Navigation

Verfolgt und ermordet

Jüdische Schweizer Familie vor heimischer Kulisse. Keystone Archive

Als Ärzte und Hebräischlehrer waren sie gerade noch geduldet. Häufig aber wurden sie ermordet und vertrieben: Die Juden in der Schweiz. Der Historiker Karl Heinz Burmeister hat die Geschichte der Juden im Kanton St. Gallen aufgearbeitet.

Dieser Inhalt wurde am 22. August 2001 - 16:39 publiziert

Die Geschichte der Juden im Kanton St. Gallen bis zum Jahr 1918 ist auch ein Teil der Geschichte der Juden in der Schweiz und der Juden in Europa:

Drei Daten bilden den Raster für diese Geschichte, die sich wegen vieler verschwundener Quellen oft nur aus Gerichts-Protokollen rekonstruieren lässt und damit negativ besetzt ist.

Judenverbrennungen

Im Pestjahr 1349 kam es in ganz Mitteleuropa zu Judenverfolgungen in bis dahin nicht gekanntem Ausmass. Man bezichtigte die Juden, die Pest durch Brunnenvergiftung verbreitet zu haben und verbrannte Tausende von ihnen aus reiner Habgier; auch in St. Gallen, wie Karl Heinz Burmeister darlegt.

Nach 1349 kehrten Juden zögernd in die Städte St. Gallen und Rapperswil zurück, manche liessen sich auch in Wil und Rheineck nieder. Nach der Vertreibung der Juden aus den Städten wurde Rheineck zum jüdischen Zentrum. Dort lebten damals 13 Prozent Juden.

Geduldet waren die Juden in der Stadt St. Gallen allenfalls noch als Hebräischlehrer für die Mönche oder als Ärzte, weil sie besser heilen konnten als ihre christlichen Kollegen.

Flucht

Die Eidgenossen erlaubten den Juden die Niederlassung nur noch in Untertanen-Gebieten und gemeinen Herrschaften, zu denen auch das Rheintal gehörte. 1634 wurden die Juden im Zusammenhang mit dem 30-jährigen Krieg ganz aus dem Kanton St. Gallen vertrieben. Sie flohen nach Hohenems in Vorarlberg.

Erst dank Napoleon erhielten die Juden durch das auf ausländischen Druck hin entstandene Gleichstellungsgesetz von 1867 die Niederlassungsfreiheit.

Zerstörte Quellen

"Die wirkliche Geschichte der Juden im Kanton St. Gallen kann man gar nicht schreiben", sagte der Autor, Karl Heinz Burmeister, an der Präsentation seines Werks in St. Gallen.

Viele Quellen sind bei den zahlreichen Verfolgungen und Vertreibungen zerstört worden. Die Häuser der Juden existieren nicht mehr. Der Historiker musste sich vor allem auf Gerichts-Protokolle stützen, auf Fälle, bei denen sich Christen und Juden gegenüber standen. Diese Protokolle sind einseitig und für die Juden negativ.

Burmeister hat die Geschichte der Juden bewusst nur bis 1918 aufgezeichnet. Die Vorarbeiten, um in grossem Stil über die Juden in der Zeit ab dem Ende des Ersten Weltkriegs zu schreiben, seien noch zu wenig weit gediehen, betonte der Historiker.

"Geschichte der Juden im Kanton St. Gallen bis zum Jahre 1918" von Karl Heinz Burmeister wurde vom Historischen Verein des Kantons St. Gallen herausgegeben.

swissinfo und Agenturen

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.