Schweizer Diplomatie begrüsst Sendestart von France 24

Die Studios von France 24 im Pariser Vorort Issy-les-Moulineaux. Keystone

Frankreichs erster internationaler TV-Sender mit 24-stündigem Info-Programm geht am Donnerstagabend auf Sendung. Der Sender bringt internationale News aus französischer Sicht.

Dieser Inhalt wurde am 07. Dezember 2006 - 09:47 publiziert

Das Schweizer Aussenministerium (EDA) begrüsst die frankophone Alternative zu den omnipräsenten anglophonen Sendern wie CNN oder BBC World.

"Die Informationskanäle gewinnen weltweit an Bedeutung", hält Jean-Philippe Jeannerat, Informations-Verantwortlicher des EDA, gegenüber swissinfo fest. "Ich glaube, die grösste Gefahr ist eine gewisse Vereinheitlichung der Information."

Für die Schweiz, habe France 24 keine direkte politische Bedeutung. "Aber es ist zweifellos so, dass das Angebot von France 24 einen Mehrwert für die Debatte europäischer Themen darstellt und so indirekt auch die öffentliche Meinung in unserem Land bestimmen wird."

Der neue Fernsehsender geht am Donnerstagabend um 20 Uhr 30 auf Sendung. Im Internet können die Sendungen bereits seit Mittwochabend verfolgt werden.

An sieben Tagen in der Woche strahlt der Sender ein 24-stündiges französisches und englisches Nachrichtenprogramm aus. Daneben soll es Beiträge aus Wirtschaft, Kultur, Sport sowie eine Wettervorhersage geben.

Nur in der Westschweiz

France 24 ist über Kabel und Satellit in Europa, im Nahen und im Mittleren Osten, in Afrika, in Washington und in New York zu empfangen.

In der Westschweiz können alle Personen, die über Kabelfernsehen und einen Decoder verfügen, France 24 empfangen. Nach Angaben von Cablecom ist der Sender ab Donnerstag in ihrem Angebot. In der Deutschschweiz und im Tessin ist keine Ausstrahlung vorgesehen.

Das Programm ist eine Koproduktion der öffentlich-rechtlichen Sender France Télévisions und des Privatsenders TF1. Das Budget des Verbundes liegt für das Jahr 2007 bei 86 Millionen Euro. CNN verfügt über umgerechnet 1,6 Milliarden Euro, BBC World über 600 Mio. Euro.

Frankophone Werte rund um den Globus

Geistiger Vater von France 24 ist Staats-Präsident Jacques Chirac. Während des Irak-Krieges hatte er Kritik an der einseitigen Berichterstattung der anglophonen Medien geübt. Frankreich wurde damals bei CNN als "zu feige" bezeichnet, an dem Krieg teilzunehmen.

Anlässlich der Lancierung erklärte Chirac, für ein Land von der Grösse Frankreichs sei es von entscheidender Bedeutung, die eigene Sicht der Weltlage und die eigenen Werte rund um den Globus verbreiten zu können.

Zugleich betonte er jedoch, dass France 24 völlig unabhängig arbeiten werde. France 24 ist ein rein französisches Projekt. Kein anderes frankophones Land ist daran beteiligt.

Kein Lautsprecher Chiracs

170 Journalisten haben seit dem Sommer in der Senderzentrale im südwestlichen Pariser Vorort Issy-les-Moulineaux auf den Sendestart hingearbeitet - unter grossem Interesse der nationalen Medien.

Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter beträgt 33 Jahre, jeder muss mindestens zwei Sprachen fliessend sprechen - und eine Charta unterzeichnen. Darin ist festgehalten, dass France 24 nicht zum Sprachrohr seines Initiators Chirac wird: "Wir werden von keiner Regierung, Partei oder Lobby beeinflusst", heisst es. "Wir sind niemandes Stimme."

swissinfo

In Kürze

France 24 hat seine Studios in einem Vorort von Paris.

Der Sender beschäftigt 170 Journalisten aus 27 Ländern.

Zielpublikum sind in erster Linie Opinon-Leaders.

Das Budget muss jährlich vom französischen Parlament abgesegnet werden und beträgt 86 Mio. Euros.

Das ist zehnmal weniger, als das Budget des amerikanischen Weltleaders unter den Infokanälen, CNN.

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Die wichtigsten Infokanäle

CNN (Cable News Network): 1980 in Atlanta (Georgia) gegründet. Wird von Time Warner kontrolliert.

BBC World: 1991 gegründete englische Kette, vom Verwaltungsrat der BBC kontrolliert.

MSNBC: 1996 gegründete amerikanische Kette, kontrolliert von Microsoft und NBC Universal News.

FOX: 1996 gegründete amerikanische Kette, kontrolliert von der News Corp. (Murdoch).

EURONEWS: 1993 gegründet. Kontrolliert von 21 europäischen, öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen.

TV5: 1984 gegründete, frankophone Kette. Daran beteiligt sind französische, kanadische, belgische Fernsehstationen sowie die SRG SSR ideé suisse.

Deutsche Welle (Radio und TV): Die Deutsche Welle sendet weltweit in Total 30 Sprachen.

AL JAZIRA: 1996 gegründet. Kontrolliert von der Regeriung von Qatar.

AL ARABIYA: 1993 gegründet und von privaten, saudiarabischen und libanesischen Kapitalgebern kontrolliert.

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