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Atletico Madrid plant einen Frontalangriff auf Meister FC Barcelona und Real Madrid. Ansagen, Transfers und Figuren mit Format - in der Primera Division ist mit grossem Fussball zu rechnen.

Im spanischen Klub-Fussball wirken in zwei Metropolen seit mehreren Dekaden eigentliche Zentrifugalkräfte. Barcelona und Madrid bestimmen unaufhörlich den Takt. In der Stadt von Real spielt mit Atletico ein zweiter erheblicher Player mit, Barça hingegen ist im Zentrum Kataloniens im Prinzip konkurrenzlos.

Die Herausforderer, unter ihnen diverse Europacupsieger, arbeiten im internationalen Vergleich zwar ausserordentlich, aber das unermesslich gut bestückte "Trio Grande" ist für die obere Mittelschicht nahezu unantastbar. Real Madrid kann sich per se (fast) alles leisten, beim FC Barcelona ist Geld ebenso kein Thema. Wer ausserhalb der beiden Zentren einen kostspieligen Umsturz wagt, kann wie der FC Valencia (2004) in schwere finanzielle Turbulenzen geraten.

Das Projekt von Simeone

Atletico Madrid hat die tonnenschweren Altlasten aus den Zeiten des zuweilen nicht zurechnungsfähigen Ex-Patrons Jesus Gil y Gil mittlerweile auf ein erträgliches Mass reduziert. Der Verein ist wieder in allen Bereichen kredit- und glaubwürdig. Die überragenden Champions-League-Kampagnen - Atletico erreicht zwei der letzten drei Finals - spülten Cash in die Kasse.

Anders als in den letzten Sommerperioden hat Reals Stadtrivale auf den Verkauf wichtiger Figuren verzichtet. Der grössere finanzielle Spielraum ist spürbar. Die Rojiblancos, in der eigenen Zone mit nur 18 Gegentreffern in 38 Meisterschafts-Runden unter den Tenören europaweit tonangebend, haben ihre Qualität im offensiven Bereich markant angehoben.

Das nur schwer verdauliche Penalty-Drama im Endspiel der Königsklasse gegen Real Madrid hat im Verein des charismatischen Trainerchefs Diego Simeone keine Implosion ausgelöst. Jene Experten, die Auflösungserscheinungen voraussagten, lagen falsch. Das Gegenteil passierte: Vor seiner sechsten Saison investierte Simeone gegen 80 Millionen Euro und damit mehr als je zuvor während seiner Amtszeit.

Der Franzose Kevin Gameiro, der spektakulärste und beste Stürmer von Europa-League-Sieger FC Sevilla nahm die Offerte an, Benfica Lissabons argentinischer Spielmacher Nico Gaitan liess sich vom Projekt Simeones ebenso überzeugen; dazu verstärkt der kroatische Rechtsverteidiger Sime Vrsaljko von Sassuolo die hoch dotierte Elf.

Es gibt verschiedene Indizien und Statements, aus denen das imposante Volumen Atleticos abzuleiten ist. Das wichtigste Signal kam von einem, der schon da war: Antoine Griezmann einigte sich mit der Klubführung auf eine Verlängerung des Vertrags bis 2021. Frankreichs erster EM-Topskorer seit Michel Platini, der eigentliche Superstar der Euro 2016, glaubt an die europäische Mission der Madrilenen und entschied sich gegen astronomische Zahlen aus England.

Geheim halten sie den Stolz über ihre Schaffenskraft im Vicente Calderon nicht. "Es ist sehr schwierig, besser zu sein als Atletico, weil wir ein Team sind. Nur Bayern München, Real Madrid und der FC Barcelona sind besser - niemand sonst. Wir verbessern uns stetig." Simeones Worte dürften nachhallen.

Barça unbeeindruckt

Bei den Exponenten des FC Barcelona, in sechs der letzten acht Championats topklassiert, dürften die forschen Töne aus dem Herzen des Landes kaum einen erhöhten Ruhepuls provozieren. Der Titelhalter ist seinerseits grenzenlos von sich selber überzeugt. Ihm stünde das "beste Team seit Jahren" zur Verfügung, frohlockte Luis Enrique nach dem souveränen Gewinn der Supercopa de España gegen den FC Sevilla (3:0 und 2:0).

Das ohnehin schon edle Ensemble wurde mit dem portugiesischen Europameister André Gomes und dem französischen EM-Finalisten Samuel Umtiti angereichert. Im Angriff beansprucht Barça die Weltklasse praktisch exklusiv: Lionel Messi, Neymar und Luis Suarez - die fabelhafte Angriffslinie produzierte auf dem Weg zum Titelgewinn sagenhafte 90 Treffer.

Zidane und Morata unter Beobachtung

Auf Zinédine Zidane hat Simeone mit seiner Ansage bestimmt auch gezielt. In Mailand im Kampf um die wichtigste internationale Vereinstrophäe unterlag er dem Franzosen knapp, in der Liga will er den Druck auf den Ex-Weltmeister nun verstärken. Seit seinem Einstieg Anfang Jahr hat "Zizou" primär gewonnen. Nun folgt die kompliziertere Aufgabe der Bestätigung.

An der Transferfront haben sich die Galaktischen für ihre üppigen Verhältnisse (vorerst) zurückgehalten. Einen illustren Neuzugang präsentierten sie ihrem anspruchsvollen Publikum gleichwohl: Aus Turin kehrte nach zweijährigem Engagement Alvaro Morata zurück. 30 Millionen haben sie für den Stürmer der Juve überwiesen, der in Italien zwar jedes mögliche Edelmetall gewann, aber nie restlos überzeugte.

Unruhe im Feld der Verfolger

Im Dunstkreis der Leader sind gewisse Unruheherde auszumachen. Villarreal droht im Playoff zur Champions League das Out. Wenige Tage vor der 1:2-Heimniederlage gegen Monaco stellte der Klub seinen langjährigen Erfolgstrainer Marcelino unverzüglich frei. Die Zerrüttung mit jenem Mann, der den Verein 2013 aus der Versenkung der Segunda Division geholt hat, ist kein gutes Zeichen.

Eine ähnlich diffuse Entwicklung bahnt sich beim FC Sevilla an. Nach drei Europa-League-Triumphzügen in Folge hat Sportchef Monchi den wohl schwierigsten Umbruch seiner 15-jährigen Ära einzuleiten. Der Coach Unai Emery wechselte zu Paris Saint-Germain, diverse Führungsspieler, unter ihnen Gameiro (Atletico), Coke (Schalke) oder Ever Banega (Inter Mailand), sprangen ab.

Primera Division. 1. Runde der Saison 2016/2017. Freitag, 19. August, 20.45 Uhr. Malaga - Osasuna. - 22.00 Uhr: La Coruna - Eibar. - Samstag, 20. August, 18.15 Uhr: FC Barcelona - Betis Sevilla. - 20.15 Uhr: Granada - Villarreal. - 22.15 Uhr: FC Sevilla - Espanyol Barcelona. - Sonntag, 21, August, 18.15 Uhr: Gijon - Bilbao. - 20.15 Uhr: San Sebastian - Real Madrid. - 22.15 Uhr: Atletico Madrid - Alaves. - Montag, 22. August, 20.00 Uhr: Vigo - Leganes. - 22.00 Uhr: Valencia - Las Palmas.

sda-ats

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