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Nach den schwersten Kämpfen seit Jahren zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Südkaukasusregion Berg-Karabach haben die Konfliktparteien eine Waffenruhe vereinbart. In den kommenden Tagen soll eine internationale Vermittlungsmission starten.

Die Gefechte wurden am Dienstagvormittag eingestellt, wie das Verteidigungsministerium in Baku mitteilte. Armenien bestätigte dies.

Seit dem Ausbruch der Kämpfe zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken am Samstag wurden nach unterschiedlichen Angaben insgesamt zwischen 50 und 64 Menschen getötet. Es war die heftigste Eskalation in dem Jahrzehnte alten Konflikt seit der Einigung auf einen Waffenstillstand 1994.

Die Behörden von Berg-Karabach hatten Aserbaidschan unmittelbar vor der Feuerpause den Einsatz schwerer Waffen wie Raketenwerfer vorgeworfen. Die Führung in Stepanakert ordnete die Teilevakuierung von Orten unmittelbar an der Trennlinie zu Aserbaidschan an. Der Beschuss sei zu heftig geworden, sagte ein Bürgermeister.

Internationale Gespräche geplant

Unmittelbar nach Bekanntgabe der Feuerpause habe sich die Lage in Berg-Karabach zunächst beruhigt, hiess es. Nun stehen mehrere diplomatische Initiativen für eine Deeskalation an.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kam in Wien zu Beratungen zusammen. Im Ständigen Rat wollen die Vertreter aus 57 Nationen über die jüngsten Entwicklungen beraten. Informiert werden sie von der sogenannten Minsk-Gruppe der OSZE unter Führung von Russland, den USA und Frankreich.

Der armenische Präsident Sersch Sargsjan wird an diesem Mittwoch zu Gesprächen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin erwartet. Der russische Aussenminister Sergej Lawrow reist am Donnerstag nach Baku. Russland gilt als militärische Schutzmacht Armeniens.

Die überwiegend von Armeniern besiedelte Region Berg-Karabach hatte sich Anfang der 1990er Jahre in einem Krieg von Aserbaidschan losgesagt. Die Führung in Baku wirft dem Nachbarland Armenien vor, völkerrechtswidrig aserbaidschanisches Gebiet besetzt zu halten. Der UNO-Sicherheitsrat hat dies mehrfach verurteilt.

"Jetzt sind schnelle und deutliche Schritte der internationalen Gemeinschaft nötig, um Aserbaidschan an den Verhandlungstisch zurück zu bringen", forderte der armenische Aussenminister Edward Nalbandjan. Er warf Aserbaidschan vor, absichtlich auf eine gewaltsame Eskalation hinzuarbeiten.

Wille zur Zusammenarbeit

Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev betonte seinen Willen zu einer Neuauflage der Verhandlungen mit dem Nachbarland. "Auch wenn Gespräche keine Ergebnisse bringen, sind wir bereit für den Verhandlungsprozess", sagte Aliyev.

Sein aussenpolitischer Berater Ali Gassanow warnte Armenien vor Provokationen. Baku sei in der Lage, Berg-Karabach und andere Gebiete in kürzester Zeit zu erobern. Das aus dem Verkauf von Öl und Gas reich gewordene Land gibt seit Jahren grosse Summen für Rüstung aus. Auch Aserbaidschans enger Verbündeter Türkei warnte Armenien mit Nachdruck vor Angriffen.

Aserbaidschan gab seine bisherigen Verluste mit 16 getöteten Soldaten an. Zudem seien vier aserbaidschanische Zivilisten ums Leben gekommen. Der Führung in Eriwan zufolge starben auf armenischer Seite bisher 20 Soldaten und 7 freiwillige Kämpfer sowie 2 Kinder.

sda-ats

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