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Leere Klassenzimmer wird es zum bevorstehenden Schulanfang zwar nicht geben, aber das Problem des Lehrermangels ist nicht nachhaltig gelöst. (Symbolbild)

Keystone/SALVATORE DI NOLFI

(sda-ats)

In der Schweiz bilden sich zwar wieder mehr Menschen zu Lehrerinnen und Lehrern aus und ausländische Lehrkräfte unterrichten in Schweizer Schulzimmern. Aber der Lehrermangel ist nicht nachhaltig beseitigt. Vor allem Heilpädagoginnen und Heilpädagogen fehlen.

Alle Lehrerstellen besetzt: Das heisst es in den Kantonen jedes Jahr vor Beginn des neuen Schuljahres. Für den Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) kein Grund zur Entwarnung: "Es gibt Stufen und Fächer, in denen man eine Lehrkraft einstellen muss ohne auswählen zu können", sagt Präsident Beat Zemp.

Ausgewiesen ist laut Zemp ein Mangel an Heilpädagogen und Heilpädagoginnen. "Grund ist die integrative Schulung von Kindern mit Beeinträchtigungen." Heilpädagogen begleiten und unterstützen diese Kinder in der Regelklasse. "Fehlt der Heilpädagoge oder die Heilpädagogin, wird es für die Regel-Lehrkraft schwieriger."

Der Westschweizer Lehrerverband Syndicat des enseignants romands (SER) fordert mehr Personal und auch mehr Geld für die integrative Schulung. Gleiches verlangt der Verband auch für die Betreuung von Kindern von Eingewanderten.

Anstellung ohne Diplom

Ein Blick in ein paar Kantone bestätigt den Heilpädagogen-Mangel: Auf der Primar- und der Sekundarstufe hätten die Lehrerstellen ohne Probleme besetzt werden können, berichtet Brigitte Mühlemann vom Zürcher Volksschulamt. Auf der Kindergartenstufe habe sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr entschärft - zwei Wochen vor Schulbeginn fehlten für die Kleinsten nur noch ganz wenige Lehrkräfte.

"Doch bei der schulischen Heilpädagogik ist die Situation weiterhin angespannt", sagt Mühlemann. Nicht alle Stellen könnten mit einer ausgebildeten Fachkraft besetzt werden. Zum Teil würden deshalb Lehrerinnen und Lehrer eingesetzt, die das entsprechende Hochschulstudium nicht absolviert hätten.

Auch Basel-Stadt vermeldet "kleine Engpässe" bei der Heilpädagogik. Es seien Personen angestellt worden, die zwar ein Lehrdiplom hätten, aber kurz vor dem Abschluss der Ausbildung für Heilpädagogen stünden, sagt Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements. "Sie arbeiten in der Regel mit kleinem Pensum bei uns."

Keine Probleme bei der Stellenbesetzung meldet das Amt für Volksschule im Kanton St. Gallen. Auch hier ist die Heilpädagogik die Ausnahme: Vor den Ferien seien noch vereinzelte Stellen im Bereich schulische Heilpädagogik nicht vergeben gewesen, hiess es. Man gehe aber davon aus, dass diese Posten inzwischen besetzt seien.

Immer mehr Bürokram

Eine Belastung für die Lehrerinnen und Lehrer ist der zunehmende Bürokram. Der SER fordert eine Reduzierung der administrativen Arbeiten für Lehrkräfte. Dass bis zu den Bleistiften alles verwaltet und kontrolliert werden müsse, fresse Zeit weg, die die Lehrkräfte eigentlich für die Schüler benötigten, sagte SER-Präsident Samuel Rohrbach vor kurzem an einer Medienkonferenz.

Rund jede sechste neue ausgebildete Lehrkraft (16 Prozent) steige nach einem Jahr Schuldienst wieder aus, macht die SER geltend. Fast die Hälfte der Lehrkräfte (49 Prozent) ist nach fünf Jahren versucht, eine andere Arbeit anzunehmen.

Andere arbeiten laut SER Teilzeit, um durchhalten zu können. Die SER hat eine Studie bestellt zu Belastung und Gesundheit des Lehrkörpers. Bis in einem Jahr sollen Resultate vorliegen.

Dokumentieren und absichern

Dass auf Lehrerpulten derart viel Büroarbeit landet, hat laut Zemp unter anderem mit der Rechenschaftspflicht zu tun. "Weil Eltern alles hinterfragen und zuweilen auch mit dem Anwalt drohen, müssen die Lehrkräfte sich besser dokumentieren und absichern." Die Standards seien rigider geworden.

Mehr Studierende an den Pädagogischen Hochschulen und aus dem Ausland zugezogene Lehrkräfte vermögen laut Zemp den Lehrermangel nicht nachhaltig zu entschärfen. Nach wie vor stünden viele Pensionierungen an, und während sich gewisse Bergtäler entvölkerten, stiegen vor allem in Agglomerationen die Schülerzahlen.

Mit ausländischen Diplomen

Seit ein paar Jahren ziehen zunehmend Lehrerinnen und Lehrer aus dem Ausland in die Schweiz. Seit 2011 hat die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren pro Jahr um die 700 ausländische Diplome anerkannt, sowohl für Lehrerinnen und Lehrer als auch für Sonderpädagogen.

Rund einer von fünf Gesuchstellern muss an der Ausbildung feilen, bevor das Diplom anerkannt wird. Seit 2002 sind rund 5000 ausländische Lehrdiplome und 1000 Abschlüsse im pädagogisch-therapeutischen Bereich anerkannt worden - an Schweizer Volksschulen und Maturitätsschulen unterrichten insgesamt rund 100'000 Lehrkräfte.

sda-ats

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