Expo: Die Bilanz der Macher

Die Landesausstellung hinterliess ihre Spuren in der Schweiz. Keystone

Die Expo.02 ist zu Ende. Zeit für eine erste Bilanz.

Dieser Inhalt wurde am 18. Oktober 2002 - 17:22 publiziert

Was Expo-Direktorin Nelly Wenger, der künstlerische Leiter Martin Heller und der Präsident Franz Steinegger über ihre Landesausstellung denken.

"Die Besucherinnen und Besucher haben die Ausstellung an sich gerissen, im besten Sinne des Wortes", sagt Nelly Wenger gegenüber swissinfo. "Wie das geschehen ist, zeigt, dass es ein tiefgreifendes Streben nach einer Kollektiv-Erfahrung gab."

Die Expo.02 hatte viele Väter und Mütter. Aber drei haben die Landesausstellung gedacht und wieder erdacht, haben sie auch in schlechtest-möglichen Zeiten verteidigt, haben ihr Kredite erkämpft und schliesslich die Arteplages eröffnet: "Madame Expo" Nelly Wenger und der künstlerische Leiter Martin Heller. Zudem Franz Steinegger, ehemaliger FDP-Parteipräsident, der 1999 als Expo-Direktor berufen wurde, um als Pragmatiker die Expo auf den richtigen Kurs zu bringen.

Schweizerinnen und Schweizer als Gradmesser

"Wir hatten den Anspruch, eine Ausstellung für alle zu machen. Etwas hinzustellen, das für ein breites Publikum funktioniert. Wenn ich sehe, wie die Leute auf die Ausstellung reagierten, dann sehe ich, dass dieser Anspruch durchgekommen ist", beschreibt Martin Heller seinen Eindruck.

Franz Steinegger ist etwas besonders wichtig: "Man hat Freude aneinander gehabt. Man hatte Freude, Französisch zu hören, Italienisch, Romanisch oder Deutsch. Ich glaube, es war auch ein grosses Element, nicht vor allem die Gegensätze zu pflegen."

Glückliche Überraschung

Dass alles so gut kommen würde, war sich Steinegger erst zwei Wochen vor Toröffnung sicher. "Es gab eine Eröffnung für die Medien. Ich habe mit meiner Frau teilgenommen, dann hat sie plötzlich gesagt: 'Du, das ist besser als Hannover.' Da war für mich die Sicherheit da, dass es eine gute Ausstellung gibt."

Dass sich die Expo durchaus mit der Weltausstellung messen konnte, zeigt für Nelly Wenger auch die gute Resonanz in den ausländischen Medien. "Unsere Nachbarländer haben gestaunt. Sie hatten die Schweiz noch nie so erlebt." Eine gastliche Schweiz mit lachenden Gesichtern: "Ein Land das fähig ist, Schönes, Grosses und Modernes hervor zu bringen."

Neugierig, offen, selbstbewusst: die neue Schweiz?

Hat die Expo also eine neue Ära der Schweiz eingeläutet, ein neues Bild der Eidgenossenschaft entstehen lassen?

Martin Heller mag nicht soweit gehen. "Das ist ein grosses Wort, die 'neue Schweiz'. Die Expo hatte die Möglichkeit, ein Stück Schweiz zu repräsentieren, das interessant und freundlich ist. Sie konnte die kulturelle Vielfalt vorführen und erlebbar machen. Aber nachher kommt der normale Alltag." Wie viel von der Expo in den Alltag einfliessen werde, könne niemand abschätzen.

Bevor Franz Steinegger eine Antwort gibt, schaut er auf die letzte Landesausstellung in Lausanne zurück: "Die Expo 1964 war durchaus in einer Aufbruchstimmung, aber trotzdem im traditionellen Selbstverständnis, in einer Abwehrhaltung, verhaftet." Heute sei eine neue Situation, er erlebe die Schweiz neugierig, offen, aber auch selbstbewusst. "Ich glaube, es hat sich sehr viel verändert."

Er gibt aber auch zu bedenken: "Diese Veränderungen verunsichern auch eine - eher kleine - Zahl von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die ihre traditionelle Schweiz vermissen und sich nicht bewusst sind, dass gerade diese Liebe zur Vielfalt konstitutiv ist für die Schweiz."

Für Nelly Wenger hatte die Expo-Schweiz aber durchaus mit der Alltags-Schweiz zu tun. "Die Schweiz wurde nicht glorifiziert ", sagt Wenger. "Die Expo reflektierte viel eher eine banalisierte Schweiz, indem sie entdeckte, dass sie zur Weltgemeinschaft gehört, dieselben Probleme wie andere hat, aber auch die gleichen Wünsche."

Trauerspiel Finanzen

Die Expo wäre kein Abbild der Schweiz gewesen, wenn es nicht auch ums Geld ginge. Die genauen Zahlen weiss zwar noch niemand, aber eines ist sicher: Die Landesausstellung hinterlässt ein gigantisches Loch in den Bundesfinanzen.

"Es ist ein Wunder, dass wir es geschafft haben, die Expo zu machen. Und Erfolg zu haben", sagt Wenger. "Es stimmt, es hat uns Geld gefehlt. Doch berechtigt das wirklich, von einem Debakel zu sprechen?"

Die Expo könne aber nicht in ihrer Gänze in den Franken der Millionen-Kredite ausgedrückt werden. Ein grosser Teil der Wirkung werde sich erst im nachhinein zeigen, sagt Heller. Das sei die Lehre aller bisherigen Landesausstellungen.

"Die Expo hat gute Chancen so etwas zu sein wie die Landesaustellung der nationalen Entkrampfung. Die Expo und diejenigen, die dafür gearbeitet haben, haben so etwas wie eine Verflüssigung von schwierigen und schweren Begriffen erreicht. Von Dingen wie Heimat, Vaterland, Nation."

swissinfo, Hansjörg Bolliger und Philippe Kropf

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