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Heute erfolgt der Start in die neue NLA-Saison der Handballer. Kadetten Schaffhausen ist auf internationale Härtetests ausgerichtet, im Kreis der Verfolger wechseln zu viele Exponenten das Konzept.

Die über elfjährige Erfolgsära Kadettens mit neun Topklassierungen in der Meisterschaft ist aus verschiedenen Perspektiven zu bewerten. In Schaffhausen haben sie eine Organisation geschaffen, die auf Sieg getrimmt ist. Ein Teil der unterlegenen Konkurrenz reduziert den Serienchampion (zu) schnell einmal auf das finanzielle Powerplay des Klubpatrons Giorgio Behr. Kritiker suggerieren, unter der Schirmherrschaft des erfolgreichen Wirtschaftskapitäns sei die Kontrolle der nationalen Szene keine Kunst.

Der bewussten Simplifizierung tritt Gabor Vass energisch entgegen. Der Teammanager, seit dem Abschluss seiner erfolgreichen Spielerkarriere vorwiegend im Finanzwesen tätig, relativiert die Haltung der Kritiker: "Schaffhausen ist keine Wohlfühloase, hier wird nach den knallharten Prinzipien des Leistungssports gearbeitet."

Sie würden rund 20 bis 30 Prozent mehr in das Team investieren als andere Schweizer Spitzenklubs, so Vass. "Dafür wird eine entsprechend hohe Gegenleistung erwartet. Uns wird nichts geschenkt." Bittgänge zum wohlhabenden Präsidenten seien keine vorgesehen; Vass kennt Behrs Vorstellungen von einem topseriösen Management: "Wir haben den Kostenrahmen exakt einzuhalten."

Für den teilweise unterschwelligen Vorwurf der NLA-Verlierer, Schaffhausens Muskelspiel im personellen Bereich sei im Normalfall nicht mehr beizukommen, hat Vass kein Gehör. Ihr Pensum sei mit jenem der meisten Herausforderer nicht zu vergleichen. "Bis zur Weihnachtspause kommen wir auf 30 Spiele, ab nächster Woche stehen wir pro Woche zweimal im Einsatz." Die Schlüsselfiguren kommen nach seiner Rechnung bis Ende Saison auf gegen 70 Partien. "Uns steht eine Dreifachbelastung bevor, die wir so noch nicht erlebt haben."

Während ihrer neunten Champions-League-Kampagne hat die Equipe von Trainer Lars Walther in der Tat mit einem Aufwand zu rechnen, der sie ans Limit führen wird. Im Herbst treffen sie in der "besten Europacup-Gruppe aller Zeiten" (Vass) auf Giganten wie Barcelona, Paris Saint-Germain, Flensburg-Handewitt oder den THW Kiel - "88 Meistertitel und 12 Champions-League-Trophäen" hat Vass gezählt.

Das NLA-Tagesgeschäft dürfte der Titelträger trotz der prickelnden europäischen Affiche kaum vernachlässigen. Zum Set-up Schaffhausens gehören Klassespieler wie der polnische Olympia-Halbfinalist Michal Szyba oder der spektakuläre ungarische Finisseur Gabor Csaszar; neben der acht Profis umfassenden Ausländerfraktion sorgen sieben hoch motivierte Vertreter der neu formierten SHV-Auswahl für die nötige Bodenhaftung.

Deschwandens Einfluss und Plan

Gut verwurzelt ist Schaffhausens Playoff-Finalgegner der letzten Saison: Wacker Thun, die verschworene Einheit aus dem Berner Oberland, der Klub mit dem 2-Millionen-Budget, der im Erfolgsfall auf allen Ebenen bis zur Risikolinie alles ausreizen muss. Substanziell hat Martin Rubins Equipe kein Prozent verloren; mit ihr ist in jedem Wettbewerb bis zum letzten Spiel zu kalkulieren.

Im Zentrum wird erneut Lukas von Deschwanden stehen. Der dreifache Liga-Topskorer lenkt Wacker seit Jahren. In neun NLA-Saisons hat der 27-Jährige 1014 Treffer markiert, im Spätherbst wird er im ewigen Ranking den Schweizer Rekord-Internationalen Max Schär überholen. Sein Einfluss ist enorm, im Sog Deschwandens wachsen die Thuner: "Wir hissen nirgends die weisse Fahne", sagt der Aufbauer und denkt dabei in erster Linie an die Begegnungen mit den Kadetten.

Zusammen mit dem U20-EM-Torschützenkönig Lenny Rubin gehört er zu den wenigen NLA-Handballern mit Schweizer Pass, die von einer guten Karriere im Ausland träumen dürfen. Gut möglich, dass sich Von Deschwanden nach acht Spielzeiten für einen Transfer entscheidet. Im Winter wird der promovierte Sportwissenschaftler den Markt sondieren, die Tendenz ist klar: "Frankreich oder die Bundesliga reizen mich."

Geldprobleme und Umsturz

Hinter der Spitze türmen sich teilweise Probleme. Pfadi Winterthur musste einen riskanten Schuldenstand von 1,5 Millionen Franken veröffentlichen. Die Verantwortlichen begründeten die Schieflage mit buchhalterischen Unsauberkeiten. In der Liga kursiert aber auch die Version, der frühere Dominator habe vorsätzlich über seinen Verhältnissen gelebt. Lohnkürzungen sind die Folge - und wohl auch ein sportliches Zurückbuchstabieren.

Schuldenfrei, aber dennoch vor einer unklaren Zukunft steht St. Otmar. Die fetten Tschechen-Jahre sind vorbei, die Ostschweizer müssen ihr Team im Kern umbauen. Ondrej Zdrahala, Michal Shejbal und Matevz Cemas, ein osteuropäisches Trio aus teilweise mittelprächtigen Ligen, sollen die Qualitätsverluste wettmachen - keine sichere Ansage für eine Top-4-Klassierung.

Bei GC Amicitia Zürich steht Robbie Kostadinovich nach knapp 18 Monaten nicht mehr als Coach an der Linie, dem Ex-Captain des Nationalteams folgt Markus Berchten, vor seiner Zusage primär Frauen-Ausbildner.

sda-ats

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