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Demonstrationen in Caracas "Nur externe Hilfe kann die Situation in Venezuela wieder in Ordnung bringen"

Nicolas Maduro und seine Offiziere

Am Donnerstag konnte Präsident Nicolas Maduro sichtlich noch auf die Unterstützung der Militärchefs zählen.

(Keystone / Handout Handout)

Die Unruhen in Venezuela verschärfen sich weiter. Der Schweizer Christian Reymondin, der seit 40 Jahren im Land lebt, nimmt regelmässig an Demonstrationen gegen die Machthaber teil. Seiner Meinung nach ist der Sturz der Regierung von Nicolas Maduro unvermeidlich, aber internationale Hilfe sei erforderlich, um dies zu erreichen.

Die Situation in Venezuela wird explosiver denn je. In der Hauptstadt Caracas fanden anlässlich der 1. Mai-Feierlichkeiten Demonstrationen und gewalttätige Auseinandersetzungen statt. Eine neue Entwicklung, welche die Situation noch verschlimmert: Eine Gruppe Militärs, die den selbsternannten Präsidenten Juan Guaido unterstützt, forderte den Sturz des Regimes von Präsident Nicolas Maduro. Das derzeitige Regime kritisierte diesen "Putschversuch von Verrätern".

Der seit 40 Jahren in Venezuela lebende Schweizer Christian Reymondin nimmt an Demonstrationen gegen das Regime teil. swissinfo.ch kontaktierte ihn telefonisch.

swissinfo.ch: Nachrichtensender berichten, dass sich die Situation in Caracas derzeit verschärft. Was ist los?

Christian Reymondin: Wir sind tatsächlich mitten in Demonstrationen. Ich war gestern und vorgestern dort. Wir alle hoffen, dass etwas passieren wird. Wir warten auf den Sturz einer Regierung, die dem Untergang geweiht ist.

Hier in Venezuela sind die Menschen sehr impulsiv und sehr emotional. Ein kleiner Funke kann zu einer sehr aggressiven Reaktion führen. Aber dieser kleine Funke ist noch nicht gesprungen. Alle warten darauf.

Der Schweizer Christian Reymondin lebt seit rund 40 Jahren in Venezuela.

Als Verleger, Fotograf und Referent stellt er seine Wahlheimat der Öffentlichkeit vor, sowohl in der Schweiz als auch in Venezuela.

Er beteiligte sich an Demonstrationen und gab mehrere Interviews in den Medien, darunter der BBC und dem Radio-télévision suisse romande (RTS).

(Yanomami Films)

swissinfo.ch: Ja, aber für dieses Trauerspiel scheint kein Ende in Sicht zu sein. Was könnte die Dinge beschleunigen?

C.R.: Ehrlich gesagt: internationale Hilfe. Die Regierung hat die Armee auf ihrer Seite sowie das Geld. Die Leute sind nicht wirklich bereit, Maduro zu Fall zu bringen.

Das Volk ist nicht organisiert. Es gibt 25 Millionen Menschen auf den Strassen, aber jeder demonstriert für sich allein. Es gibt zwar einen Oppositionsführer, der alle mit seiner Persönlichkeit und seinen Reden begeistert, hinter dem aber keine Organisation steht. Nicolas Maduro hingegen ist sehr gut organisiert.

Zudem machen die Sicherheitskräfte der Bevölkerung Angst. Die Regierung hat Panzer und bewaffnete Schläger, die uns auf Motorrädern angegriffen haben. Es ist sehr schwierig, sich gegen diese Bedrohung zu wehren. Darüber hinaus erhält die Regierung militärische Hilfe von Kuba. Es gibt in der venezolanischen Armee Kubaner, die auf jeden schiessen und keine Menschlichkeit zeigen. Es gibt ein Kräfte-Missverhältnis. Es ist David gegen Goliath.

swissinfo.ch: Wenn ich Sie richtig verstehe, ist der Kernpunkt die Loyalität der Armee zum Regime.

C.R.: Die Armeegeneräle sahnen kräftig ab. Sie leben wie Millionäre. Ihnen wird auch vorgeworfen, den gesamten Arzneimittelmarkt zu dominieren. Sie leben im Luxus, dank ihrer enormen Paralleleinkommen. Diese Menschen werden Nicolas Maduro mit Sicherheit nicht im Stich lassen.

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swissinfo.ch: Aber es scheint, dass einige Militärs beginnen, die Opposition zu unterstützen. Das ist in den letzten Tagen jedenfalls publik geworden.

C.R.:  Das ist es, was wir hoffen, aber es ist sehr schwierig. Es sollte Hilfe von aussen geben, die uns militärisch unterstützt. Das Volk allein ist nicht vorbereitet, militärisch zu kämpfen. Ich habe viele Zweifel an der Mobilisierung des Militärs für die Bevölkerung.

swissinfo.ch: Ihrer Meinung nach ist eine Mehrheit des Volkes gegen das derzeit herrschende Regime.

C.R.: Es gibt eine totale Unzufriedenheit. Ich denke, dass mehr als 90% der Bevölkerung gegen Maduro sind. Nur ein Beispiel, um die Tragödie zu erklären, in der sich die Bevölkerung befindet: Eine Pizza kostet etwa 6 Dollar, während das Monatsgehalt 10 Dollar beträgt. Das Monatsgehalt in einem der reichsten Länder der Welt erlaubt es dir nicht einmal, einen Tag lang zu essen. Es ist unglaublich, an diesen Punkt zu kommen.

swissinfo.ch: Die Nachrichtensender zeigen aber auch Demonstrationen für das Regime.

C.R.: (lacht) Die Regierung bezahlt diese Demonstranten. Sie werden unter diesen Demonstrierenden nur Staatsangestellte oder Profiteure des Staates finden. Das ist nicht das Volk. Nicolas Maduro organisierte einen 1. Mai, der lachhaft war, es gingen kaum 200 Nasen auf die Strasse.

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SRF 4 News aktuell, 02.05.2019


(Übertragung aus dem Französischen: Sibilla Bondolfi)

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