Demonstration gegen Auslieferung von Ex-UCK-Anführer Haradinaj


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In Pristina haben Tausende dafür demonstriert, dass Frankreich eine Auslieferung des früheren kosovarischen Regierungschefs und UCK-Anführers Ramush Haradinaj an Serbien zurückweist. Das Kriegsverbrechertribunal der UNO sprach ihn 2008 und 2012 in zwei Prozessen frei.

KEYSTONE/EPA/VALDRIN XHEMAJ

(sda-ats)

In Pristina haben am Samstag tausende Menschen dafür demonstriert, dass die französische Justiz eine Auslieferung des früheren kosovarischen Regierungschefs und UCK-Anführers Ramush Haradinaj an Serbien sofort zurückweist.

Etwa 4000 Demonstranten, zumeist Veteranen des Kosovo-Kriegs, versammelten sich in der kosovarischen Hauptstadt.

"Wir hoffen, dass unser Freund Frankreich dem (Auslieferungs-)Gesuch Serbiens nicht Folge leistet", sagte der Chef des Kriegsveteranenverbandes, Hysni Gucati, vor der Menge. Die Kundgebung wurde von drei Oppositionsparteien unterstützt, darunter Haradinajs Bündnis für die Zukunft des Kosovo.

Haradinaj war am 4. Januar am Flughafen Basel-Mülhausen festgenommen worden. Am 12. Januar ordnete ein Berufungsgericht der ostfranzösischen Stadt Colmar die Freilassung des früheren UCK-Anführers an. Haradinaj darf Frankreich aber vorerst nicht verlassen und musste seinen Reisepass abgeben.

Grundlage für Haradinajs Festnahme war ein von Serbien ausgestellter internationaler Haftbefehl. Die serbischen Behörden werfen ihm Kriegsverbrechen während des Kosovo-Kriegs in den Jahren 1998 und 1999 vor und fordern seine Auslieferung.

Haradinaj soll Belgrad zufolge die "unrechtmässige Inhaftierung von Zivilisten" angeordnet haben, die dann Opfer von "Folter, unmenschlicher Behandlung und Vergewaltigungen" geworden seien. Er und seine Kämpfer sollen zudem einige der Zivilisten getötet haben.

Haradinaj weist Serbiens Anschuldigungen als politisch motiviert zurück. Hundert Tage nach seiner Wahl zum ersten Regierungschef des Kosovo im Dezember 2004 war er zurückgetreten, um sich Vorwürfen des UNO-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu stellen. Das Gericht sprach ihn 2008 und 2012 in zwei Prozessen frei.

Haradinajs früherer Waffenbruder Abdyl Mushkolaj erklärte am Samstag, die früheren UCK-Mitglieder seien "schockiert und empört über die Festnahme ihres Generals und Helden". "Haradinaj verkörpert unseren Krieg und das Kosovo von heute, und das Kosovo kann nicht in Haft genommen werden", fügte Mushkolaj hinzu. Die Festnahme sei eine "Provokation, die die Region erneut in Brand setzen könnte".

Haradinaj ist mittlerweile Abgeordneter im Kosovo und steht in Opposition zu Staatschef Hashim Thaci. In der Bevölkerung geniesst er grossen Rückhalt.

SDA-ATS

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