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Weiterhin geteilte Meinung über neues Rotkreuz-Emblem

Ein Lastwagen mit Schweizer Nummernschild und dem Roten Kreuz bringt eine Lieferung in die Golan-Höhen.

(Keystone)

Syrien warnt vor einer "Konfrontation" mit der Rotkreuz-Bewegung, falls das neue humanitäre Emblem an einer zweitägigen Konferenz in Genf eingeführt werden sollte.

Muslimische Länder könnten sich auch an einem Schweizer Bericht festbeissen, der die Kooperations-Schwierigkeiten zwischen den israelischen und palästinensischen Rettungsdiensten aufzeigt.

An der 29. Konferenz des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds, die am Dienstag in Genf begonnen hat, soll über gewichtige Punkte entschieden werden: Die Aufnahme des neuen "Roten Kristalls" in die Statuten und die Anerkennung der palästinensischen Gesellschaft des Roten Halbmonds.

Die Anerkennung des Roten Kristalls würde auch den Weg zur Aufnahme des israelischen Magen David Adom (MDA, Roter Davidstern) ebnen, der sei fast 60 Jahren isoliert arbeitet.

Magen David hatte sich immer dagegen gewehrt , eines der beiden weltweit anerkannten Symbole - Rotes Kreuz und Roter Halbmond - zu benutzen und setzte stattdessen auf den Roten Davidstern. Falls die Resolution angenommen wird, könnte Israel seinen Davidstern innerhalb des Kristalls platzieren.

Das neue Emblem war letzten Dezember an einer stürmischen diplomatischen Konferenz unter Leitung der Schweiz von einer Mehrheit der 192 Signaturstaaten gutgeheissen worden. 27 hauptsächlich muslimische Länder, darunter auch Syrien, hatten dagegen gestimmt, 10 sich der Stimme enthalten.

Der Kristall muss nun noch von der gesamten Bewegung abgesegnet werden, den 183 Gesellschaften des Roten Kreuzes oder des Roten Halbmonds sowie den internationalen Institutionen des Roten Kreuzes.

Konsens-Entscheid?

Die Organisatoren der Genfer Konferenz hoffen, dass der Rote Kristall im Konsens ohne Abstimmung angenommen wird. Doch dies scheint immer weniger möglich.

Wie der syrische UNO-Botschafter Bashar Ja'afari in Genf gegenüber swissinfo erklärte, wurde eine Abänderung eingebracht, die dem syrischen Roten Halbmond den Zugang zu den von Israel besetzten Golanhöhen ermöglichen soll.

Laut Ja'afari haben die Aussenminister der Organisation der Islamischen Konferenz, die 57 Länder umfasst, am Montag in Aserbaidschan eine entsprechende Stellungnahme unterschrieben, welche die syrische Position unterstützt.

"Wir drängen das IKRK (Internationales Komitee vom Roten Kreuz) wie auch die ständige Kommission des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds darauf, dieser Abänderung Rechung zu tragen", sagte Ja'afari. "Wenn es darüber keinen Konsens gibt, haben sie die Konfrontation gewählt."

Die Stimmung könnte noch zusätzlich aufgeheizt werden, wenn die Schweiz einen Bericht veröffentlicht, der eine mögliche Kooperation des MDA mit dem palästinensischen Roten Halbmond beleuchtet.

In einem historischen Vertrag hatte der israelische Rettungsdienst im letzten November sein palästinensisches Gegenüber als einzigen in den besetzten Gebieten einsatzberechtigten Rettungsdienst anerkannt.

Ärger programmiert

Doch letzte Woche musste die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, die vor zehn Tagen in Israel letzte Rettungs-Gespräche führte, zugeben, dass nicht alles rund läuft.

"Es gibt ein Problem mit der Art und Weise, wie der Vertrag zwischen den israelischen und palästinensischen Rettungskräften in der Praxis umgesetzt wird", sagte sie.

Zu den Schwierigkeiten gehörten palästinensische Ambulanzen, die durch israelische Checkpoints fahren und dafür registriert werden müssen. Zum Schweizer Bericht über die Kooperation wollte das Aussenministerium nichts sagen.

Das IKRK erklärte am Montag, es hoffe, das Thema des neuen Emblems werde nun nicht zum politischen Fussball.

"Das letzte was wir möchten, ist, dass humanitäre Interessen den politischen Überlegungen untergeordnet werden", sagte Pressesprecher Ian Piper gegenüber swissinfo. "Hier geht es nicht um Politik; es geht um humanitäre Aktivitäten und wir hoffen, dass sich diese Notwendigkeiten über politische Abwägungen durchsetzen."

Laut Piper hofft das IKRK immer noch, dass die Resolution zur Aufnahme des Roten Kristalls im Konsens angenommen wird, doch sei man auch bereit für eine Abstimmung.

"Wir wissen es erst, wenn die Konferenz eröffnet ist. Das kritische Element ist der Schweizer Bericht, und wir werden sehen, was die Leute darüber denken", ergänzte er.

swissinfo, Adam Beaumont, Genf
(Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

In Kürze

Die Unterzeichnerstaaten der Genfer Konventionen - von denen die Schweiz Depositärstaat ist - haben im letzten Dezember in Genf für die Einführung des "Roten Kristalls" gestimmt.

98 Länder waren dafür, 27 dagegen, 10 enthielten sich der Stimme. Die meisten der ablehnenden Länder sind Mitglieder der Organisation der Islamischen Konferenz. Dagegen waren auch Iran, China, Nordkorea und Kuba.

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Fakten

Das Rote Kreuz, seit 1864 offiziell, basiert auf dem Schweizer Wappen mit umgekehrten Farben.
Der Rote Halbmond wurde während des Krieges zwischen Russland und dem Ottomanischen Reich (1876-1878) eingeführt. Vorlage dafür war die türkische Flagge, ebenfalls mit umgekehrten Farben.
Für einige Länder wie z.B. Israel ist die Benützung beider Embleme schwierig.
Daher soll nun ein internationales Symbol eingeführt werden, ohne nationale, kulturelle, religiöse, politische oder ethnische Bedeutung.

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