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Kampf gegen Sucht braucht neue Ansätze

Cannabis mir tiefem THC-Gehalt, elektronische oder verbrennungsfreie Zigaretten, Online-Spiele. In jüngster Zeit hat sich das Angebot an Produkten mit Suchtpotenzial vervielfacht. Deren Verbreitung übers Internet vereinfacht den Zugang, wie das Schweizer Suchtpanorama 2018 warnt.

Dieser Inhalt wurde am 13. Februar 2018 - 16:50 publiziert
In den letzten Jahren wurde die Palette der Nikotinprodukte erweitert. Deren gesundheitliche Auswirkungen sind nicht immer bekannt. ostancoff/123RF

Die Kreativität im Bereich von Produkten, die Suchtpotenzial aufweisen, kennt keine Grenzen. Zwar hat die Anzahl der Süchtigen in den letzten Jahren kaum zugenommen, doch heute stehen ihnen immer mehr Produkte zur Verfügung. Eine Entwicklung, die sich mit den neuen Technologien beschleunigt.

Zu diesem Schluss kommt die unabhängige, gemeinnützige Stiftung Sucht Schweiz, die heute ihr Schweizer Suchtpanorama 2018Externer Link herausgegeben hat. Die Stiftung bemängelt das Fehlen von wissenschaftlichen Daten und verlangt nach einer besseren politischen Antwort, wie deren Pressesprecherin Corine Kibora im Interview erklärt.

swissinfo.ch: In der letzten Zeit kommen immer wieder neue Produkte mit Suchtpotenzial auf den Markt. Wie soll die Schweiz auf dieses Phänomen reagieren?

Corine Kibora: Erstens sollte die Forschung mehr Mittel erhalten, um die Risiken dieser Produkte besser zu kennen. So stammen etwa die einzigen Daten, die wir über Zigaretten ohne Verbrennung haben (der Tabak wird erhitzt, ohne verbrannt zu werden, N.d.R.), aus der Industrie selber. Wir können also deren Zuverlässigkeit in Frage stellen.

Zweitens braucht es einen rechtlichen Rahmen, um neue Produkte zu erfassen. Leider wurde das neue Projekt für das Tabakgesetz, das letzten Dezember in das Konsultationsverfahren geschickt worden war, abgemildert – besonders, was Werbe- und Marketing-Beschränkungen betrifft.

Auch wenn die elektronische Zigarette für Rauchende eine Alternative mit kleinerem Risiko ist, bleibt es nach wie vor wichtig, die Kontrolle über konventionelle Tabakerzeugnisse zu verbessern. Etwa durch eine Beschränkung oder ein Verbot der Tabakwerbung oder sogar durch die Einführung von neutralen Zigarettenpackungen oder Preiserhöhungen.

Sonst laufen wir Gefahr, dass diese Alternativen den Markt einfach vergrössern, ohne dass die Bevölkerung dazu gebracht werden kann, die am wenigsten schädlichen Produkte zu verwenden.

swissinfo.ch: Mit 86% regelmässigen Nutzerinnen und Nutzern spielt das Internet eine wachsende Rolle bei den Süchten…

C.K.: Das Internet beeinflusst den Bereich Sucht wie alle anderen Lebensbereiche auch. Für Werbung und Marketing ist es ein neues Spielfeld, auf das sich die Tabak- und die Alkoholindustrie offensichtlich gestürzt haben. Zudem bieten die Sozialen Medien unter anderem die Möglichkeit, Internetbenutzer als Werbeträgerinnen und Werbeträger für Produkte einzusetzen, manchmal sogar ohne deren Wissen.

Um dieses Problem zu lösen, sollte die Werbung besser kontrolliert werden, unter anderem jene im Internet. Andererseits sollte ein Schwerpunkt auf die Medienbildung der Jugend gelegt werden. So könnten junge Menschen lernen, die Botschaften der Industrie besser zu entschlüsseln.

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swissinfo.ch: In der Schweiz zeigen etwa 70'000 Personen ein problematisches Nutzungsverhalten. Ist die Schweiz bereit, sich diesem Problem zu stellen?

C.K.: Nicht wirklich, denn es handelt sich hier um einen komplexen Bereich, der sich sehr schnell verändert. Vor noch nicht allzu langer Zeit hatten wir noch keine Smartphones. Heute sind sie in allen Händen, auch bei den ganz Jungen.

Die Beobachtung und Beschreibung von riskanten Anwendungen und die Entwicklung von Techniken, wie man damit umgehen kann, brauchen viel Zeit. Wir verfügen jetzt aber über längere Beobachtungszeiträume.

Die Tatsache, dass die Weltgesundheits-Organisation die Videospielsucht seit diesem Jahr als Krankheit anerkennt, ist ein positives Zeichen. Man anerkennt, dass die Nutzung des Internets nicht immer ungefährlich ist. Das hängt aber auch von der jeweiligen Person ab. Oft haben exzessive Nutzer eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, ein grösseres Bedürfnis nach Anerkennung oder ein geringes Selbstwertgefühl. Das sind Störungen, die vielleicht mit anderen Mitteln behandelt werden müssen, für die aber das Internet ein Symptom ist.

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