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Tierhalter setzen vermehrt auf Alternativmedizin

Akupunktur beim Hund kommt in Mode.

(Grenet/Soumillard/Sutter)

Die traditionelle Medizin bekommt auch in der Tiermedizin Konkurrenz von alternativen Heilmethoden.

Homöopathie und Akupunktur für das Haustier sind im Trend. Doch nicht nur die Behandlungsart, auch der Markt für Medikamente ist in Bewegung.

Im Refektorium der Basler Elisabethenkirche gibt es täglich von 15.00 bis 16.00 Uhr "Handauflegen für Tiere".

Dabei geht es um Zuwendung und Anteilnahme im Gespräch mit den Tierhaltern und um Meditation für abwesende kranke Tiere. Den anwesenden Tieren wird die Hand aufgelegt. Zusammen, so die Ausschreibung der Kirche, "bitten wir um den Schutz der Tiere".

Die Heilpraktikerin Monica Fehlmann aus dem bernischen Langenthal bietet auf ihrer Internetseite "Tierkommunikation" an und fragt den Tierhalter: "Was denkt mein Tier? Was geht in ihm vor? Wie fühlt es sich? Was braucht es von mir? An welcher Krankheit leidet es? Was hilft ihm? Ist es glücklich oder traurig und warum? Hat mein verstorbenes Tier mir noch etwas zu sagen?"

Die Therapeutin bietet Kurse an, um mit dem Tier zu kommunizieren und es gesund zu halten.

Die Stiftung "natürliches Heilen" in Lanquart spricht in ihrer öffentlichen Vortragsreihe über "Komplementärmedizin für Tiere". Untertitel: "Gehe ich mit meinem Tier besser zum Naturheilpraktiker oder zum Tierarzt?"

Referiert wird über Möglichkeiten und Grenzen von naturheilkundlichen Methoden in der Tiermedizin.

Diverse Methoden

Das Thema boomt. Alternative Heilmethoden bei Tieren sind gross im Kommen.

Die Akademie für Tiernaturheilkunde in Wald im Zürcher Oberland bietet ein Studium der Tierhomöopathie an. Studieren kann man vor Ort oder per Fernstudium.

Das Studium gliedert sich in drei Bereiche: Tierpsychologie, Schulmedizinische Fächer und Tierhomöopathie. Generell ist die Liste der Tiertherapien in der Schweiz riesig.

Nebst der Homöopathie buhlen Reiki-Behandlungen, Heilmassagen, Bioresonanz- und Magnetfeldtherapie oder Akupunktur um das körperliche und seelische Heil der Haustiere. Meist Hunde oder Katzen.

Voll im Trend

Das Marktforschungsinstitut Effems schätzt, dass es in der Schweiz rund eine halbe Million Hunde gibt. Also pro 15 Einwohner ein Hund. Katzen dürften es nicht weniger sein.

"Es gibt eindeutig einen Trend hin zu alternativen Heilmethoden", sagt Charles Trolliet von der Gesellschaft Schweizerischer Tierärzte. Die ganze Palette alternativer Heilmethoden für Menschen würden auch für die Tiere angeboten, sagte Trolliet.

So gebe es Tierärzte, die sich im Gebiet Akupunktur und Homöopathie ausgebildet hätten, und auch Fachsektionen, die sich mit den Therapiemöglichkeiten beschäftigten.

Für Troillet ist aber klar, dass es auch hier gilt, die Möglichkeiten und Grenzen dieser Therapieformen zu finden.

Medikamente ziehen mit

Nicht nur das Angebot von alternativen Heilmethoden, sondern auch der Medikamentenmarkt für Tiere ist in Bewegung.

So können beispielsweise Psychopharmaka ähnliche Medikamente zur Unterstützung von Verhaltens-Therapien eingesetzt werden.

"Die Tiere werden öfter zum Tierarzt gebracht, sind gesünder und werden älter", sagte Andreas Bühlmann von Animal Health des Basler Pharmakonzerns Novartis. Der Pharmakonzern machte 2003 mit Medikamenten für Tiere einen Umsatz von rund 890 Mio. Franken.

Bei den Medikamenten für Haustiere sei ein schwaches, einstelliges Wachstum zu verzeichnen. Dominierend sei dabei der Markt für Hunde, sagt Bühlmann.

Zucht führt zu Arthritis

Die Halter seien bereit, mehr für ein Tier zu investieren. Die Bindung von Mensch zu ihren Tieren sei stärker geworden.

Zum grossen Behandlungsgebiet sei, so Bühlmann, Arthritis geworden. Das hänge sicher auch mit den vermehrten Züchtungen zusammen.

Aber nicht nur physische Leiden von Tieren können medikamentös behandelt werden, sondern auch psychische. "Vor vier bis fünf Jahren gab es einen kleinen Boom mit Psychopharmaka ähnlichen Medikamenten", sagt Bühlmann. Dieser habe sich aber abgeflacht.

Wie der Mensch, so das Tier

Laut Bühlmann sind die grossen Anwendungs-Gebiete für Psychopharmaka bei Tieren die Verhaltensprobleme. So Trennungsängste bei Hunden, die bei Alleinsein Möbel zerstörten und in die Wohnung urinierten.

"Es gibt anerkannte Ausbildungen für Tierärzte für Verhaltensmedizin", sagt Charles Trolliet von den Schweizer Tierärzten. Das Problem müsse allerdings ganzheitlich analysiert werden.

Tierärzte seien deshalb eine gute Anlaufstelle. Ein Teil der Verhaltens-Störungen bei Tieren sei aber sicher auch auf das Verhalten der Halter oder das Umfeld zurückzuführen.

Zudem gebe es Tiere, die von Geburt an psychisch gestört seien, sei es von der Rasse oder der Familie her.

swissinfo und Agenturen


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