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Im Museum aber nicht museumsreif: Atombomben werden zwar weltweit weniger, aber eine echte nukleare Abrüstung findet nicht statt. (Archivbild)

KEYSTONE/AP/AL CABRAL

(sda-ats)

Die Zahl der Atomwaffen geht laut einem Bericht des Friedensforschungsinstituts Sipri weltweit weiter zurück. Doch keiner der Atomwaffenstaaten ist zur vollständigen Aufgabe seines Arsenals bereit.

Der Rückgang ist nach Angaben der Friedensforscher vor allem eine Folge der kontinuierlichen Reduzierung des Atomwaffenarsenale der USA und Russlands seit Beginn der neunziger Jahre. Beide Länder besitzen gemäss dem am Montag veröffentlichten Sipri-Bericht zusammen 93 Prozent aller Nuklearwaffen. Doch trotz des Anfang 2011 in Kraft getretenen Nachfolgeabkommens New START (Strategic Arms Reduction Treaty) zur nuklearen Abrüstung machen sie nur langsam Fortschritte beim Abbau ihrer Atomwaffen.

Zugleich investierten sowohl die USA als auch Russland grosse Summen in die Modernisierung ihrer Atomstreitkräfte, heisst es im Sipri-Bericht. So wollten die USA zwischen 2015 und 2024 insgesamt 348 Milliarden Dollar für den Erhalt und die Modernisierung ihrer Atomwaffen ausgeben. Schätzungen gehen sogar von einer Billion Dollar in den nächsten 30 Jahren aus.

Widerspruch zu Obamas Versprechen

"Der von der Obama-Regierung vorgelegte ehrgeizige US-Modernisierungsplan steht in krassem Gegensatz zu Präsident Barack Obamas Versprechen, die Zahl der Nuklearwaffen zu verringern und zu der Rolle, die sie in der nationalen Sicherheitsstrategie der USA spielen", sagte der Co-Autor des Sipri-Jahrbuchs, Hans Kristensen.

Die USA verfügen laut Sipri aktuell über insgesamt etwa 7000 Atomsprengköpfe, Russland über 7290. Alle neun Atomwaffenstaaten kommen zusammen auf 15'395 Sprengköpfe.

Die von Sipri genannten übrigen sieben Atomwaffenstaaten - Grossbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea - haben deutlich kleinere Arsenale - insgesamt 4120 Atomsprengköpfe. Allesamt hätten sie jedoch damit begonnen, neue Raketensysteme zu entwickeln oder ihre Absicht dazu bekundet.

Aussichten bleiben düster

China baue seine Atomstreitmacht offenbar aus und modernisiere sein Arsenal, heisst es im Bericht. Indien und Pakistan vergrösserten ihre Bestände an Atomsprengköpfen und arbeiteten an neuen Trägersystemen.

Nordkorea habe nach Einschätzung von Experten inzwischen ausreichend nukleares Material für etwa zehn Sprengköpfe. Es sei allerdings unklar, ob das kommunistische Land über einsatzfähige Waffen verfüge.

Alle Atomwaffenstaaten setzten weiterhin in erster Linie auf die nukleare Abschreckung als "Eckpfeiler ihrer nationalen Sicherheitsstrategien", betonte der Chef des Sipri-Nuklearwaffen-Projekts, Shannon Kile. Damit bleibe trotz einer "Reduzierung der Anzahl der Waffen" die Aussicht auf einen "wirklichen Fortschritt bei der nuklearen Abrüstung düster".

sda-ats

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