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Sami Khedira fällt gegen Frankreich aus. Und Bastian Schweinsteiger fit zu kriegen, würde wie ein Wunder wirken. Was macht Trainer Joachim Löw? Er will einen früheren Turnierfehler nicht wiederholen.

Deutschland sucht den Sechser. Und Löws "DSDS"-Casting ist nach dem definitiven Ausfall von Sami Khedira darum besonders knifflig, weil die logische Lösung Bastian Schweinsteiger für den EM-Halbfinal vom Donnerstag in Marseille am seidenen Faden hängt. Am Montag radelte der Captain nach dem Kraftakt gegen Italien, als er trotz einer neuen Knieblessur 105 Minuten lang durchgehalten hatte, immerhin schon wieder locker im Fitnesszelt.

Die im Spital diagnostizierte Aussenbandzerrung an dem in diesem Jahr schon zweimal verletzten rechten Knie schmerzt jedoch. Diese habe sich sogar "nach dem Spiel verschlechtert", berichtete Löw. Und der Chefcoach verkündete mit Blick auf die Kraftprobe deutlich: "Spieler, die angeschlagen sind, die nicht hundert Prozent belastbar sind, lasse ich definitiv nicht spielen."

Löw hat Lehren aus früheren Turnieren gezogen. "Wenn ich weiss, dass einer nicht hundert Prozent in die Zweikämpfe kann, wird er bei mir nicht spielen. Den Fehler haben wir einmal gemacht vor vielen Jahren, den Fehler mache ich nicht mehr. Dann kommen andere Spieler."

Löw mochte auch auf Nachfrage nicht verraten, an welchen Fall er konkret dachte. Vielleicht, weil es auch damals um Schweinsteiger ging? Bei der EM 2012 war der Mittelfeldchef auch nicht topfit. Vor dem Halbfinal erklärte damals sogar Schweinsteiger persönlich, er hätte Verständnis, wenn der Trainer ihn gegen Italien nicht aufstellen würde. Löw brachte ihn, Deutschland schied aus.

Vier Jahre später ist Schweinsteiger nicht mehr automatisch gesetzt, wenn die heilenden Hände der Mediziner das Knie halbwegs heilen können. Obwohl auch Löw überrascht war, dass Schweinsteiger nach dem Ausfall von Khedira im Viertelfinal gegen Italien so lange spielen konnte. "Bastian hat sich glänzend reingebissen und bis zum Schluss das Tempo gehalten und die Kraft gehabt. Das hat mich beeindruckt."

Mehr als ein Funke Hoffnung besteht nicht. "Ich wünsche mir und unserer Mannschaft, dass der Bastian es schafft, dass er fit wird. Denn er kann unserer Mannschaft unheimlich viel geben", sagte Löw.

Der Trainerstab beschäftigt sich intensiv mit der Partnersuche für Toni Kroos, Löws gesetzten "Strategen" im Mittelfeld. Als Optionen nannte Löw die Turnierneulinge Emre Can, 22, von Liverpool. Und Julian Weigl, 20, von Borussia Dortmund. Joshua Kimmich von der rechten Abwehrseite ins Mittelfeld zu verschieben, schloss er aus. "Nein. Das ist keine Lösung".

Löw kann zwischen zwei gegensätzlichen Spielertypen wählen. Can spielt unter Jürgen Klopp in Liverpool vorwiegend im defensiven Mittelfeld, kam aber auch schon als Innenverteidiger zum Zug. Löw setzte ihn in sechs Länderspielen bisher nur als Aussenverteidiger ein. "Er ist sehr wuchtig, er ist körperlich stark, er ist auch technisch sehr gut. Ein Spieler wie Emre Can würde unserem Spiel sicherlich gut tun", sagte Löw. Can wäre die Wuchtlösung gegen die körperlich starken französischen Mittelfeldspieler wie Paul Pogba.

"Aber Julian Weigl ist auch ein sehr, sehr guter Spieler", führte Löw aus: "Er löst manche Dinge anders als Emre Can. Er macht die Passwege zu. Er hat ein ganz geschicktes Positionsverhalten und ist unglaublich sicher am Ball", sagte er über den Mann, der vor einem Jahr noch in der 2. Bundesliga beim 1860 München spielte und erst ein Länderspiel vorweist. Sollte es so sein, dass auch Schweinsteiger ausfällt, "muss ich schauen, welche Lösung ich wähle", erklärte der Bundestrainer.

Ein Satz von Löw hörte sich nach Vorteil Weigl an: "Die Zeit der Abräumer ist vorbei. Es braucht Spieler, die technisch gut sind, die das Mittelfeld beherrschen können mit der Ballkontrolle." Mastermind Löw könnte bei diesen Worten aber auch an etwas anderes gedacht haben. Ende März in München gegen Italien hatte der Bundestrainer in einem Länderspiel erstmals die Doppelsechs Kroos/Özil getestet. Es klappte wunderbar: Deutschland gewann 4:1, das Mittelfeld-Duo glänzte.

sda-ats

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