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Neue Hoffnung für Kinder mit Leukämie



Jean-Pierrre Bourquin mit einem seiner kleinen Patienten.

Jean-Pierrre Bourquin mit einem seiner kleinen Patienten.

Für Kinder mit schwer behandelbarer Leukämie haben Forscher am Kinderspital Zürich eine neue Therapie-Möglichkeit entwickelt. In diese wird grosse Hoffnung gesetzt.

Rund ein Drittel aller krebskranken Kinder leidet an Leukämie. Die heutigen Behandlungsmethoden für Blutkrebs sind für die kleinen Patienten jedoch äusserst lang und belastend.

Und sie sind nicht immer wirksam, denn die Leukämiezellen können frühzeitig resistent werden gegen die Chemotherapie-Mittel.

Pro Jahr werden in der Schweiz rund 70 Fälle resistenter akuter lymphatischer Leukämien (ALL) gezählt, in Europa beläuft sich die Zahl auf rund 1000 Fälle.

"Dank internationaler Studien über die Kombination von Chemotherapie-Mitteln wurden in den letzten 30 bis 40 Jahren in der Behandlung von Kinder-Leukämie unglaubliche Fortschritte gemacht. Heute können über 80 Prozent der an hoch resistenter Leukämie erkrankten Kinder geheilt werden", sagt Jean-Pierre Bourquin vom Forscherteam am Kinderspital Zürich.

Im Zentrum des Ansatzes des Forscherteams am Kinderspital Zürich steht der Wirkstoff Obatoclax Mesylate. Die Forscher fanden heraus, dass dieser Wirkstoff kombiniert mit herkömmlichen Chemotherapie-Mitteln eine Resistenz verhindert.

Programmierter Zelltod

Dabei spielt der programmierte Zelltod eine zentrale Rolle. Zellen können in gewissen Situationen ihren eigenen Tod herbeiführen.

"Das ist absolut entscheidend zum Überleben. Bei einer Infektion vermehren sich die Blutzellen, um gegen das Virus anzukämpfen. Doch diese müssen wieder abgebaut werden, sonst kann dies zu Leukämie führen", so Bourquin.

Normalerweise lösen die meisten Chemotherapie-Mittel in den Krebszellen einen programmierten Zelltod aus. Ist eine Zelle jedoch resistent, wird dieser Mechanismus unterdrückt. Obatoclax Mesylate verändert die Signalwege in der Zelle. Die Unterdrückung des programmierten Zelltodes wird aufgehoben und die Zelle reagiert wieder auf das Chemotherapie-Mittel.

Effektive Therapie

"Eine kleine Dosierung dieses Wirkstoffs, der in so geringen Mengen nicht toxisch ist, in Kombination mit herkömmlichen Chemotherapie-Mitteln erhöht die Wirksamkeit enorm", so Bourquin. Ein Vorteil des Wirkstoff Obatoclax Mesylate ist auch, dass er mit verschiedenen Chemotherapie-Mitteln kombiniert werden kann.

Die Ergebnisse der Studie basieren auf einem neuartigen experimentellen System. Im Labor wurde ein Transplantations-Modell für die hoch resistente Leukämie in der Maus entwickelt.

Die Studie, die bereits online einsehbar ist, erscheint in der April-Ausgabe der Fachzeitschrift The Journal of Clinical Investigation.

"Angesichts unserer Ergebnisse sind wir sehr zuversichtlich, dass dieser Ansatz für die Entwicklung neuer Therapeutika sehr nützlich ist", sagt Bourquin.

Neue Hoffnung

Laut Bourquin plädieren Leukämie-Spezialisten dafür, dass die Kombinationstherapie mit dem Wirkstoff Obatocklax Mesylate in einer klinischen Studie weiter erforscht werden soll.

Bourquin hat zur Weitererforschung von Obatoclax Mesylate bereits ein klinisches Protokoll erarbeitet.

"Wir hoffen, dass wir in 18 Monaten eine einwöchige Behandlung von Patienten mit schwer behandelbarer Leukämie durchführen können", sagt Bourqin gegenüber swissinfo.ch. Er bleibt jedoch realistisch: "Es braucht zahlreiche Schritte und eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen europäischen und amerikanischen Forschungszentren bis bekannt ist, wie der Wirkstoff Obatoclax Mesylate eingesetzt werden muss, um eine bestmögliche Wirkung zu erzielen."

Doch die neue Therapie-Möglichkeit gibt Hoffnung für jene Kinder, bei denen Leukämie mit der bisherigen Behandlung langfristig nicht behandelt werden konnte."Es ist ein vielversprechender Weg um diesen Kindern, für die es neue Behandlungsmethoden braucht, möglichst rasch zu helfen", sagt Bourquin.

Isobel Leybold-Johnson, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Corinne Buchser)

Leukämie

Leukämien gehen von den Vorläufern der weissen Blutkörperchen (Leukozyten ) aus. Die Zellen vermehren sich unkontrolliert, verdrängen die gesunden Blutzellen und breiten sich im ganzen Körper und in den Organen aus.

Jährlich erkranken in der Schweiz rund 870 Menschen an Leukämie, das entspricht etwa 2% aller Krebskranken.

Fast die Hälfte der Patienten ist zum Zeitpunkt der Diagnose 70 Jahre alt oder älter.

Bei Kindern sind Leukämien die häufigste Krebsart: Ein Drittel aller krebskranken Kinder leidet unter Leukämie.

Man unterscheidet verschiedene Leukämie-Formen:

- Akute Leukämien verlaufen rasch und müssen sofort behandelt werden, chronische Leukämien verlaufen langsam und werden häufig nur zufällig entdeckt.

- Bei lymphatischen Leukämien stammen die Krebszellen aus dem lymphatischen Gewebe, bei myeloischen Leukämien aus dem Knochenmark .

80% aller akuten Leukämien bei Kindern sind akute lymphatische Leukämien; 80% aller akuten Leukämien bei Erwachsenen sind akute myeloische Leukämien.

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