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Die verheerenden Folgen von zwei Bombenanschlägen in Sajeda Seinab nahe Damaskus. Mindestens 20 Menschen starben.

KEYSTONE/EPA SANA/SANA HANDOUT

(sda-ats)

Zwei Selbstmordattentäter haben bei einem Doppelanschlag in einem schiitisch geprägten Vorort von Damaskus mindestens 20 Menschen getötet. Mehr als 20 weitere Personen wurden bei den Explosionen in dem Vorort Sajeda Seinab verletzt.

Das erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Die Zahl der Opfer werde wegen vieler Schwerverletzter wahrscheinlich noch steigen, erklärte die in London ansässige oppositionsnahe Gruppe. Unter den Toten seien neben den beiden Attentätern 13 Zivilisten und sieben Regimekämpfer.

Zum Anschlag bekannte sich die sunnitische Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS). Der IS erklärte über die ihm nahestehende Nachrichtenagentur "Amaaq", zwei IS-Selbstmordattentäter hätten sich nahe des Schreins von Sajeda Seinab in die Luft gesprengt. Zudem sei ein mit Sprengstoff beladenes Auto zur Explosion gebracht worden.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete im Zusammenhang mit den koordinierten Angriffen von mindestens zwölf Toten und 55 Verletzten. Die Bomben seien nahe des Eingangs zu einem schiitischen Heiligtum explodiert. Die Agentur zeigte Fotos von einer Reihe beschädigter Häuser mit zerstörten Fassaden sowie Flammen und ausgebrannte Autowracks.

Schiitischer Pilgerort

Der Schrein von Sajeda Seinab liegt rund zehn Kilometer südlich des Zentrums von Damaskus und beherbergt das Grabmal einer Enkelin des Propheten Mohammed. Der Schrein ist ein wichtiger Pilgerort für schiitische Muslime unter anderem aus dem Iran. Er wird auch von Tausenden schiitischen Milizionären aus Afghanistan und dem Irak besucht, bevor sie in den Kampf ziehen.

Die Pilgerstätte ist weiträumig abgeriegelt, nachdem es dort in den vergangenen Jahren wiederholt Anschläge gab. So waren bei mehreren Anschlägen der Terrormiliz IS in dem Vorort bereits im Frühjahr mehr als 180 Menschen getötet worden. Bei einem Doppelanschlag Ende Januar starben mehr als 60 Menschen. Ende Februar kamen bei drei Anschlägen mindestens 120 Menschen ums Leben.

Fassbomben auf Daraja

Der blutige Anschlag in Sajeda Seinab liess Fassbombenangriffe der syrischen Regierungstruppen auf die belagerte Stadt Daraja in den Hintergrund treten. Die Angriffe ereignete sich wenige Stunden, nachdem erstmals seit Jahren ein Hilfskonvoi mit Nahrungsmitteln in die Stadt gelangt war.

Westliche Staaten verurteilten die Luftangriffe scharf. Frankreichs Aussenminister Jean-Marc Ayrault warf Damaskus am Freitag (Ortszeit) "ausserordentliche Doppelzüngigkeit" vor. Ayrault sagte in New York, er finde "keine Worte" für seine Empörung, und forderte eine Sitzung der internationalen Unterstützergruppe für Syrien.

US-Aussenamtssprecher Mark Toner sagte, Angriffe mit Fassbomben seien ohnehin "nicht hinnehmbar", doch unter diesen Umständen seien sie noch schändlicher, weil sie "auch die Lieferung und Verteilung schrecklich benötigter Hilfe behinderten".

Dringend benötigte Hilfe

Der Konvoi erreichte die Stadt in der Nacht zum Freitag. Er brachte erstmals seit Beginn der Belagerung im November 2012 Nahrungsmittel für die eingeschossene Bevölkerung.

Der Aktivist Schadi Matar berichtete jedoch, die Hilfsgüter könnten wegen erneuter Luftangriffe nicht verteilt werden. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden 20 Fassbomben auf die Stadt abgeworfen.

Am Freitag erreichte auch ein Hilfskonvoi die belagerte Stadt Duma im Nordosten von Damaskus. 39 Lastwagen des Syrischen Roten Halbmonds gelangten mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen Hilfsgütern in die Stadt. Laut der Beobachtungsstelle war es die erste UNO-Hilfslieferung für Duma seit Herbst 2013. Insgesamt stehen 19 Städte und Ortschaften in Syrien unter Belagerung.

Zehntausende Zivilisten eingeschlossen

Die Beobachtungsstelle warnte derweil, in der Stadt Manbidsch in der nördlichen Provinz Aleppo seien zehntausende Zivilisten eingeschlossen. Die Flugzeuge der internationalen Militärkoalition bombardierten die Stadt ohne Unterlass, während zehntausende Einwohner keine Möglichkeit hätten, sich in Sicherheit zu bringen, da alle Strassen aus der Stadt versperrt sind, erklärte die oppositionsnahe Organisation.

Laut den für Medien kaum überprüfbaren Angaben der Beobachtungsstelle leben tausende Zivilisten in Manbidsch in Furcht vor den Luftangriffen. Das arabisch-kurdische Rebellenbündnis SDF hatte am Freitag den Belagerungsring um die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierte Stadt geschlossen, nachdem sie die Strasse zur türkischen Grenze abgeschnitten hatte.

Der US-Gesandte bei der Anti-IS-Koalition, Brett McGurck, erklärte, die Dschihadisten seien nun komplett eingeschlossen. Sie hätten eine wichtige Verbindungsstrasse verloren, über die auch die Attentäter gereist seien, die im Auftrag der Gruppe die Anschläge in Paris und Brüssel begangen hatten.

sda-ats

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