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Zeitungs-Kommentare zum unendlichen Sprachenstreit

Die erste Fremdsprache an der Schule wird wohl von Kanton zu Kanton eine andere sein. Keystone

26 Erziehungs-Direktoren haben am Freitag (03.11.) nicht entscheiden können, welche Fremdsprache sie als prioritär empfehlen sollen. Die Deutschschweizer Zeitungen sprechen alle vom gleichen Ziel mit, das auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden kann.

Dieser Inhalt wurde am 04. November 2000 - 14:07 publiziert

"Wenn in der Schweiz heikle Entscheide anstehen, kneifen die Verantwortlichen und schieben das Problem vor sich her."

Schreibt die "Berner Zeitung". Nach zweitägiger Diskussion hätten es die Erziehungsdirektoren nicht geschafft, eine Lösung zu finden, obwohl mit dem sogenannten Zürcher Modell ein Kompromiss auf dem Tisch liege:

"Ob Englisch oder Französisch zuerst - diese Frage soll jeder Kanton für sich klären. Am Ende der obligatorischen Schulzeit müssen die Schüler beide Sprachen gleichermassen beherrschen."

Dieses Ziel solle im Zentrum des Sprachunterrichts stehen, meint die Kommentatorin. Aber:

"Zugegeben, das Modell schafft neue Probleme: Die Lösung widerspricht der Entwicklung, die 26 Schulsysteme auf einen Nenner zu bringen."

"Auszubaden haben dies bei einem Kantonswechsel vor allem auch die Kinder."

Schreibt die "Basler Zeitung" dazu. Und:

"Von einer Verlagerung des Problems auf Bundesebene darf man sich nicht zu viel erhoffen. Denn die föderalistische Ordnung des Schulsystems lässt sich nicht über eine Einzelfrage umstürzen."

Der Zürcher "Tages-Anzeiger" fragt sich:

"Bricht die Willensnation tatsächlich auseinander, wenn Deutschschweiz und Romandie keine Einheitslösung finden?"

Die Antwort:

"Das wird niemand im Ernst behaupten."

Laut Tagi liegen aber schon staatspolitische und pädagogische Argumente im Widerstreit. Der Respekt vor der sprachkulturellen Identität der Miteidgenossen sei wichtig. Aber das Ergebnis zähle, und nicht der Weg. Und dann sei da noch die Muttersprache. Das Hochdeutsch unserer Kinder sei alarmierend schlecht.

"Wenn die Mundartwelle in diesem Tempo weiterrollt und das Hochdeutsche verdrängt, entfremden wir uns von uns selbst. Und natürlich auch von der Nation. Oder sollen die Romands Zürichdeutsch lernen?"

Anders die Genfer Zeitung "Le Temps". Diese ist erleichtert, dass die Erziehungsdirektoren nicht die einfachere Lösung, "...la solution la plus lâche..." gewählt haben. Die der freien Wahl für die Kantone. Dies hätte zur Folge, dass hier das Deutsch und da das Französisch begraben würde.

"Ce qui aurait consisté à enterrer l'allemand ici, le français là, en se lavant les mains de toute responsabilité..."

Die Kommentatorin von "Le Temps" ist überzeugt, dass, wird der Entscheid noch lange herausgezögert, die Eltern ihre Kinder in Privatschulen schicken werden. Diese ködern mit der Aussage: nicht Englisch mache den Unterschied auf dem Arbeitsmarkt aus, sondern die Dreisprachigkeit. Ironie des Schicksals: die öffentlichen Schulen verfolgen eigentlich dasselbe Ziel, einfach langsam und mit Hindernissen.

"La société helvétique à deux vitesses, c'est celle où il faut aller à l'école privée pour apprendre, vraiment, les langues nationales."

Rebecca Vermot

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