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Ein HIV-positiver Drogensüchtiger setzt sich in der ukrainischen Stadt Odessa einen Schuss.

Ein HIV-positiver Drogensüchtiger setzt sich in der ukrainischen Stadt Odessa einen Schuss.

(Reuters)

An der Internationalen Aids-Konferenz in Wien lagen Optimismus und Pessimismus nahe beieinander, sagt der Schweizer Delegierte Luciano Ruggia vom Bundesamt für Gesundheit. Kernpunkte seien die steigenden HIV/Aids-Zahlen in Osteuropa und die Menschenrechte gewesen.

Die sechstägige Konferenz, die alle zwei Jahre stattfindet und am Freitag zu Ende geht, ist die grösste ihrer Art und brachte tausende Menschen zusammen, die sich mit Aids beschäftigen.

"Einiges verbessert sich, doch gleichzeitig verschlechtern sich andere Dinge", sagte Luciano Ruggia in Wien gegenüber swissinfo.ch.

"Es gibt heute keinen generellen Trend. Einerseits sehen wir eine zunehmende Epidemie in osteuropäischen Ländern, doch in anderen Staaten sind Fortschritte zu beobachten."

Die Epidemie in Osteuropa, die am schnellsten zunehmende weltweit, breitet sich besonders unter Fixern aus.

So weist die Ukraine mit einer HIV-Rate von 1,6% der Bevölkerung die höchste Rate in ganz Europa auf.

Behandlung als Menschenrecht

"Es gibt spezielle Richtlinien in Osteuropa und Russland, doch die werden nicht eingeführt oder dann nicht akzeptiert", erklärte Ruggia, der auch wissenschaftlicher Sekretär der Eidgenössischen Kommission für Aids-Fragen (EKAF) ist.

Dass HIV-Patienten oft Menschenrechte verwehrt werden, war ein weiteres Thema an der Konferenz. Für Ruggia sollte der Zugang zu einer Behandlung als Menschenrecht betrachtet werden. Dies sei auch wichtig, wenn es darum gehe, die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Diskriminierung und Stigmatisierung von Homosexuellen in Indien und einigen afrikanischen Ländern seien nach wie vor an der Tagesordnung, ergänzte er. Gerade diese Gruppen mit wachsenden Infektionsraten hätten oft keinen Zugang zu Behandlung, Präventionsmassnahmen oder Kontrollen.

Gute Neuigkeiten aus der Schweiz

"Mit den bereits in Kraft gesetzten Richtlinien sind wir auf dem richtigen Weg", sagt der Schweizer. Dies zeige auch die Analyse und Situation und Strategie anderer Länder.

Im November 2008 hatte ein Bericht der Vereinten Nationen (Uno) gezeigt, dass in der Schweiz 50 Personen an Komplikationen durch eine HIV-Infektion gestorben sind. 1995 waren es noch 600 Personen gewesen.

Die Schweiz zeigte an der Konferenz eine Vorpräsentation ihrer neuen Strategie, die auch die steigenden Infektionsraten von sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphillis, Tripper und Chlamydien bekämpfen will.

Die Strategie sollte in den nächsten Monaten fertiggestellt und am 1. Dezember von der Landesregierung gutgeheissen werden.

Gel für Frauen

Die Ankündigung, Forschende aus Südafrika hätten ein neues HIV-Infektionen verminderndes Vaginalgel entwickelt, gehörte an der Konferenz zu den meistdiskutierten Entwicklungen.

Forscher berichteten, das Gel mit dem Aids-Medikament Tenofir habe die Infektionsrate unter 889 Frauen nach einem Jahr Gebrauch um 50% vermindert und nach zweieihalb Jahren um 39%. Es richtet sich an Frauen, deren Partner sich weigern, Kondome zu tragen.

Giuseppe Pantaleo, Leiter der Abteilung Immunologie und Allergologie am Universitätsspital Lausanne und Experte für Aids-Medikamente, erklärte gegenüber Schweizer Radio DRS, man habe in den letzten drei Jahren wichtige Ergebnisse im Kampf gegen Aids verbuchen können. Dazu gehörten Beschneidungen bei Männern, welche die Übertragungs-und Infektionsraten gesenkt hätten.

"Mit dem Mikrobizid-Gel ist es uns gelungen, die Infektionsrate um 50% zu senken, während wir mit Impfstoffen 30 bis 40% schaffen", erklärte der Professor, der ebenfalls an der Konferenz in Wien teilnahm.

"Nehmen wir nun alle diese Strategien zusammen, was in der nächsten Zukunft möglich sein wird, könnten wir wirklich eine beachtliche Wirkung erzielen und damit die Übertragung über 60 bis 70% verringern."

Eine Frage der Finanzierung

Bedenken betreffend der oft fehlenden finanziellen Unterstützung der reichen Länder bei internationalen Aids-Programmen und in der Forschung warfen einen langen Schatten über die Konferenz.

Im Oktober werden Spenderländer, darunter auch die Schweiz, entscheiden, mit wie viel Geld sie den in Genf ansässigen "Global Fund to fight Aids, Tuberculosis and Malaria" unterstützen wollen.

Deren Direktor Michel Kazatchkine erklärte, er habe "wirklich Angst", ob der Fonds die erwarteten 20,1 Mrd. Franken für die Weiterführung des Kampfs gegen Aids in den nächsten drei Jahren zusammenbekommen wird.

"Wir haben die Machbarkeit nachgewiesen. Verschiedene Länder haben gezeigt, dass sie massiv ausbauen können", sagte er. " Für die Führenden dieser Welt ist der Entscheid zur Unterstützung ein politischer, und wer politisch entscheidet, hat die Wahl."

Isobel Leybold-Johnson, swissinfo.ch
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

Die Konferenz

Vom 18. bis 23. Juli trafen sich in Wien rund 25'000 Teilnehmende aus über 100 Ländern mit dem Ziel, Brücken zu bauen zwischen Forschern, Politikern, Ärzten, Aktivisten und Betroffenen.

Im Zentrum standen Osteuropa und Zentralasien sowie Themen wie Behandlung der Krankheit und Diskriminierung.

Am Samstagabend fand ein Ball mit prominenten Gästen für Aids-Patienten statt; die Schauspielerin Whoopi Goldberg wie auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und Ex-Tennisstar Boris Becker gaben sich unter anderen die Ehre.

An einem Menschenrechts-Marsch am Dienstag nahm neben Tausenden auch die Sängerin Annie Lennox teil.

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Aids/HIV in Zahlen

Laut dem UNO-Aidsprogramm UNAIDS sind insgesamt rund 60 Mio. Menschen vom HI-Virus infiziert.

Seit dem ersten Auftauchen der durch HIV ausgelösten Krankheit Aids vor fast 30 Jahren sind rund 25 Mio. Menschen daran gestorben.

UNAIDS zufolge waren im Jahr 2008 etwa 33,4 Mio. Menschen mit HIV infiziert und rund 2 Mio. an Aids gestorben.

Die meisten Infektionen finden im Alter zwischen 25 und 50 Jahren statt.

2,1 Mio. Kinder unter 15 leben zudem mit dem Virus.

Am meisten betroffen ist die Subsahara-Region, gefolgt von Süd- und Südostasien sowie Lateinamerika.

In der Schweiz leben laut BAG zwischen 20'000 und 30'000 Menschen mit HIV, von denen ein Viertel nichts davon weiss.

Seit 1983 sind in der Schweiz bis März dieses Jahres 6982 Menschen an Aids gestorben.

2009 wurden 642 Personen positiv auf HIV getestet, bei 179 brach Aids aus.

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