den Opferberatungsstellen zu verstärken.

Scheurer betonte, es sei wichtig zu wissen, woher die Opfer von Menschenhandel stammten und wer die Täter seien.

Die Schweizer Delegation wies an der Konferenz darauf hin, dass in der Schweiz 2007 dreimal mehr Täter wegen Menschenhandels verurteilt werden konnten als zu Beginn des Jahrzehnts. Zudem wurden im letzten Jahr fünfmal mehr Opfer unterstützt als noch 2002.

Zufrieden

Scheurer zeigte sich mit dem Ergebnis der Konferenz zufrieden. Denn es seien eine Zukunftsstrategie vereinbart, Ideen ausgetauscht, jedoch keine Verträge unterzeichnet worden. "Nun liegt es an den Akteuren, den öffentlichen wie jenen der Zivilgesellschaft, eine Strategie zu entwickeln und diese dann umzusetzen."

Das Resultat könnte als nicht sehr konkret und sehr bescheiden interpretiert werden, meinte Scheurer. "Aber das wachsende Bewusstsein ist ein sehr wichtiger Schritt. Und nun gibt es einige globale, aber auch nationale Initiativen zur Bekämpfung des Menschenhandels."

Geschäft mit moderner Sklaverei

Nach UNO-Schätzungen werden derzeit weltweit 2,5 Mio. Menschen ausgebeutet, die grosse Mehrheit sind junge Frauen und Kinder. Mit der "Ware Mensch" wird nach Schätzungen der Vereinten Nationen jedes Jahr 32 Mrd. Dollar Profit gemacht, die Hälfte des Geldes wird in den Industrienationen verdient.

Damit ist das Geschäft mit der modernen Sklaverei aus Expertensicht die weltweit grösste Schattenwirtschaft nach dem Handel mit Drogen und illegalen Waffen.

swissinfo und Agenturen

Menschenhandel

Menschenhandel umfasst sexuelle Ausbeutung, die Entnahme von Organen und die Ausbeutung der Arbeitskraft.

Die Zahl der weltweiten Opfer schwankt, je nach Quelle, zwischen 600'000 und 2,5 Mio.

Exakte Zahlen für die Schweiz sind nicht bekannt. Das Bundesamt für Polizei schätzt, dass seit 2002 zwischen 1500 und 3000 Personen Opfer von Menschenhandel wurden. Sie stammten hauptsächlich aus Osteuropa, den baltischen Staaten, Brasilien und Thailand.

In den letzten Jahren wurden in der Schweiz jährlich zwischen 20 und 50 Fälle von Menschenhandel zwecks sexueller Ausbeutung (Art. 196 StGB alt) sowie etwa doppelt so viele Fälle von Förderung der Prostitution (Art. 195 StGB) zur Anzeige gebracht.

Seit Dezember 2006 bestraft das schweizerische Recht Menschenhandel mit Gefängnis bis zu 30 Jahren.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen