Für eine Reduktion des wachsenden Elektroschrott-Berges

Zehntausende waren betroffen, als im September in Abidjan an der Elfenbeinküste Giftabfälle ausgeladen wurden. Keystone

In Nairobi haben sich Umwelt-Minister und -Experten auf Massnahmen geeinigt, mit denen sie das Problem des ständig zunehmenden Elektronik-Abfalls in Angriff nehmen wollen.

Dieser Inhalt wurde am 02. Dezember 2006 - 11:42 publiziert

Das Umweltprogramm der UNO (UNEP) geht davon aus, dass aus ausrangierten elektronischen Geräten jährlich 50 Mio. Tonnen Elektro-Schrott entsteht.

Nicht fachgerechte Entsorgung von Elektronikschrott kann zur Ablagerung von schädlichen Chemikalien und Metallen in der Umwelt führen. "Die Menge Elektronik-Schrott steigt ständig weiter an und schafft hauptsächlich in den Entwicklungsländern Probleme", führt Thomas Kolly, Chef der Abteilung Internationales beim Bundesamt für Umwelt, gegenüber swissinfo aus.

"Viele Delegationen aus Afrika erläuterten mit Nachdruck, dass riesige Mengen Abfall aus den entwickelten Ländern in Afrika landen, was diese Länder als 'tickende Zeitbomben' bezeichnen."

Revision der Basler Konvention

Kolly führte die Schweizer Delegation an der Nairobi-Konferenz. Es ging um eine Revision der Basler Konvention, die eine Reduktion des Transports von Schadstoffen inklusive Elektro-Schrott anzielt.

Da die Basler Konvention ihren Sitz in der Schweiz hat, wird diesem Übereinkommen hierzulande ein grosser Stellenwert zugemessen. Kolly äusserte sich sehr zufrieden über den Gang der Verhandlungen.

"Die Konferenz-Teilnehmer werden eine Deklaration zum Elektro-Schrott verfassen, als Beginn einer Partnerschaft zwischen Regierungen, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft", sagt Kolly.

Rücknahme-Programme einführen

Die Teilnehmenden kamen überein, Pilotprojekte zu lancieren, um Rücknahme-Programme für verschiedene Produkte einzuführen. Auf Basis des Basler Vertragswerk soll auch mit einem Dutzend Handy-Hersteller Möglichkeiten studiert werden, wie alte und nicht mehr nutzbare mobile Telefone entsorgt werden könnten.

Dazu kommt ein weltweites Zusammenarbeiten im Kampf gegen illegale Transporte und für bessere technische Vorgaben. Laut Kolly besteht der nächste Schritt in "konkreten Massnahmen".

Die Schweiz gehört zu den Pionieren im Umgang mit Elektro-Schrott, wie beispielsweise den Handys. 2002 startete eine erfolgreiche Initiative im Bereich der Telekom-Branche, alte Telefon-Geräte entweder zu rezyklieren oder korrekt zu entsorgen.

Diese Initiative, die erste ihrer Art, hat Modell-Charakter und verlängert den Gebrauch von tausenden nicht mehr genutzen Handys.

"Wir kreierten Sammel-Strategien in der Schweiz, in Europa und Nordamerika", sagt Kolly. Diese seien inzwischen wichtige Säulen im Kampf gegen den Elektroschrott.

Jetzt ist es wichtig, den Entwicklungsländern beim Aufbau ähnlicher Initiativen beizustehen, besonders im Bereich Mobilphones und Computer, wie Kolly sagt.

Elfenbeinküste

Die Konferenzteilnehmer in Nairobi verurteilten die Vorfälle an der Elfenbeinküste, wo giftige Dämpfe um die Stadt Abidjan mindestens zehn Personen töteten und 70'000 weitere gefährlich erkranken liessen.

Die UNEP-Führung entschied in Nairobi, für die Opfer von Abidjan eine Stiftung zu eröffnen. "Der Vorfall an der Elfenbeinküste kann als Anlass erachtet werden, dieses Problem in der Dritten Welt bewusst zu machen", sagt Kolly. "Wobei natürlich auch die reichen Länder agieren müssten. Im Bewusstsein, dass mehr Investitionen in Verwaltungsbereiche nötig seien, um diese Probleme anzugehen."

swissinfo, Simon Bradley
(Übertragung aus dem Englischen: Andreas Keiser und Alexander Künzle)

In Kürze

Die 8. Konferenz der Basler Konvention über die Transporte von gefährlichen Abfällen fand vom 27. November bis am 1. Dezember in Nairobi statt.

Das Basler Übereinkommen ist eine umfassende Umwelt-Konvention über die Kontrolle gefährlicher Abfälle und ihre Entsorgung und wurde 1989 ins Leben gerufen. Sie zählt 168 Vertragsstaaten.

Die Konvention ist eines von drei Abkommen, welche den Schutz der Umwelt und der Menschen zum Ziel haben.

Die andern zwei sind die Rotterdam-Konvention zum internationalen Handel von besonders gefährlichen Chemikalien, und die Stockkolm-Konvention, die auf ein internationales Verbot von Herstellung und Gebrauch von persistenten organischen Schadstoffen zielt.

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Fakten

Gemäss Experten kostet die Beseitigung eines Kubikmeters giftiger Abfälle in Europa zwischen 400 und 680 US-Dollars. In Afrika oder Asien sind es 15 Mal weniger.

Das Umweltprogramm der UNO geht davon aus, dass aus ausrangierten elektronischen Geräten jährlich 50 Mio. Tonnen Abfall entsteht.

Eine Studie der Umweltinitiative Basel Action Network kommt zum Schluss, dass monatlich mindestens 100'000 Computer im Hafen von Lagos (Nigeria) ankommen. Experten gehen davon aus, dass lediglich zwischen 25 und 75% davon im Abfall landen.

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