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Kroatien startet gegen die Türkei in die EM-Endrunde. Mit den Türken haben die Kroaten noch eine Rechnung offen - allen voran Luka Modric, der zweifache Champions-League-Sieger mit Real Madrid.

Am 20. Juni 2008 erlebte Luka Modric im Ernst-Happel-Stadion in Wien im Kreis der Nationalmannschaft einen der bittersten Momente seiner Karriere. Nur Sekunden fehlten Kroatien im EM-Viertelfinal gegen die Türkei zum Halbfinaleinzug, nachdem Ivan Klasnic nach Vorarbeit von Modric sein Team in der 119. Minute 1:0 in Führung gebracht hatte. Das Ende ist bekannt, die Türkei glich noch aus, setzte sich im Penaltyschiessen durch und vereitelte den erstmaligen Einzug der Kroaten in einen EM-Halbfinal. Modric leitete mit seinem verschossenen Penalty den Untergang der Kroaten ein. "Ich habe viele Tränen vergossen." Dass er ins All-Star-Team der UEFA der besten 23 Spieler des Turniers gewählt wurde, war ihm nur ein kleiner Trost.

Acht Jahre später ist Modric der Dreh- und Angelpunkt in der Mannschaft von Ante Cacic. "Der König des Schachbretts", titelte die "Marca" in dieser Woche und zeigte die kroatische Nummer 10 auf weiss-rot kariertem Hintergrund, dem Trikotmuster Kroatiens, dessen Stärke auch 2016 in der Offensive liegt. Ivan Rakitic, Mateo Kovacic, Nikola Kalinic, Ivan Perisic und Mario Mandzukic sollen - orchestriert von Modric - in Frankreich für Spektakel sorgen und Kroatien zu einem ähnlichen Triumph wie 1998 führen, als die Kroaten im Hexagon WM-Dritter wurden. "Dieser Erfolg hat Kroatien auf die Landkarte gebracht", sagte Modric. Und dies nur knapp sieben Jahre nachdem das kriegsversehrte Land seine Unabhängigkeit erlangt hatte.

Modrics Vorbild in der Mannschaft um Davor Suker, dem heutigen Verbandspräsidenten, war Zvonimir Boban. "Er war die Nummer 10 und mein Idol." Im Gegensatz zu Boban agiert Modric auf dem Spielfeld etwas defensiver. Der Filigran-Techniker mit viel taktischem Gespür und einer Passquote von über 90 Prozent ist nicht nur in seinem Heimatland, sondern auch beim Champions-League-Sieger Real Madrid seit Jahren der Taktgeber. "Er entscheidet, wie wir spielen", hatte einst Carlo Ancelotti, Reals Trainer beim Gewinn der "Decima" 2014, über die kroatische Nummer 10 gesagt. "Er ist das Rückgrat unserer Mannschaft", lobte Sergio Ramos seinen Teamkollegen jüngst. Und Miroslav Blazevic soll dereinst geschwärmt haben: "Österreich hat Mozart, wir haben Modric."

Modrics Weg führte 2008 von Dinamo Zagreb nach London zu Tottenham Hotspur, ehe er 2012 nach einem Transfer mit Nebengeräuschen zu Real Madrid stiess. Eine solche Karriere hatten ihm nicht viele zugetraut. Aufgewachsen in der Küstenstadt Zadar war Modrics Familie nach Ausbruch des Bürgerkrieges, als Luka sechs Jahre alt war, vorübergehend zur Flucht gezwungen. "Was wir durchgemacht haben, war nicht einfach", sagte Modric in einem Interview mit der "Daily Mail" während seiner Zeit bei Tottenham. Sein Grossvater war im Krieg ums Leben gekommen. "Der Krieg hat uns härter und stärker gemacht."

Von diesen Erfahrungen profitierte Modric in seinen Jugendjahren. Als 16-Jähriger stiess er zur Nachwuchsabteilung von Rekordmeister Dinamo Zagreb, nachdem er einige Jahre zuvor in einem Probetraining bei Hajduk Split wegen seines schmächtigen Körperbaus durchgefallen war. "Viele dachten, ich sei nicht gut genug, weil ich nicht gross und stark war", erinnerte sich Modric. 20 Jahre später steht der 30-Jährige nun in der Blüte seiner Karriere. Noch ist er aber nicht am Ziel seiner Träume angekommen. Die spanische Liga gewinnen und mit Kroatien etwas Grosses vollbringen, äusserte sich Modric vor der EM zu seinen sportlichen Zielen. "Alles andere habe ich mit Real erreicht."

sda-ats

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