Alle News in Kürze

Mit dem Metalldetektor auf der Suche nach Fragmenten des Twannberg-Meteoriten: Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern leitete in den vergangenen Jahren mehrere Suchkampagnen, die hunderte neuer Fragmente zutage förderten.

Peter Auchli/NMBE

(sda-ats)

Meteoritensammler und Forschende des Naturhistorischen Museums Bern haben rund 600 Fragmente des sogenannten Twannberg-Meteoriten entdeckt, von dem 1984 ein erstes Stück bei Twann BE gefunden wurde. Das Streufeld gehört zu den grössten Europas.

Der Twannberg-Meteorit fiel vor etwa 160'000 Jahren auf die Erde und zerbarst bei seinem Eintritt in die Atmosphäre in hunderte Einzelstücke, die bei Twann niedergingen. Durch mehrere Suchkampagnen unter der Leitung von Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern konnten Forschende und Meteoritensammler in den vergangenen Jahren etwa 600 Fragmente zusammentragen. Die Experten gehen jedoch von über 1000 aus.

Anhand der Fragmente lasse sich das Fall-Ereignis erstmals nachvollziehen, hiess es an einer Pressekonferenz des Museums am Donnerstag in Bern. Das Streufeld werde weiter untersucht, klar sei aber bereits, dass es sehr gross sei.

Das bisher identifizierte Gebiet erstreckt sich über eine Länge von fünf Kilometern, könnte aber bis zu 15 Kilometer lang sein. Es zählt damit zu den drei grössten Streufeldern Europas. Physikalische Untersuchungen zeigen, dass der Himmelskörper vermutlich einen Durchmesser von sechs bis zwanzig Metern besass und demnach eine Masse von tausend bis 30'000 Tonnen besass.

Seltener Eisenmeteorit

Beim Twannberg-Meteoriten handelt es sich um einen äusserst seltenen Eisenmeteoriten des Typs IIG, der sich durch einen niedrigen Nickel- und einen hohen Phosphorgehalt auszeichnet. Insgesamt sind weltweit nur fünf Fallereignisse dieser Art bekannt, hiess es an der Pressekonferenz. Der Twannberg könnte sich vermutlich als einer der grössten, wenn nicht sogar der grösste Eisenmeteorit dieses Typs erweisen.

Überraschend sei auch, wie lange der Meteorit im europäischen Klima überdauert habe, sagte Ingo Leya, Professor an der Universität Bern, der an der Analyse des Meteoriten beteiligt ist, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Mittels radioaktiver Isotope und durch geologische Indizien konnte Leyas Team mit Forschern aus Dresden das Fallereignis auf vor 100'000 bis 200'000 Jahren datieren. Darüber, warum der Meteorit nicht völlig verwittert und überhaupt noch erhalten sei, könne man nur spekulieren, sagte Leya.

Einmaliger Fund

In der Schweiz wurden bisher nur acht Meteoriten gefunden, der Twannberg ist jedoch der einzige, von dem mehr als ein Stück bekannt ist. Das erste Fragment entdeckte 1984 die Bäuerin Margrit Christen, als sie Steine auf einem Feld sammelte. Dabei fiel ihr das ungewöhnliche rostige Stück auf, dass "auffällig schwer" gewesen sei.

Über hundert der seither gefundenen Fragmente können ab dem 19. August im Naturhistorischen Museum Bern besichtigt werden. Die Ausstellung "Twannberg-Meteorit - Jäger des verlorenen Schatzes" widmet sich den bisherigen Erkenntnissen über den Meteoriten und den Meteoritensammlern.

sda-ats

 Alle News in Kürze