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Seele und Gesicht in Vincent van Goghs Landschaften

Eine Besucherin betrachtet das Selbstproträt von Van Gogh im Kunstmuseum Basel Reuters

Der holländische Maler Vincent van Gogh hat den Mythos vom leidenden Künstler geprägt wie kaum ein anderer. In seinen Landschaftsbildern ist die lichte und lebensbejahende Seite dieses Meisters zu entdecken: ab 26. April im Kunstmuseum Basel.

Dieser Inhalt wurde am 24. April 2009 - 16:38 publiziert

Jedes Kind kennt Vincent van Gogh als den verrückten Maler aus dem 19. Jahrhundert, der sich ein Ohr abschnitt und wahnsinnig wurde.

Wie sehr er damit einen Mythos prägte, hat kürzlich eine Ausstellung in Berlin zum Künstlermythos gezeigt.

"Ich kann mir nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden, hier den van Gogh machen, den Mozart da. Ist ja sowieso schon anstrengend genug, dass man immer wieder überprüfen muss, was man eigentlich tut."

So lautete der Titel der Berliner Ausstellung, nach einem Zitat des deutschen Gegenwartskünstlers Martin Kippenberger. Dass Vincent van Gogh ein schwieriges Leben hatte, ist unbestritten.

Zu Lebzeiten fand er kaum Anerkennung, seine Schaffenszeit dauerte nur gerade zehn Jahre, die letzten lebte er unter ärztlicher Betreuung, wiederholt von Depressionen gequält. Mit 37 Jahren erschoss er sich.

In seinen Landschaftsbildern zeugen leuchtende Farben und kräftige Striche von einer diesseitigen Energie und Anbetung des Lebens.

Im Bild "Blumenbeete in Holland" aus dem Jahr 1883 liegt die Landschaft zwar unter einem bewölkten Himmel und die geduckt daliegenden Bauernhäuser wirken düster, doch die gelben, roten, blauen, rosafarbenen und weissen Blumenbeete bilden einen leuchtendbunten Farbenteppich, bei dessen Anblick man lange verweilen möchte.

Oder die leuchtenden Kornfelder aus der Provence in satten Gelb- und Ockertönen. Gemalt in den charakteristischen, dick aufgetragenen, kurzen Strichen, reissen sie in ihrer Dynamik mit.

Die Landschaft stand immer zur Verfügung

Die Ausstellung "Zwischen Erde und Himmel" im Kunstmuseum Basel bringt erstmals über 70 Landschaftsbilder van Goghs zusammen. Dafür habe das Museum Leihgaben aus der ganzen Welt erhalten, viele davon Schlüsselwerke aus den jeweiligen Sammlungen, wie die Kuratorin Nina Zimmer gegenüber swissinfo betont.

"Vincent van Gogh hat sich vor allem durch die Landschaft ausgedrückt. Die Landschaft war immer für ihn da, er musste nicht für sie zahlen wie für ein Modell", erläutert Nina Zimmer.

Ausserdem sei die Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert nicht so hoch im Kurs gestanden wie die Porträt- und Figurenmalerei. Damit sei diese Gattung noch weitgehend frei zum Experimentieren gewesen.

Die Ausstellung macht van Goghs Entwicklung nachvollziehbar, von den Anfängen in den holländischen Landschaften über Aufenthalte in Paris, Arles, dann Saint-Rémy, wo er sich selbst in eine Heilanstalt einlieferte, bis zu seinem Ende in Auvers bei Paris, wo er sich in die Obhut des Arztes, Sammlers und Hobbykünstlers Paul Gachet begab.

Dort malte er bis kurz vor seinem Tod noch einmal mit grösster Intensität, in 70 Tagen entstanden fast 80 Bilder.

Der Himmel verschwindet

Faszinierend zu beobachten, wie die Horizontlinie im Verlauf der Zeit immer weiter nach oben rückt.

Während in den frühen Bildern der immer sehr belebte und bewegte Himmel die Hälfte der Bildfläche ausmachte - beim "Blick auf Paris vom Montmartre" sogar mehr als die Hälfte-, erscheint er in den Bildern der letzten Jahre höchstens noch als schmaler Streifen am oberen Rand oder ist ganz aus dem Bild verschwunden.

Die "Olivenbäume" von 1889 sind ganz diesseitig. Kein Himmel. Das Bild scheint zu bersten vor Dynamik.

Auf einer schiefen Ebene aus fetten, braunen, gelben, grünen, weissen und blauen Strichen scheinen die knorrigen Stämme aus einem nach rechts unten fliessenden Wasser zu wachsen. Wirbelförmige Baumkronen sitzen wie blaue, lodernde Flammenbälle auf den Ästen. Eine wogende, haltlose Landschaft, die alles mitreisst.

Der Begriff "Landschaft" ist in der Basler Ausstellung weit gefasst. So finden sich hier auch Strassenszenen aus Paris und Arles, darunter das Bild "Der 14. Juli in Paris", ein Farbregen in Blau-Weiss-Rot.

Das "Selbstbildnis mit japanischem Holzschnitt" bildet nur scheinbar einen Kontrapunkt. Die grünen Augen van Goghs leuchten in diesem Gesicht, das mit seinen hellen, dicken Strichen selbst zur Landschaft wird.

swissinfo, Susanne Schanda, Basel

Die Ausstellung

"Vincent van Gogh. Zwischen Erde und Himmel. Die Landschaften" wird am 26. April im Kunstmuseum Basel eröffnet und dauert bis 27. September 2009.

Neben den 70 Landschaftsbildern van Goghs zeigt die Ausstellung rund 40 Meisterwerke seiner Zeitgenossen aus der Sammlung des Kunstmuseums Basel.

Die Ausstellung wurde von Bernhard Mendes Bürgi, dem Direktor des Kunstmuseums Basel, in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Nina Zimmer und dem Berater Walter Feilchenfeldt kuratiert.

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Vincent van Gogh

1853 als erstes von sechs Kindern einer Pastorenfamilie in Groot-Zundert (Niederlande) geboren.

Als 16-Jähriger zieht er nach Den Haag, wo er bei einem Kunsthändler Berufserfahrung sammelt.

Nachdem er in mehreren Berufen gescheitert ist, entschliesst er sich 1880, Künstler zu werden.

1886 zieht er nach Paris, dem Brennpunkt des europäischen Kunstgeschehens. Sein jüngerer Bruder Theo unterstützt ihn finanziell und vermarktet seine Landschaftsbilder.

1888 zieht Vincent van Gogh nach Arles, wo er mit anderen Malern eine Künstlergemeinschaft zu bilden hofft. Nur Paul Gauguin folgt seiner Einladung. Nach einem heftigen Streit schneidet sich van Gogh einen Teil seines linken Ohrs ab.

1889 verschlechtert sich sein Gesundheits- und Geisteszustand und er liefert sich selbst in die Heilanstalt Saint-Paul-de-Mausole bei Saint-Rémy ein.

1890 begibt er sich in die Obhut des Arztes Paul Gachet nach Auvers bei Paris. Im Juli erschiesst er sich auf einem Spaziergang.

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