Die Narren sind los!

Eine Gruppe Luzerner Fasnächtler am frühen Morgen des "Schmutzigen Donnerstags" vor der Kapellbrücke. Keystone

Tausende von Narren haben in der katholischen Schweiz am "Schmutzigen Donnerstag" mit viel Getöse die Fasnacht eingeläutet.

Dieser Inhalt wurde am 27. Februar 2003 - 19:11 publiziert

Mit Pauken, Trompeten sowie anderen Lärminstrumenten, bunten Masken und Kostümen versuchten sie dem Winter den Garaus zu machen.

In Luzern ging es bei eisiger Kälte unter sternenklarem Himmel punkt 05.00 Uhr mit dem traditionellen "Urknall" los. Der Eröffnungsknaller wurde von einem Begleitboot des Nauens von Bruder Fritschi, der legendären Figur der Safranzunft, abgefeuert. Tausende von Fasnächtlern und Guggenmusikern brachten in der Folge die Luzerner Altstadt mit Pauken, Trommeln und Posaunen zum Beben.

Am Kapellplatz versammelten sich laut Angaben der Stadtpolizei Luzern 12'000 Narren, 2000 mehr als im Vorjahr. Am Kapellplatz fand die traditionelle "Orange-Uswerfete" statt, danach versammelte sich die lärmende "Meute" am Rathausplatz zum gemeinsamen Frühstück.

Beim traditionellen Fasnachtsumzug am Nachmittag waren sogar rund 25'000 Schaulustige dabei. Der Umzug umfasste stattliche 36 Nummern - von den Standarten der Zünfe und der Fasnachtsgesellschaft bis zu den Sujets mit mehr oder weniger aktuellen Themen.

Unter anderem wurden die vereinigten Pleitegeier (mit der "Eber-Bank") auf die Schippe genommen. Ex-Bundesrätin Ruth Dreifuss kam bei den kranken Krankenkassen noch einmal zu fasnächtlichen Ehren. Als Katz- und Maus-Spiel wurde die Milchschwemme parodiert.

"Chesslete" in Solothurn

Ebenfalls Schlag 05.00 Uhr begann die Fasnacht in Solothurn, und zwar mit der traditionellen "Chesslete". Laut dem Fasnachtskomitee starteten hier rund 6000 Narren unter dem Kommando des "Oberchesslers" zu einem Umzug durch die Innenstadt. Mit weissen Hemden, Zipfelmützen und roten Halstüchern versuchten sie mit ohrenbetäubend lauten Schlag- und Blasinstrumenten dem Winter einzuheizen.

Danach wärmten sich die Fasnächtler mit der traditionellen Mehlsuppe auf. Am Abend begann die Strassenfasnacht mit Guggen, Schnitzelbänklern und Tambouren, die von Beiz zu Beiz ziehen.

In den übrigen Gebieten des Kantons Solothurn wurde die Fasnacht in ähnlicher Weise eingeläutet. Vom schmutzigen Donnerstag bis zum Aschermittwoch verwandelt sich Solothurn traditionsgemäss in Honolulu; dort werden die Antipoden der Ambassadorenstadt vermutet. Am Sonntag und Dienstag finden Fasnachtsumzüge statt.

St. Gallen kürt "Ehre-Födlebürger"

In der St.Galler Altstadt begann das laute Treiben der Fasnächtler um 06.00 Uhr mit der traditionellen "Aguggete". Beim Denkmal des Stadtreformators Vadian gaben acht "Guggen" ein Monsterkonzert vor rund 800 Schaulustigen. Danach brachten sie die Gassen der St. Galler Altstadt zum Beben. Der Fasnachtsumzug an der "Zuger Chesslete" zog am Nachmittag rund 6000 Zuschauer an. Laut den zuständigen Polizeistellen verliefen die Veranstaltungen ohne grössere Zwischenfälle.

Höhepunkt der St. Galler Fasnacht ist der «Föbü»-Verschuss am Samstag. "Föbü" steht für "Födlebürger". Wer dieses Jahr den Titel des "Ehre-Födlebürgers" tragen darf, ist derzeit das best gehütete offene Geheimnis in St. Gallen.

Der Ehrentitel wird jeweils durch das Fasnachtskomitee verliehen und ist eine schmeichelhafte Ehrung: Ein Föbü ist kein Spiesser, sondern ein Mensch mit Charakter,Mut und Stil. Ehrenföbüs waren beispielsweise der frühere Nationalrat Franz Jaeger,St. Gallens Stadtpräsident Heinz Christen oder Stadträtin Liana Ruckstuhl.

Polizei: Keine gravierenden Probleme

Wenig Probleme bereitete der Fasnachtsauftakt der Polizei: Nach Angaben des Luzerner Polizeikommandanten Pius Segmüller musste am Morgen der Verkehr im Zentrum kurz angehalten werden. Am Nachmittag kam es nach dem Umzug zu Verkehrsbehinderungen. Zudem wurde festgestellt, dass es Versuche gab, falsche 100-Franken-Noten in Umlauf zu setzen.

Auch aus Sicht der Polizei Kanton Solothurn verlief der Fasnachtsauftakt mehrheitlich ohne Zwischenfälle. In Meltingen und Kestenholz bewarfen jedoch Unbekannte eine Hausfassade mit Hühnereiern, wobei grösserer Sachschaden entstand.

Der Winter zeigte sich ob all diesem Getöse von seiner sonnigen Seite. Es blieb in der ganzen Schweiz trocken und das Thermometer kletterte im Lauf des Tages auf vorfrühlingshafte zehn Grad.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die "Katholische Fasnacht" beginnt am "Schmutzigen Donnerstag" und endet am Aschermittwoch. Dann beginnt die Fastenzeit, die bis zum Karfreitag andauert.

In Luzern haben die närrischen Tage mit rund 12'000 Fasnächltern begonnen.

In Solothurn vertrieben 6000 "Chessler" den Winter mit Getöse.

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