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Der Seefrosch quakt so laut, dass sich die Leute wegen des Lärms beklagen. (Archivbild)

KEYSTONE/KARCH/JUERGEN KUEHNIS

(sda-ats)

Seine Rufe sind so laut, dass die Leute nachts kerzengerade im Bett sitzen. Und die Tiere vermehren sich: Der invasive Seefrosch nimmt im Rheintal immer mehr Lebensräume in Beschlag und verdrängt einheimische Amphibien.

In den 1970er Jahren muss sich in Sargans etwas abgespielt haben, das die Ausbreitung des Seefroschs in der Region beschleunigte. Was geschah, weiss niemand genau. Tatsache ist, dass der aus Südosteuropa stammende Frosch seinen Siegeszug im Rheintal von der St. Galler Gemeinde aus startete.

Vermutlich entwischten einige Tiere, die als lebende Froschschenkel per Bahn aus dem Osten importiert wurden. Oder sie wurden frei gelassen. Die grossen und dominanten Seefrösche frassen sich zu Wasser und zu Land zuerst Richtung Norden. Mittlerweile sind es so viele geworden, dass sich die Leute wegen des Lärms in der Nacht beklagen.

Ein Quaken die ganze Nacht

"Ganze Sommernächte quaken sie durch", sagt Christian Öhri, Kanzlist der Liechtensteiner Gemeinde Ruggell. Die nördlichste Kommune des Fürstentums hatte Ende 2013 eine Naturoase im Dorf geschaffen. Den Seefrosch hatte sie nicht auf dem Radar. Der Neozoen, die nicht heimische Tierart, fühlte sich am Wasser der Naturinsel rasch pudelwohl, nicht aber die Nachbarn, die nachts bald kein Auge mehr schliessen konnten.

"Oäk, oäk" tönt des männlichen Frosches Revierruf. Gelüstet es ihn nach Paarung, sendet er Keck-Rufe aus. Die Lautstärke soll bis zu 90 Dezibel erreichen. Vor allem im Chor soll der Frosch lauter sein als ein Presslufthammer.

Die Ruggeller Behörden schritten nach Reklamationen wegen Froschlärms zur Tat. Unter fachlicher Begleitung des Fischereivereins wurden die Fische im Biotop umgesiedelt. Das Hinterwasser sei in eine Magerwiese umgewandelt worden, sagt Kanzlist Öhri. Weniger formell ausgedrückt: der Teich wurde mit Kies zugeschüttet. Der Seefrosch blieb zwar, quakt aber nicht mehr.

Wie das? Nicht mit Kies bedeckt wurde ein kleiner Wasserlauf in der dörflichen Naturinsel. Der Frosch sei ruhig, weil er an Fliessgewässern generell nicht quake, schrieb die Gemeinde. Der eventuell einzige Nachteil für das Tier bestehe darin, dass es sich dort wahrscheinlich nicht mehr paaren könne.

Der Frosch steht vor Chur

Nicht nur in Liechtenstein, auch auf der anderen Seite des Rheins machte sich der laute Frosch in St. Galler Gemeinden zum Ärgernis. Unterdessen schreitet die Ausbreitung nach Süden voran.

Bis vor drei Jahren sei der Kanton "seefroschfrei" gewesen, sagt Hans Schmocker von der Bündner Interessengemeinschaft für den Reptilien-und Amphibienschutz. Dann machte er sich im Bündner Rheintal nördlich von Chur breit - zuerst quakte er in Zizers, dann in Trimmis, in Untervaz oder Fläsch.

Laut Schmocker ist in Graubünden nicht der Lärm das Problem. Klagen habe es bislang keine gegeben. Vielmehr macht sich der Einwanderer unbeliebt, weil er die einheimische Amphibien und Kleintiere verdrängt. "Wir wären froh, wenn die Frösche mehr quaken würden. Wir könnten sie dann besser lokalisieren und fangen", sagt Schmocker.

Wie ein Kampf gegen den Wind

Soweit es eben möglich ist, werden die gefrässigen Seefrösche von den Fachleuten fachmännisch ins Jenseits befördert. Aber es ist wie ein Kampf gegen den Wind. Der Frosch, der sich bisweilen mit einheimischen Fröschen paart, lässt sich schwer stoppen.

Die Universität Basel erforschte die Ausbreitung des Tieres im Aargau wissenschaftlich. Der aggressive Hüpfer mit dem auffällig grünen Strich auf dem Rücken bedrängt gemäss Studie namentlich die angestammten Populationen der Gelbbauchunken und Geburtshelferkröten.

Die Autoren der Studie sagen, dass die Bestände der beiden einheimischen Arten ohne den Seefrosch mindestens fünf Mal grösser wären. Aufgehalten werden kann der Eindringling nicht. Die Basler Studie bilanziert, dass Bekämpfungsmassnahmen fragwürdig und kaum machbar seien.

Private Feldzüge gegen die Frösche sind keine Alternative. Tauchen die Tiere irgendwo auf, sind die zuständigen kantonalen Fachstellen oder Naturschutzverbände zu informieren.

sda-ats

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