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Politische Sackgasse Schweizer Firmen ziehen sich aus Venezuela zurück

Nicolas Maduro in Kuba

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro (im blauen Hemd) besuchte vergangene Woche in Kuba das Grab von Fidel Castro, der am 15. August 91 Jahre alt geworden wäre.

(Keystone)

Venezuela steckt wirtschaftlich und politisch tief in der Krise. Dem Beispiel von Sulzer, Novartis und Schindler folgend, bauen etliche Schweizer Firmen, die oft schon lange in dem Erdölland aktiv sind, Hunderte von Stellen ab, wie eine Recherche der Handelszeitung zeigt. Nestlé hingegen hat bisher nicht die Absicht, Venezuela zu verlassen.

Die wirtschaftliche, soziale, politische und humanitäre Katastrophe, in der Venezuela unter der Regierung von Nicolas Maduro steckt, zwingt die Schweizer Unternehmen dazu, das Land nach und nach zu verlassen, wie eine Recherche der Handelszeitungexterner Link zeigt.


"Das Exportvolumen belief sich im Spitzenjahr 2012 auf annähernd eine halbe Milliarde Franken. Im zweiten Quartal 2017 schrumpften die Exporte nach Caracas auf 11 Millionen Franken", schrieb die Handelszeitung.

Die Zeitung führte das Beispiel des Winterthurer Industriekonzerns Sulzer an, der mit seinem Turbinen- und Pumpengeschäft in das Erdölland investierte. Unter Präsident Nicolas Maduro und seinem sozialistischen Regime versank das Land immer mehr in der Krise. Sulzer musste seine Geschäfte der sinkende Nachfrage anpassen. Das Geschäft mit den Turbinen gab der Konzern bereits ganz auf. Die Tochterfirma war kapitalisiert mit 5000 venezolanischen Bolivar. Wegen der Hyperinflation entspricht das zur Zeit dem Wert von 4 Kilo Bananen oder einem halben Hühnchen.

Ein weiteres Beispiel ist der Basler Pharmariese Novartis, der seine Präsenz in Venezuela ebenfalls stark abbaute. Nachdem Novartis in seinen Tochtergesellschaften dort bis zu 600 Personen beschäftigt hatte, sind es heute nur noch 80. "Wir verfolgen die Situation aufmerksam und erhalten regelmässig Informationen von unseren Konzerngesellschaften vor Ort", erklärte der Novartis-Sprecher. Die Situation sei "schwierig" für die Patienten, der Zugang zu Medikamenten sehr kompliziert.

Bern zeigt sich besorgt

In einem Communiquéexterner Link vom 29. Juli, kurz vor der umstrittenen Wahl der Verfassunggebenden Versammlung, die das Parlament, in dem die Opposition die Mehrheit hat, faktisch entmachtet, hatte das Schweizer Aussenministerium erklärt: "Die Schweiz ist äusserst besorgt über die politische Entwicklung in Venezuela, die zunehmende Polarisierung, die Menschenrechtsverletzungen, die Anwendung von Gewalt, und die immer gravierenderen sozio-ökonomischen Auswirkungen auf die Bevölkerung."

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Auch andere Schweizer Unternehmen wie Roche und Schindler sind nach Angaben der Handelszeitung von der Krise ähnlich betroffen. 

Historischer Umbruch

Die Schweizer Grossbank Credit Suisse untersagte ihrerseits Anfang Monat ihren Händlern Transaktionen im Zusammenhang mit den Schulden des Landes oder mit von Caracas emittierten Finanzprodukten. Die Bank will auch überprüfen, ob Risiken für ihre Reputation bestehen. Die Bank wolle nicht in Geschäfte mit einer Regierung verwickelt sein, die Menschenrechte verletze, erklärte die CS. Mindestens einem Teil der herrschenden Klasse Venezuelas wird massive Korruption vorgeworfen.

Die Geschichte der Wirtschaftsbeziehungenexterner Link zwischen der Schweiz und Venezuela zeigt das Ausmass des aktuellen Umbruchs: "Aus der Sicht der Schweiz war Venezuela stets ein interessanter Handelspartner, weil es dem Land aufgrund der Einnahmen aus dem Erdölverkauf nie an Devisen mangelte. (...) Auch in Zeiten autoritärer (1952-58 Marcos Pérez Jiménez), korrupter (1989-93 Carlos Andrés Pérez) oder populistischer (1999-2013 Hugo Chávez) Regierungen war die Schweiz an der Aufrechterhaltung normaler Beziehungen interessiert", heisst es im Artikel über Venezuelaexterner Link im Historischen Lexikon der Schweiz.

Als einzige Ausnahme unter den Schweizer Unternehmen führte die Handelszeitung den Nahrungsmittelmulti Nestlé auf: Der Konzern ist bereits seit den 1940er-Jahren in Venezuela präsent und hat bisher nicht die Absicht, das Land zu verlassen.

"Wir sind setzen uns dafür ein, den Konsumenten in Venezuela qualitativ hochwertige Lebensmittel anzubieten. Wir sind entschlossen, unsere Geschäfte in Venezuela fortzuführen und dabei auch die lokalen Gemeinden zu unterstützen, in denen wir tätig sind. Oberste Priorität bleibt dabei die Sicherheit unserer mehr als 3000 Angestellten. Nestlé Venezuela ist stets darum bemüht, Rohstoffe und Verpackungsmaterial so weit wie möglich lokal zu beziehen", erklärte Nestlé-Sprecher Michael Jennings auf Anfrage von swissinfo.ch. Die fünf Fabriken des Konzerns in Venezuela seien bisher noch in Betrieb.


Übertragung aus dem Französischen: Rita Emch

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