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Gegenmittel für Industriegifte gesucht

Chemikalien sind für die Belastung von Millionen Menschen mit Giften verantwortlich, sagt die UNEP.

(Keystone)

Gesundheits- und Umweltpolitiker aus über 100 Ländern debattieren diese Woche in Genf über Handelskontrollen für gefährliche Chemikalien wie z. B. Pestizide.

Es ist die erste Konferenz zum Rotterdamer Übereinkommen, mit dem die Gesundheits- und Umweltrisiken durch giftige Stoffe eingedämmt werden sollen.

"Jeder Mensch auf der Welt trägt in seinem Körper Spuren verschiedener gefährlicher Chemikalien, die für Krebs, Geburtsschäden und andere gesundheitliche Probleme verantwortlich gemacht werden." Dies hält die UNEP, die Umweltagentur der Vereinten Nationen (UNO) fest.

Geleitet wird das fünftägige Treffen, das am Montag in Genf begann, von Philippe Roch, Direktor des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL). Bundesrat Moritz Leuenberger wird am 23. September das ministerielle Segment der Konferenz eröffnen.

Die Konferenz in Genf markiert den Start der so genannten Rotterdamer Konvention. Diese hat zum Ziel, die Risiken für Gesundheit und Umwelt durch gefährliche chemische Stoffe zu verkleinern. Erreicht werden soll das mit strengen Regeln über den Handel mit solchen Substanzen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Dritte Welt gelegt.

Handhabe erleichtern

"Weniger entwickelte Länder sollen auch ein effektives Instrumentarium erhalten, mit dem sie die Giftigkeit ihrer Exportgüter besser beurteilen können", sagte Roch im Vorfeld der Konferenz gegenüber swissinfo. Umgekehrt sollen die Länder der Dritten Welt damit die möglichen Gefahren bestimmter Importgüter klarer einschätzen können.

Flut von Stoffen

Auf dem Weltmarkt sind heute 70'000 verschiedene Chemikalien erhältlich, und jedes Jahr kommen 1500 neue Substanzen dazu. Das macht es den Behörden vieler Länder schwer, den Überblick über die potenziell gefährlichen Stoffe zu bewahren. Deshalb mangelt es vielfach am nötigen korrekten Umgang.

Die UNEP, die Umweltagentur der UNO, warnt zudem, dass viele Stoffe, die in den Industrieländern verboten sind, in Entwicklungsländern immer noch auf dem Markt seien.

Roch hofft deshalb, dass die Genfer Konferenz dazu beitragen wird, die Menschen in ländlichen Entwicklungsgebieten besser zu schützen. "Wir müssen den Ländern helfen, voneinander zu lernen und ihre Kenntnisse über gefährliche Chemikalien zu vergrössern." Dazu müssten sie aber erst die Risiken der gefährlichen Substanzen kennen.

Grosse Hoffnungen

Die UNEP macht Unfälle, Missbrauch und mangelhafte Kontrolle gefährlicher Stoffe für die Vergiftung von Millionen von Menschen verantwortlich. Bei der Agentur hofft man deshalb, dass die Rotterdamer Konvention " als erste Verteidigungslinie" für Mensch und Umwelt wirken wird.

"Die Gewinner und Gewinnerinnen dieser neuen Konvention sind Bauern, stillende Mütter sowie die Tiere und Pflanzen", sagte UNEP-Direktor Klaus Töpfer.

Profitieren wird laut Töpfer auch die ambitionierte Agenda für eine nachhaltige Entwicklung und die Verminderung der Not, welche vor zwei Jahren am Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg verabschiedet worden war.

Liste erweitern

Die Rotterdamer Konvention legt fest, dass die Exporterlaubnis für die gefährlichsten Stoffe erst gegeben wird, wenn das Importland dazu seine Zustimmung erteilt (Prior Informed Consent, PIC).

Gegenwärtig unterliegen 22 Pestizide und fünf chemische Stoffe dieser Bestimmung. Darunter sind Insektizide, DDT und PCB, die bei der Herstellung von Transformern Anwendung finden. Auch das krebserzeugende Asbest und hochgiftiges Quecksilber fallen unter diesen Paragraphen.

Rochs Ziel ist es weiter, dass bei der Konferenz in Genf mindestens 14 neue Stoffe auf die "Watch List" der gefährlichen Stoffe gesetzt werden. Auch müssten Standards definiert werden, um die Wirksamkeit der Rotterdamer Konvention längerfristig zu überprüfen.

Schweiz will Sekretariat behalten

Nicht zuletzt geht es in Genf um die Frage nach dem permanenten Sitz der Rotterdamer Konvention. Rom und Genf, die in den letzten fünf Jahren das Sekretariat gemeinsam betrieben hatten, plädieren für eine Weiterführung dieses Modells, da es sich in der Praxis bestens bewährt habe.

Daneben steht die Kandidatur von Bonn im Raum. "Das ist ein sehr wichtiger Entscheid für die Schweiz", so Philippe Roch.

swissinfo, Anna Nelson in Genf
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Die Rotterdamer Konvention setzt den Bann oder Restriktionen in Handel und Umgang mit chemischen Stoffen fest.
Auf der Liste der besonders gefährlichen Stoffe figurieren 22 Pestizide und industrielle Chemikalien.
Darunter sind DDT, Asbest und Quecksilber.
Mindestens 14 weitere Stoffe sollen in Genf neu auf die Liste genommen werden.

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In Kürze

An der Genfer Konferenz über gefährliche Chemikalien werden knapp 450 Delegierte aus 100 Ländern teilnehmen.

Mit dem Kongress tritt die Rotterdamer Konvention in Kraft.

Sie schreibt die Verbesserung der Sicherheit für Mensch und Umwelt fest, dies dank Verminderung der Risiken im Umgang mit Industrie-Chemikalien und Pestiziden.

Bestimmt wird auch der Permanente Sitz des Sekretariats der Rotterdamer Konvention. Zur Debatte stehen Genf/Rom und Bonn.

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